Limmattal
Eine etwas andere Weihnacht: Bei den Kirchen ist Kreativität gefragt

Den Limmattaler Kirchgemeinden ist es dieses Jahr ein besonderes Anliegen, Weihnachten so feierlich wie möglich zu gestalten. Dafür setzen sie auch auf ein altbewährtes Kommunikationsmittel.

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 In Oberengstringen wird jeden Abend von 17 Uhr bis 23 Uhr der Altar der St. Mauritius-Kirche an den Kirchturm projiziert.
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 Die katholische Kirche St. Johannes in Geroldswil wurde unter anderem mit einem Adventskranz ausgeschmückt,...
 ...die evangelisch-reformierte Kirche in Birmensdorf-Aesch mit einer Jesuskrippe.
 Auch in der reformierten Kirche in Bergdietikon wurde eine Krippe aufgestellt,...
ref urdorf krippe ...genauso wie in der reformierten Kirche in Urdorf.
 Sie sollen Glück im neuen Jahr bringen: Barbara-Zweige. Die katholische Pfarrei Heiliger Bruder Klaus in Urdorf segnet solche am Samstag und am Sonntag.

In Oberengstringen wird jeden Abend von 17 Uhr bis 23 Uhr der Altar der St. Mauritius-Kirche an den Kirchturm projiziert.

Limmattaler Zeitung

Corona hat viele unserer Pläne durchkreuzt. Auch die Limmattaler Kirchgemeinden können ihre Programme für die Weihnachts- und Adventszeit dieses Jahr nicht wie gewohnt durchführen. «Vieles muss neu durchdacht und organisiert werden», sagt etwa Pfarrer Willy Mayunda von der katholischen Pfarrei Engstringen. Die Aussichten auf ein Weihnachtsfest, das nicht wie gewohnt ablaufen kann, bereite vielen Menschen Sorge. Und trotzdem: Die Kirchgemeinden sind voller Tatendrang und versuchen, ihren Mitgliedern und anderen Kirchbesuchern trotz Widrigkeiten eine möglichst besinnliche Weihnachtszeit zu bescheren.

Mayunda und seine Pfarrei haben sich deshalb etwas Spezielles ausgedacht. «Besondere Zeiten verlangen eben kreative Ideen», sagt er. So wird täglich von 17 bis 23 Uhr der Turm der Kirche St. Mauritius in Oberengstringen beleuchtet – und zwar mit der Projektion des Altars. «Können die Kirchbesucher nicht hinein, wann sie möchten, so kommt der Innenraum gewissermassen zu ihnen nach draussen», sagt Mayunda. So könne jeder dem leuchtenden Altarbild seine Gebete anvertrauen. «Damit wollen wir ein besonderes Zeichen setzen. Das Licht soll uns Zuversicht und Vertrauen schenken und unsere Herzen wärmen.» Die Kirchturmbeleuchtung wird noch bis zum Dreikönigstag am 6. Januar andauern.

Die Organisation der Weihnachtstage bleibe dennoch ein schwieriges Unterfangen, so Mayunda. Die Katholische Kirchgemeinde Engstringen biete in der Adventszeit neben dem Samstagsgottesdienst nun auch sonntags zwei Gottesdienste an, für die sich die Gemeindemitglieder anmelden müssen, um sicherzustellen, dass die maximal erlaubte Zahl von 50 Personen nicht überschritten wird. An Heiligabend findet um 17 Uhr zudem ein Familiengottesdienst mit Krippenspiel statt; um 23 Uhr die «Christmette», bei der ursprünglich auch der Kirchenchor gesungen hätte. «Dessen Konzert mussten wir aber durch solistische Auftritte mit Klavier und Orgel ersetzen», so Mayunda. «An festlichen Klängen wird es uns auch an Heiligabend nicht fehlen.» Am 25. Dezember lädt er zudem zum Gottesdienst um 10 Uhr und um 17 Uhr.

Das Telefon bleibt ein wichtiges Kontaktmittel

Wie Mayunda und die Pfarrei St. Mauritius mussten sich dieses Jahr alle Limmattaler Kirchgemeinden umorganisieren. Ob in Dietikon, Uitikon oder Geroldswil: Gottesdienste werden grundsätzlich keine abgesagt, auch um Weihnachten sollen sie in allen Gemeinden wie geplant stattfinden. So glaubt Marc Stillhard, der Pfarrer der reformierten Kirche Birmensdorf-Aesch, denn auch, dass die Advents- und Weihnachtszeit nicht wesentlich anders sein werde als in den Jahren zuvor: «Inhaltlich geht es immer noch um das Gleiche. Nur bekommt die Botschaft von Weihnachten in dieser schwierigen Zeit besonderes Gewicht.» Kraft und Zuversicht zu schöpfen, sei heuer bestimmt sehr wichtig. Dennoch musste seine Kirchgemeinde unter anderem den Weihnachtsbasar, die Kinderweihnacht am dritten Adventssonntag und das ökumenische Sternsingen absagen.

