Karl Meier wuchs in Zürich auf, wo er schon in Jugendjahren in einem Chor mitsang. Als er älter wurde, legte er das Singen beiseite und fand stattdessen Freude am Schiessen. Jahrzehntelang engagierte er sich im Schützenverein.

Zwei Kollegen aus dem Schützenverein, die auch noch bei den Stadt-Jodlern Dietikon mitsangen, weckten in ihm das Interesse für das Jodeln. «Ich besuchte ihre Auftritte und fand die Musik toll», erzählt Meier. Vor zwölf Jahren begleitete er die Jodler auf eine Reise ins Erzgebirge. «Im Car haben sie viel gesungen. Nach diesen vier Tagen konnte ich einige der Lieder bereits mitsingen», sagt der 65-Jährige. Seit seinem Beitritt zu den Stadt-Jodlern hat ihn das Jodeln nicht mehr losgelassen.

Nach zwölf Jahren wurde er zum Präsidenten ernannt

Meier, der heute in Zürich Altstetten wohnt, hatte stets eine starke Verbindung zum Limmattal: «Mein Grossvater führte das Restaurant Schwyzerhüsli in Bergdietikon. Als kleiner Junge verbrachte ich dort oft meine Ferien.» Durch den Beitritt bei den Stadt-Jodlern Dietikon schloss sich der Kreis: Wie schon die Ferien in Bergdietikon erwecke auch das Jodeln ein Freiheitsgefühl in ihm. «Für mich hat das Chorsingen etwas Psychohygienisches. Es macht Freude und schafft Erleichterung, wenn das gemeinsame Singen einen Hühnerhauteffekt erzeugt.» Diesen Frühling wurde er zum Präsidenten des Vereins gewählt. Der engagierte Teamplayer hat für den Verein schon klare Ziele vor Augen. Beispielsweise ist ihm wichtig, dass die Stadt-Jodler ihre Verbundenheit zu Dietikon stärker zeigen. «Wir wollen öfter in Dietikon auftreten. Am 1. August singen wir deshalb an der offiziellen Feier auf dem Kirchplatz.» Weiter treten die Stadt-Jodler am 15. August am Trachtentanzabend der Trachtengruppe Dietikon auf. Auch die musikalische Begleitung eines Gottesdienstes sei angedacht.

Die Verbundenheit zu Dietikon zeigt sich aber auch in der Wahl der Lieder. Meier erzählt, dass es viele Jodellieder gebe, die Themen und Probleme des bäuerlichen Lebens aufgreifen. «Obwohl wir drei Mitglieder mit bäuerlichem Hintergrund in unseren Reihen haben, möchte ich Lieder singen, die Themen behandeln, mit denen sich auch Stadtmenschen identifizieren können.» Ein weiterer Punkt, den der Vereinspräsident angehen will, ist die Nachwuchsförderung. Insbesondere möchte er Leute zum Jodeln motivieren, die sonst aufgrund ihrer Herkunft wenig über das Jodeln wissen. «Wir sind offen für alle, die Freude am Singen haben. Zusammen singen hat auch einen integrativen Aspekt.»

Sie tragen das Limmattal in die Schweiz hinaus

Immer wieder trifft man die Stadt-Jodler an Jodlerfesten. «Bei Jodlerfesten treten die Vereine mit einem Lied an, welches mit einer Note von eins bis vier bewertet wird. Wer eine Eins oder eine Zwei erhält, qualifiziert sich für das nächste eidgenössische Jodlerfest», erklärt Meier. Im Juni konnten sich die Stadt-Jodler am Nordostschweizerischen Jodlerfest «Winti jodelt» für das Eidgenössische Jodlerfest in Basel qualifizieren, das vom 26. bis zum 28. Juni 2020 stattfinden wird.

Der Stolz der Stadt-Jodler sei das selbst gebaute Sujet-Fahrzeug, die Spanischbrötlibahn, mit dem sie sich bei Jodlerfesten jeweils am Festumzug präsentieren. Der umgebaute Rapid-Ladewagen sei jeweils ein Blickfang. «Wir tragen damit das Limmattal in die Schweiz hinaus.»