Der Dietiker Gemeinderatskandidat A. M. (AL) hat ein Problem mit der Sozialabteilung der Stadt Dietikon. Der Grund: Im Februar 2017 verfügte die Stadt die Einstellung der Zusatzleistungen zur IV-Rente an M., der als seinen Beruf Hausmann angibt. Der 37-Jährige hatte wichtige Dokumente nicht eingereicht und so seine Mitwirkungspflicht verletzt. Zudem verfügte die Stadt, dass er 26'407 Franken Ergänzungsleistungen und 4242 Franken Beihilfe zurückerstatten muss. Da M. seiner Meldepflicht nicht nachkam, wurden ihm von 2011 bis 2016 zu hohe Beträge ausgezahlt.

Seinem Unmut über diese Entscheide und die Stadt Dietikon verschaffte M. Luft. Zwischen Ende September 2016 und Mitte November 2016 schickte er über 70 E-Mails an die Sozialabteilung. So steht es in einer der beiden Verfügungen der Stadt Dietikon, die der Limmattaler Zeitung vorliegen. Die Mails seien «beleidigend», «ehrverletzend» und «teilweise unterschwellig drohend» gewesen. Hinzu kamen viele belästigende Anrufe des AL-Kandidaten, der das Volk vertreten möchte und daher von öffentlichem Interesse ist.

M. selbst übermittelte der Limmattaler Zeitung einen Video-Mitschnitt eines Anrufs vom September 2016. Als ihm die Stadtangestellte sagt, er solle mit den Beleidigungen aufhören, da sie diese an die Polizei weiterleite, sagt er: «Dann sollte ich weitermachen, dann haben Sie mehr zum Weiterleiten.» Ihn störte es, dass diese Mitarbeiterin an seinem nächsten Termin im Stadthaus dabei sein wird: «Ich will Sie nicht dabei haben. Sie sind unfähig.» Zudem stört er sich daran, dass die Stadt ihm Zahnarztkosten nicht rückvergüten will: «Das mit der Zahnbehandlung ist ziemlich Scheisse. Auch wenn Sie finden, das sei keine zweckmässige Behandlung. Doch, ist es! Ihr Vertrauensarzt ist einfach ein Arschloch, um es auf gut Deutsch zu sagen.»

M. selbst findet es «geil»

Als ihm die Mitarbeiterin sagt, er solle mit den unterschwelligen Drohungen aufhören, sagt M.: «Ich habe etwa fünf E-Mails mit schweren Beleidigungen geschickt. Dazu stehe ich. Es können auch alle Sex mit mir haben, damit habe ich kein Problem. Aber mit Drohungen müssen Sie mir nicht kommen.» Die Mitarbeiterin bleibt gesittet. Als sie das Telefonat beenden will und sagt, dass sie morgen nicht im Büro sei, meint M.: «Dann rufe ich zu Hause an, dann haben Sie wahrscheinlich mehr Zeit. Können Sie mir Ihre Privatnummer geben?» Zum Schluss lacht M. Und sagt: «Das war jetzt geil.»

Zu den E-Mails und Telefonaten kommt hinzu, dass der «Sonntags-Blick» gestern berichtete, M. sei im Juni 2017 per Strafbefehl verurteilt worden wegen Sachbeschädigung, Verleumdung, Beschimpfung, Drohung, Nötigung und Betrug. Und 2014 habe M. auf dem Betreibungsamt randaliert. Zudem habe das Bezirksgericht Dietikon ein Rayonverbot ausgesprochen. Demnach darf sich M. dem Sozialvorstand Roger Bachmann (SVP) nicht nähern.

Kandidaten nicht überprüft

AL-Gemeinderat Ernst Joss wusste nichts. Mit M. habe er nun vereinbart, dass dieser eine Wahl ablehnen werde, sagte Joss zum Boulevardblatt.

Der Dietiker SVP-Präsident Rochus Burtscher zeigt sich gegenüber der Limmattaler Zeitung besorgt: «Ich finde es sehr bedenklich, dass die AL ihre Kandidaten offenbar nicht überprüft.» Zum Vergleich: Bei der SVP waren bei den Wahlen 2014 und 2018 vier Personen für die Überprüfung der Kandidaten zuständig. «Alle potenziellen Kandidaten mussten zu einem längeren Gespräch antraben», erklärt Burtscher.

Dieser Artikel wurde am 26. Februar veröffentlicht. Am 5. März machte die Redaktion aus Kulanzgründen den Namen des nunmehr ehemaligen AL-Gemeinderatskandidaten auf dessen Wunsch unkenntlich.