Limmattal

Erhöhtes Sicherheitsrisiko: Elterntaxis gefährden Kinder auf dem Schulweg

Die Schulleitung in Unterengstringen will das Parkfeld vor dem Schulhaus für den öV sperren.

Die Schulleitung in Unterengstringen will das Parkfeld vor dem Schulhaus für den öV sperren.

Mehr Schüler, mehr Elterntaxis: Die Autos gefährden aber die Sicherheit der Kinder, die den Schulweg laufen. Das Problem ist nicht neu, in Schlieren konnte man die Situation jedoch entschärfen.

Es regnet, das Kind ist spät dran oder die Eltern müssen rasch zur Arbeit: eine alltägliche Situation am Morgen. Oft wird sie mit dem Griff zum Autoschlüssel gelöst. Laut einer Studie des Bundes ist die Zahl an Eltern, die ihre Kinder in die Schule fahren, in den vergangenen zehn Jahren um 40 Prozent gestiegen. Das Phänomen Elterntaxis beschäftigt deshalb auch die Gemeinden im Limmattal.

«Die Zahl der Elterntaxis ist zusammen mit den Schülerzahlen gestiegen», sagt Beda Durschei, Schulleiter der Primarschule Unterengstringen. Und sie sind ein Problem: Denn die Eltern parkieren ihre Autos vor dem Schulhaus auf einer Verkehrsfläche, auf der sich auch andere Kinder bewegen. Schulpflegerin Bettina Pfister hat schon viele gefährliche Situationen beobachtet: «Wenn die Autos retour aus dem Areal fahren, direkt auf den Fussgängerstreifen.» Auch gefährlich sei es, dass die Autos über das Trottoir fahren müssen. «Das sind die regulären Wege der Kinder.» Sie sei bei brenzligen Situationen auch schon nach draussen gelaufen und habe die Eltern angesprochen. «Oft war ihnen nicht bewusst, dass sie eine Gefahr für die andern Kinder darstellen.»

Schulleiter Durschei macht deshalb an jedem Elternabend auf das Problem aufmerksam. «Bequemlichkeit, Verwöhntheit und die eng organisierte Freizeit der Kinder» seien schuld, dass viele Eltern ihre Kinder in die Schule fahren. Schulpflegerin Pfister wünscht sich einen Pedibus, wie ihn der Hort bereits am Mittag kennt: Eltern organisierten sich morgens und abends und begleiteten ihre Kinder abwechselnd zu Fuss. Auch will die Schule demnächst bei der Gemeinde vorstellig werden, und das gefährliche Parkfeld für den öffentlichen Verkehr sperren lassen.

Schlieren hat Situation entschärft

In Schlieren ist man mit polizeilichen Massnamen weit gekommen: Vor ein paar Jahren noch war der «Hofacker» ein gefährlicher Brennpunkt. Vor dieser Schule gibt es keine Parkplätze direkt beim Eingang, deshalb haben die Eltern auf dem Trottoir parkiert. Mit einem Postulat wurde die Stadt aufgefordert, gegen die Elterntaxis vorzugehen. Heute ist dieses Trottoir wegen aufgelegter Steine nicht mehr befahrbar.

Bea Krebs, Schlieremer Schulpräsidenten (FDP), gibt Entwarnung: «In ganz Schlieren gibt es zur Zeit keine ähnlichen Gefahrenstellen mehr.» Die Elterntaxis verbieten könne man nicht, aber wenigstens die Sicherheit erhöhen. Falls neue Brennpunkte auftauchten, würde man handeln. Auch Gemeinderätin Songül Viridén (GLP), die sich oft für Schulwegsicherheit einsetzte, bestätigt den Befund. «Auch das neue Schulhaus Reitmen hat dazu beigetragen, dass die Kinder wieder näher zu ihrem Wohnort zur Schule gehen können.»

Von weit her kommen die Kinder in den privaten Montessori-Kindergarten in Geroldswil. «Das Einzugsgebiet reicht von Unterendingen bis nach Regensdorf», sagt Schulleiterin Zdenka Amschwand. «Geringe Distanz ist kein Thema, die Eltern bringen ihre Kinder zu uns, weil sie das Montessori-Prinzip wollen.» Dass ihren Zöglingen das Erlebnis Schulweg fehlt, macht Amschwand mit andern Angeboten wett. So besuchen die Kinder täglich den eigenen Verkehrsunterricht, um beispielsweise zu lernen, über die Strasse zu laufen.

Eine Entwicklung hat die Leiterin in den vergangenen 22 Jahren festgestellt. «Die Selbstständigkeit der Kinder ist generell verloren gegangen. Die Eltern erledigen für sie alles, die Verkümmerung der Kompetenzen ist sichtbar.»

Die Eltern informieren

Den Wert des Schulweges betont auch Hans Karrer, Leiter Schulverwaltung Urdorf. Vor fünf Jahren hatte die Urdorfer Kindergärtnerin Heidi Bucher der Limmattaler Zeitung geschildert, wie Elterntaxis die Kinder gefährden würden. Die Situation — so Karrer — habe sich bis heute nicht verändert. Nach wie vor würden viele ihre Kinder in die Schule fahren. «Wir schreiben deshalb alle Eltern neu eintretender Schüler an, um ihnen den Schulweg ohne Auto schmackhaft zu machen.»

Ein Blick über die Kantonsgrenze nach Rapperswil-Jona zeigt, wie man den Elterntaxis den Kampf noch aktiver ansagen kann: Beim Pilotprojekt «Erlebnis Schulweg» wurden die Kinder auf die Schleichwege zu ihrem Schulhaus aufmerksam gemacht. Später sind dann die Eltern einbezogen worden. «Es geht nicht nur mit technischen Massnahmen», ist Schulpräsident Thomas Rüegg überzeugt. Die Sensibilisierung der Kinder und vor allem der Eltern sei aufwendig, aber zielführender.

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