Rugby

«Eine für alle, alle für eine»: Diese drei Frauen sind die Limmattaler Rugby-Musketiere

vlnr: Simone Haymoz, Sabrina Walti und Joëlle Huber. Diese drei Limmattalerinnen zeigen, dass Stärke nichts mit dem Geschlecht zu tun hat.

Simone Haymoz (32), Joëlle Huber (22) und Sabrina Walti (34) spielen zusammen in der Schweizer Nationalliga A bei den Valkyries des Grasshopper Clubs Zürich. In einer Woche kämpfen sie in Nyon um den Schweizer-Meister-Titel.

Es ist der Abend nach einem heissen Sommertag, die Hitze auf der Allmend in Brunau ist erdrückend. Trotzdem erscheinen die Uitikerinnen Sabrina Walti und Joëlle Huber sowie die Weiningerin Simone Haymoz wie gewohnt zum Rugby-Training. Sie alle verbindet die Leidenschaft zu diesem Sport. Die drei Limmattalerinnen spielen zusammen in der Schweizer Nationalliga A bei den Valkyries des Grasshopper Clubs Zürich. Doch sie spielen nicht nur in der höchsten Frauen-Rugby-Liga und kämpfen in Nyon in einer Woche um den Titel des Schweizer Meisters, sondern auch für die Schweizer Nationalmannschaft.

Was fasziniert Sie am Rugby?

Joëlle Huber: Der Spirit. Wie man miteinander umgeht und sich gegenseitig respektiert. Wir sind wie eine Familie, eine für alle und alle für eine. Der Zusammenhalt und die Unterstützung sind enorm.

Simone Haymoz: Für mich sind es mehrere Komponenten: Dass man 80 Minuten alles auf dem Feld gibt und nach dem Spiel die dritte Halbzeit mit den gegnerischen Teams zelebriert. Sportlich ist Rugby nicht nur ein Kampf, den man gewinnen muss. Die Strategie fasziniert mich. Es ist ein sehr intelligenter Sport.

Joëlle Huber (rechts): «Der Zusammenhalt und die Unterstützung im Rugby sind enorm.»

Sabrina Walti: Dem kann ich zustimmen. Es sind zwei Aspekte. Einerseits die Gemeinschaft, sobald man sich einem Team anschliesst. Das habe ich in keiner anderen Sportart so erlebt. Andererseits ist es ein physisch herausfordernder Sport. Das Schönste am Rugby ist der Respekt, der allen gegenüber gezeigt wird.

Wie ist es, als Frau Rugby zu spielen? Eilen Ihnen Stereotypen voraus?

Simone Haymoz: Ich glaube, das Frauenbild im Sport hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Stereotypen der Gesellschaft begegnen uns Frauen vor allem, sobald wir uns in Richtung Leistungssport bewegen.

Haben Sie das im Rugby auch schon erlebt?

Simone Haymoz: Klar, Rugby ist ein Körperkontaktsport. Und wenn man diesen als Frau ausübt, ist das für einige gewöhnungsbedürftiger als üblich. Aber in meinem direkten Umfeld war das nie ein Problem.

Sabrina Walti und Joëlle Huber, entspricht das auch Ihren Erfahrungen?

Sabrina Walti: Viele wissen nicht, dass es ein Sport für jede körperliche Beschaffenheit ist. Egal ob gross oder klein, breit oder schlank, es hat für alle eine passende Position auf dem Spielfeld. Das Vorurteil der ‹Kampflesbe› besteht ebenfalls in Sportarten wie Handball oder Fussball und kommt meistens aus ganz bestimmten Reihen. Aber sobald man mit den Leuten darüber spricht und sie über Rugby aufklärt, werden diese Vorurteile schnell abgebaut. Es ist ein toller Sport für Mädchen. Man lernt, sich durchzusetzen. Es kommt nicht darauf an, wie schön die Spielerinnen sind, sondern dass sie auf dem Feld Stärke und Charakter zeigen.

Sabrina Walti: «Es ist ein toller Sport für Mädchen. Man lernt, sich durchzusetzen.»

