Sanierung Bahnhofsgebäude

«Es ist einfach ein wenig eng»: Die SBB schickt ihre Lernenden in den Container

Provisorium an den Gleisen: Die Lernenden in Schlieren arbeiten während 13 Monaten im Container.

Der Schalter der Lernenden in Schlieren wird umgebaut – sie sind nun 13 Monate im Container.

Bis zu acht Leute quetschen sich im Büroprovisorium an die Arbeitsplätze in den weissen Containern. Seit 16 Jahren ist der Schalter in Schlieren eine sogenannte Junior Station, ein Schalter in der Hand von Lernenden. Zur Zeit arbeiten sieben Lernende im Bereich Detailhandel und KV sowie vier Berufsbildner am Schalter der SBB. «Zum Glück sind nicht immer alle gleichzeitig anwesend», sagt Manuela Schneebeli, Geschäftsführerin des Bahnhofs Schlieren.

Im letzten Dezember mussten die Lernenden ihr Büro verlassen. Stattdessen wurden sie für 13 Monate in den Container direkt neben dem alten Bahnhofsgebäude einquartiert. Grund für den Umzug ist die Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes. Im vergangenen Jahr eröffneten die SBB die ersten vier im neuen Look. Dieses Jahr werden sieben weitere Orte umgerüstet, darunter der Schalter der Lernenden in Schlieren. Modernisierung bedeutet in diesem Fall, dass die Glasscheiben zwischen Kunden und Mitarbeitern wegfallen.

7,5 Millionen Franken für den Bau

Deswegen soll der Kundenkontakt nun unmittelbarer werden. «Während früher die Kundinnen und Kunden am Schalter hauptsächlich Billette kauften, wünschen sie heute vermehrt Beratung und Betreuung über die gesamte Mobilitätskette», ist der Website der SBB zu entnehmen. Um ihre Schalter laufend auf den neusten Stand zu bringen, investieren die SBB jedes Jahr rund 7,5 Millionen Franken.

Die Schalter im Container entsprechen dem neuen Look der SBB und verzichten auf eine Glasscheibe.

Die Schalter im Container entsprechen dem neuen Look der SBB und verzichten auf eine Glasscheibe.

Die neuen Schalter sind nicht nur für die Kunden eine Umgewöhnung, auch die Mitarbeiter der SBB müssen sich an das neue Design gewöhnen. «Zu Beginn gab es wegen der Änderungen vereinzelt Kassendifferenzen», sagt Schneebeli. Das sei wahrscheinlich deshalb passiert, weil die Angestellten ohne den Billett-Kreisel vergassen, das Geld für die Tickets einzukassieren. Auch müssen die Lernenden ohne trennende Scheibe noch mehr auf die Sicherheit achten.

Neben dem persönlicheren Kundenkontakt sei die verbesserte Kommunikation ein weiterer Vorteil. Zwei Gründe dafür: Einerseits fällt das Mikrofon, das die Kommunikation durch die Glasscheibe ermöglichte, weg. Andererseits ist das Gebäude besser isoliert und verhindert, dass das Dröhnen der Güterzüge bis in Räumlichkeiten des Schalters dringt.

Einrichten macht Spass

Die Lernenden scheinen sich mit der Situation arrangiert zu haben. Manche haben gar noch etwas dazugelernt. «Es machte Spass, etwas neu einzurichten», sagt Denise Feliz Lara, Lernende Detailhandel im zweiten Lehrjahr. Sie findet, dass sie auf der Junior Station insgesamt noch mehr Vertrauen erhält als an einem konventionellen Arbeitsplatz. Feliz Lara hat die Prospektverwaltung unter sich und fand auch in den begrenzten Platzmöglichkeiten im Provisorium eine Möglichkeit, die Prospekte auszulegen. «Das habe ich ihr ganz überlassen», sagt Schneebeli.

Pamina Brasche, Detailhandelsfachfrau im ersten Jahr, erhielt den Auftrag, die Küche neu einzurichten. Sie sagt: «Es hat weniger Platz, aber viel verändert hat sich nicht. Man muss einfach wissen, wo was ist.» Die beiden Lernenden werden wohl nicht mehr im neuen SBB-Büro arbeiten. Denn im Dezember, wenn das Team den neuen Schalter bezieht, hat bereits eine neue Gruppe Lernender das Zepter über den Schlieremer Schalter übernommen.

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