Die Gottesdienste selbst finden nur noch unter Schutzvorkehrungen statt. Das heisst konkret: In Aesch im Gemeindesäli Brunnehof sind noch 17 Personen zugelassen. Allesamt müssen sie eine Maske tragen. In der Kirche in Birmensdorf wird höchstens 50 Leuten gleichzeitig der Zutritt gewährt. Stillhard ist es ein Anliegen, während Corona auch den direkten Kontakt mit Kirchgängern aufrechtzuerhalten. «Ältere Menschen begleite ich per Telefonseelsorge. Wir bieten auch einen Einkaufsdienst für ältere und kranke oder behinderte Menschen an.» Zudem werde die Kirchgemeinde auch Weihnachtskarten mit Grussbotschaften an alle Kirchgänger versenden.

Auch viele ältere Leute verfolgen unsere Livestreams. Das Internet scheint keine Hürde zu sein.

(Quelle: Nicole Raisle Messmer, Reformierte Kirche Urdorf)

Das Telefon als Kontaktmittel kommt seit Beginn der Coronapandemie auch in Urdorf rege zum Zug. Man habe gemerkt, dass viele Leute «einsam und traurig sind. Wir versuchen, dies aufzufangen», sagt Nicole Raisle Messmer, die Kirchenpflegepräsidentin der Reformierten Kirche. So würden sie auch Hilfe beim Einkaufen oder anderen alltäglichen Sachen anbieten. «Die Leute schätzen dies», so Raisle Messmer. Um sich dennoch weiterhin begegnen zu können, hat die Kirchgemeinde beschlossen, den kleinen Weihnachtsmarkt diesen Donnerstag vor der Kirche mit maximal fünf Ständen durchzuführen.

Zudem setzt die Urdorfer Kirchgemeinde auf Livestreams: «Das Streaming der Gottesdienste hat grossen Anklang gefunden», so Raisle Messmer. «Auch viele ältere Leute schalten ein. Für sie scheint das Internet keine Hürde zu sein.» So sei der Ewigkeitsgottesdienst vom vorletzten Sonntag über hundertmal aufgerufen worden. Beim Weihnachtsgottesdienst am 25. Dezember dürften es noch mehr werden. Dann werden einzelne Streichinstrument-Solisten statt wie üblich der Kirchenchor für die musikalische Untermalung sorgen, während maximal 50 Personen zugelassen sind.

Die Katholische Kirche Dietikon, die ebenfalls einen eigenen Youtube-Kanal betreibt, erreicht mit ihren Gottesdiensten im Internet sogar bis zu 300 Menschen. Die Gottesdienste der Katholischen Kirche Schlieren können dagegen nur live online verfolgt werden. Auch die Reformierten Kirchgemeinden Dietikon, Schlieren und Weiningen haben gemeinsam mit Übertragungen im Internet gute Erfahrungen gemacht. Über carillon.tv wird jede Woche abwechselnd ein Gottesdienst aus einer der drei Kirch-gemeinden online live gestreamt.

Kirschbaumzweige sollen Glück bringen

Auch die katholische Pfarrei Bruder Klaus in Urdorf will in der Adventszeit keine Gottesdienste ausfallen lassen. So findet am 5. und 6. Dezember auch die Segnung der Barbara-Zweige in Gedenken an die Heilige Barbara von Nikomedien, deren Gedenktag der 4. Dezember ist, statt. Die Zweige stammen von Kirschbäumen und werden anschliessend an die Gottesdienstbesucher verteilt. «Zu Hause sollen die Zweige dann bis an Heiligabend blühen», erklärt Pfarrer Max Kroiss. «Als Zeichen des Wachstums und der Fruchtbarkeit des Lebens werden sie mit Glück und Gesundheit im kommenden Jahr verbunden.» Der Brauch geht wohl auf eine Legende zurück, wonach Barbara während ihrer Gefangenschaft einen Kirschbaumzweig mit einem Wassertropfen zum Blühen brachte.

Die nächsten Anlässe im Überblick

In folgenden Gemeinden planen die Kirchgemeinden innerhalb der kommenden Woche Anlässe zu Advent oder Weihnachten:

Schlieren, reformierte Kirche
Do., 3. Dezember, 17.00
 Samichlaus-Treff

Geroldswil, Kirche St. Johannes
Do., 3. Dezember, 06.15
 Rorate-Gottesdienst

Oberengstringen, Kirche St. Mauritius
So., 6. Dezember, 17.00
 «Musik und Wort im Advent»

Urdorf, reformierte Kirche
Do., 3. Dezember, 10.00
 Weihnachtsmarkt

Mi., 9. Dezember, 15.30
 Eltern-Kinder-Adventstreff

Urdorf, katholische Kirche
Sa., 5. Dezember, 18.30 und So., 6. Dezember, 9.30
 Segnung Barbarazweige

Bergdietikon, Kapelle Pfarreizentrum Bergli
Do., 3. Dezember, 19.00
 Adventsvesper

Bergdietikon
«Advent unterwegs», Di., 8. Dezember
 18.00 vor Pflegeheim Egelsee,
 18.30 vor Gemeindehaus,
 19.00 vor Elektro Locher