Oberengstringen

«Es geht nichts über Live-Musik»: So kehrt die Kultur wieder in Oberengstringen ein

Die Ankenhof-Serenade war eine der ersten kulturellen Veranstaltungen in Oberengstringen nach dem Lockdown. Auch für viele Beteiligte bot der Anlass die langersehnte Rückkehr ins kulturelle Leben.

Die Sonne strahlte noch kräftig, als Gemeindepräsident André Bender die Zuhörer begrüsste. Dieses Jahr hatte man mit dem Wetter Glück. Dass an diesem Dienstagabend nicht alles war wie sonst, merkten die Besucher bereits bei der Ankunft: Desinfektionsmittel und Masken standen zur Verfügung, die Sitzordnung war angepasst worden, damit der Abstand eingehalten werden konnte. Präsidentin der Kulturkommission, Usha Meyer, freute sich, dass der Event trotz allem stattfinden konnte. Ihr ging es aber nicht nur darum, den Leuten nach dem Lockdown wieder Kultur bieten zu können. «Wir möchten, dass die Künstler Unterstützung erhalten», betonte sie.

«Nur eine Phase» – daraufhin die Absagen

Mit «pentaTon» gelang es der Kulturkommission Oberengstringen, ein junges Ensemble zu engagieren. Es trat auf dem Ankenhof in geänderter Formation auf: Da die Flötistin und die Oboistin verhindert waren, sprangen Stella Ingrosso an der Flöte und Nathanael Amrany an der Oboe ein. Wie gehabt waren Nicola Katz an der Klarinette, Ramon Imlig am Horn und Philipp Hösli am Fagott vertreten. Für sie war es das erste Konzert nach dem Lockdown. «Am Anfang hat man gedacht, es sei nur eine Phase, dann wurden Konzerte abgesagt», blickte Imlig zurück. Er freute sich aber auf eine Herausforderung: «Es ist eine schöne Atmosphäre auf dem Ankenhof, aber es ist zum Spielen strenger.» Dem stimmte auch Hösli zu: «Man muss sich mit den Umwelteinflüssen ein wenig auseinandersetzen.»

Das junge Bläserquintett begann das Konzert mit einem Divertimento von Joseph Haydn, das einen stimmigen Einstieg in den Abend lieferte. Nach dem leichten Einstieg folgte ein Werk von Paul Taffanel, das als Auftragswerk für die Société de musique de chambre pour instruments à vent geschrieben wurde. Das hört man dem Stück im positiven Sinn an: Die Melodien bewegten sich durch die Stimmen, die Musiker konnten ihr Können unter Beweis stellen und jedes Instrument hatte seinen speziellen Moment.

Beethoven zum Schluss

Statt der Apéro-Pause nach der ersten Hälfte gab es nur eine kurze Verschnaufpause für die Musiker. Im zweiten Teil ging es mit moderneren Klängen von Jacques Ibert weiter. Das Stück ist weit jünger als der Rest des Programms, fügte sich aber trotz seiner Modernität gut ins Programm ein. Zum Schluss huldigte «pentaTon» einem der ganz Grossen: Ludwig van Beethoven hätte dieses Jahr seinen 250. Geburtstag feiern können, aber viele Veranstaltungen zur Feier ­seines Geburtstags wurden abgesagt. Im Programm der Ankenhof-Serenade stellte sein dreissigminütiges Werk, das ursprünglich für Streicher geschrieben wurde, den Abschluss des Programms dar. Es folgte noch eine kurze Zugabe.

Die Zuhörerinnen und Zuhörer waren nach der Veranstaltung glücklich. Theres Rakeseder und Marianne Schertenleib schätzten die spezielle Atmosphäre sehr. «Die einzelnen Stimmen hört man gut», fand Rakeseder. Die Zwiesprache der Instrumente wusste Schertenleib zu begeistern. «Es ist schön, dass es junge Leute waren», meinte sie zudem zur Jugendlichkeit des Ensembles. Theres Rakeseder fügte an: «Es geht nichts über Live-Musik.»

Auch Walter und Pascale Leuzinger waren nach dem Konzert zufrieden. Die musikalische Familie stellte ihren Hof schon zum wiederholten Mal für die Serenade zur Verfügung. Es seien weniger Leute als in anderen Jahren gekommen, aber den Umständen entsprechend sei das Konzert gut besucht ge­wesen.

Meistgesehen

Artboard 1