Seit 2015 organisieren Sie die Acts für das Schlierefäscht. Ging während dieser Zeit auch einmal ein Auftritt in die Hose?

Loco Escrito sagte mir vier Tage vor dem Auftritt ab, weil er einen Unfall hatte. Da stand ich mit einem unbesetzten Zeitfenster am Samstagabend da. Man darf in einem solchen Moment nicht verzweifeln. Denn das kann immer passieren. Wir fanden tatsächlich guten Ersatz.

Haben Sie einen Plan B für solche Fälle?

Mein Plan B ist jeweils der DJ auf dem Platz. Dieser kann immer eine Party veranstalten. Doch auch wenn ich keine zweite Garnitur in der Hand habe, denke ich, würde ich einen Ersatz finden.

Das Fest feiert sein 50-jähriges Bestehen. Wie hat es sich in den letzten Jahren entwickelt?

Es wurde von einem kleinen Fest, das unregelmässig stattfand, zu einem zehntägigen Fest. Die Verlängerung auf zehn Tage vollzogen wir 2011.

Wenn was läuft, ist Barbara Gysling in ihrem Element.

Wenn was läuft, ist Barbara Gysling in ihrem Element.

Es war ein solcher Erfolg, dass wir entschieden haben, das Fest in dieser Länge zu behalten. Heute denke ich, es muss so sein. Wir müssen zehn Tage feiern.

Wird das Schlierefäscht bald ähnlich wie die Badenfahrt werden?

Nein, wir sind anders. Die Badenfahrt gibt es schon länger. Im Limmattal gibt es aber kein vergleichbares Fest, das die Leute so anzieht, denn zur Zeit des Schlierefäschts herrscht ein Ausnahmezustand in Schlieren. Die einen haben gar Ferien genommen und gehen nicht mehr nach Hause zum Essen.

Es gibt auch Leute, die sich über die Musik, die bis tief in die Nacht gespielt wird, nerven. Bekommen Sie viele Klagen?

Wir hatten einen oder zwei Anrufe letztes Mal. Das ist sehr wenig. Die meisten Schlieremer freuen sich. Wir veranstalten auch Anwohnerinformationen für diejenigen, die in unmittelbarer Nähe leben.

Die meisten feiern mit, finden sich damit ab oder gehen in die Ferien. Auch die Senioren im Altersheim freuen sich. Sie können auf den Balkonen sitzen und alles von oben beobachten.

Haben Sie ein Erfolgsrezept?

Das OK-Team arbeitet kompetent und verfügt über tolle Kontakte. Jeder gibt alles und ist ein Profi in seinem Fach.

Sie arbeiten als Eventmanagerin. Ist das Schlierefäscht für Sie ein Auftrag wie jeder anderer?

Nein, wir arbeiten alle ehrenamtlich und haben daneben noch unseren üblichen Job.

Wie organisiert man ein Fest für 100'000 Leute im Ehrenamt?

Da fallen natürlich viele Arbeitsstunden an. Und es braucht viele Leute, denen man vertraut. So ist meine ganze Familie involviert: mein Sohn als Chauffeur, meine Tochter als Stellvertreterin und meine Schwester, eine Freundin und eine Schwägerin sind in der Künstlerbetreuung aktiv.

Während des Fests bin ich die Erste, die auf dem Gelände steht, und meistens die Letzte, die geht. Ich habe folglich immer sehr kurze Nächte.

Was ist die grösste Herausforderung, die Sie zu meistern haben?

Das Wetter. Von dem sind wir abhängig, nur haben wir da keinen Einfluss. Alles andere ist top.

Was ist für Sie als Eventmanagerin schwierig?

Für mich ist es eine Herausforderung, ein Programm zusammenzustellen, das für eine ganze Region passt.

Woran orientieren Sie sich bei dieser Aufgabe?

Am Leben und den Aufführungen, die ich besuche. Einige sagten, Lo und Leduc wären toll. Doch die treten an grossen Open Airs auf. Das heisst, sie kommen für uns nicht infrage. Jetzt habe ich beispielsweise «Night Fever – The very best of the Bee Gees» gebucht. Das ist perfekt, denn ihr Auftritt zieht ältere und jüngere Zuschauer an. So bringe ich 2000 Leute auf den Platz.

Alle Konzerte sind gratis. Wie überzeugen Sie die Musiker, trotzdem aufzutreten?

Ich suche das Gespräch mit den Künstlern. Darin erkläre ich, was wir machen. Dann biete ich ein gutes Rundherum. Das heisst, die Musiker stehen nicht allein da. Jemand holt sie ab und bringt sie überall hin. Rob Spence kaufte ich beispielsweise einen Regenschirm, weil seiner kaputt war.

Aber dieser Aufwand lohnt sich, denn ein guter Boden sorgt auch für ein gutes Konzert. Schliesslich spürt man bei der Anfrage den Charakter der Künstler. Es gibt solche, die sind an Stadtfesten nicht interessiert. Diese schreiben auf die Anfrage nicht einmal zurück. Andere haben Spass an der Musik und am Auftritt. Darauf sind wir angewiesen.

Was heisst das genau?

Ich weiss in etwa, wie hoch die Gage ist, und sage bereits bei der Anfrage, wie viel wir bezahlen können. Wenn ein Künstler darauf eingeht, ist das gut. Aber wenn seine Vorstellung unser Budget übersteigt, dann bleibe ich meist hart und suche weiter. Ich war aber erfreut, wie viele Künstler darauf eingehen. Das Gute ist ja, dass wir auch eine Plattform bieten können.

Wie bekannt sollten die Künstler sein, die am Schlierefäscht auftreten?

Wir dürfen nicht zu grosse Acts haben. Denn wenn zu viele Leute kommen, können wir die Sicherheit nicht mehr gewährleisten. Auch einen Teeniekünstler können wir uns aus Sicherheitsgründen nicht leisten. Es ist eine Mischung zwischen bekannten Namen und Stadtfestambiente.

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten: Welchen Künstler würden Sie sich wünschen?

Ich hätte am liebsten The Boss Hoss oder Die Fantastischen Vier gehabt. Doch das war unmöglich.