Joëlle Huber: Wenn ich erzähle, dass ich Rugby spiele, machen die meisten erst einmal grosse Augen. Weil viele gar nicht wissen, was Rugby überhaupt ist. Häufig wird mir gesagt, dass ich nicht wie eine Rugby-Spielerin aussehe. Dies kommt wohl vom Unwissen, dass es im Rugby für jede Position andere Körperstrukturen braucht. Aber die Personen in meinem Umfeld unterstützen mich.

Jede von Ihnen trainiert oder spielt in der Schweizer Nationalmannschaft. Was ist für Sie der Unterschied zwischen dem Nati-Kader und dem Club-Team?

Simone Haymoz: Ob ich für die Nati oder für den Club spiele, ist für mich auf dem Feld einerlei, da ich beides ernst nehme und immer hundert Prozent gebe. Trotzdem ist es eine besondere Ehre, wenn ich für die Nati aufgeboten werde und in der Startaufstellung stehe. Sein Land gegenüber einem anderen Land zu repräsentieren und zu verteidigen, ist sehr schön.

Sabrina Walti: Ich fühle mich ebenfalls immer gleichermassen verpflichtet. Für mich ist meine Rolle als Captain in der Nati der markanteste Unterschied. Das ist eine grössere Verantwortung. Aber ich gebe auch bei den Valkyries alles und versuche mein Wissen weiterzugeben.

Simone Haymoz (ohne Rugbyball): «Klar, Rugby ist ein Körperkontaktsport. Und wenn man diesen als Frau ausübt, ist das für einige gewöhnungsbedürftiger als üblich.»

Joëlle Huber: Ich kann noch nicht grossartig mitreden, da ich erst an zwei Nati-Trainings teilgenommen habe. Ich möchte auf jeden Fall weiter an mir arbeiten, um selektioniert zu werden, das wäre eine grosse Ehre.

In der Schweiz werden vor allem zwei Spielformen von Rugby praktiziert: Seven’s und Union. Was bevorzugen Sie?

Joëlle Huber: Mir gefällt Union, also die Form mit fünfzehn Spielerinnen am besten.
Sabrina Walti: Ich finde sowohl zum Spielen als auch als Zuschauerin beides spannend. Man stellt sich athletischen und denkerischen Herausforderungen, sobald man die Spielform wechselt. Union ist für mich das tägliche Geschäft und Seven’s ein Ausflug in eine andere Welt, um etwas Neues auszuprobieren.

Simone Haymoz: Für mich sind es zwei völlig verschiedene Spiele. Es sind ganz andere Voraussetzungen, die man beim Seven’s im Vergleich mit Union mitbringen muss. Ich spiele beides sehr gerne.

Was sind Ihre Höhepunkte in der bisherigen Rugby-Karriere?

Sabrina Walti: Als wir das Halbfinale gegen so einen starken Gegner wie Luzern gewonnen und somit den Finaleinzug geschafft haben. Obwohl ich aufgrund meiner Verletzung nicht spielen konnte, war es ein wunderschöner Moment. Und als ich das erste Mal mit der Nati auf dem Platz stehen durfte.

Joëlle Huber: «Häufig wird mir gesagt, dass ich nicht wie eine Rugby-Spielerin aussehe. Dies kommt wohl vom Unwissen, dass es im Rugby für jede Position andere Körperstrukturen braucht.»

Simone Haymoz: Obwohl ich sehr lange Rugby spiele und GC-Captain bin, bin ich vor jedem Match nervös. Spiele wie gegen Nyon im Hagel oder Bern im grössten Regen sind einzigartige Momente

Joëlle Huber: Was mir in Erinnerung bleibt, ist auch der Finaleinzug. Und als wir letztes Jahr im Halbfinal standen, aber Forfait geben mussten, weil wir zu wenige Spielerinnen waren und trotzdem zum Rugby Club Cern für ein Freundschaftsspiel fuhren. Da zeigte sich ein weiteres Mal der Rugby-Spirit: Dass man den Kopf nicht in den Sand steckt, auch wenn man nichts mehr gewinnen kann.

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Autorin

Michelle Panza

Michelle Panza

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