Fest

Drohnenshow, Feuerwerk und Nachtzuschlag: So präsentiert sich das Züri Fäscht 2019

Die Flotte der Drohnen: 150 Stück werden vier Mal am Züri Fäscht am Nachhimmel dreidimensionale Bilder zeichnen.

Die Flotte der Drohnen: 150 Stück werden vier Mal am Züri Fäscht am Nachhimmel dreidimensionale Bilder zeichnen.

Am Züri Fäscht kommt es erstmals zu einer Drohnenshow. Eine andere Neuerung dürfte den Besuchern weniger gut gefallen.

In etwas mehr als zwei Wochen ist es wieder soweit: Am Wochenende vom 5. bis 7. Juli findet das Züri Fäscht statt. Das alle drei Jahre stattfindende grösste Volksfest der Schweiz lockt – wenn das Wetter mitspielt – jeweils über zwei Millionen Besucherinnen und Besucher an.

Auf jeden Fall zu einem Publikumsmagneten werden dürfte die Drohnenshow, die erstmals an einem Züri Fäscht zu sehen sein wird: 150 Spezialdrohnen, die von einer Plattform im See aus starten, werden zur Musik passende 3D-Bilder in den Nachthimmel zeichnen. Die Aufführungen finden in den Nächten von Freitag auf Samstag und Samstag auf Sonntag jeweils um 00.15 Uhr und 02.15 Uhr statt. Gemäss den Züri Fäscht Organisatoren handelt es sich um die erste öffentliche derartige Show in der Schweiz.

Gesponsert wird sie vom Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (ewz). Der Strombedarf der Drohnen ist jedoch überschaubar: 45 Kilowattstunden sind es gemäss ewz für alle vier Aufführungen. Das entspricht dem Bedarf eines kleineren E-Autos, um 300 Kilometer zurückzulegen. Etwas weniger sparsam fällt die Anreise der High-Tech-Geräte aus: Sie werden von Hong Kong eingeflogen. Die Veranstalter haben an der gestrigen Medieninformationen auch Berechnungen zu den CO2-Emmissionen eines Züri Fäschts offen gelegt (siehe Box links).

Die Drohnenshow ist zwar als audiovisuelles Spektakel eine Konkurrenz zu den Feuerwerkshows. Ersetzen werden die Drohnen die Raketen und Böller dieses Jahr aber nicht. «Ob die Drohnenshow das Feuerwerk in Zukunft ersetzen könnten oder nicht, werden die Zuschauerreaktionen zeigen», sagte Roland Stahel, Geschäftsleiter des Züri Fäschts. Dieses Jahr finden wie gewohnt drei musikalisch umrahmte traditionelle Feuerwerke statt. Eines am Freitagabend, eines am Samstagabend und eines in der Nacht auf Sonntag.

Bier günstiger – Heimweg teurer

Auf dem Weg nach Hause gibt es für die Besucher von ausserhalb der Stadt eine weitere Neuerung: Der Nachtzuschlag muss, wie an allen anderen Wochenendenächten auch, bezahlt werden. Der Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) sah sich ausserstande, aufgrund der Menschenmassen den Zuschlag einzukassieren. Bei der letzten Austragung musste das Züri Fäscht dem Verkehrsverbund deshalb als Abgeltung für den Nachtbetrieb der Busse und Bahnen 800'000 Franken überweisen, was ein Loch in die Kasse riss.

Im vergangenen Jahr einigten sich die Veranstalter des Züri Fäscht und der ZVV auf eine neue Lösung: Die Besucherinnen und Besucher, welche das Nachtnetz nutzen werden, müssen den üblichen Fünf-Franken-Zuschlag bezahlen. Dafür sinkt im Gegenzug der Preis für Bier und alkoholfreie Getränke um je 50 Rappen. Ein Bier kostet dieses Jahr damit 6.50 Franken. Für den durchschnittlichen Trinker dürfte die Rechnung also nicht ganz aufgehen.

Für die Anbieter des öffentlichen Verkehrs ist das Züri Fäscht allerdings auch eine gewaltige Anstrengung: Rund 600 zusätzliche S-Bahnen werden fahren, sowie mehrere tausend zusätzliche Kurse auf Bus- und Tramlinien inner- und ausserhalb der Stadt.

Die schiere Masse der Besucherinnen und Besucher ist für das Züri Fäscht längst zur wohl grössten Herausforderung geworden. Nachdem es 2013 beinahe zu einer Massenpanik gekommen wäre, wurden Gegenmassnahmen ergriffen. «Wir wollen nicht noch mehr Leute anlocken», sagte Albert Leiser, Präsident des Vereins Zürcher Volksfeste. Auf klassische Werbung für das Fest, beispielsweise auf Plakate, verzichte man deshalb dieses Jahr. Und die Besucher, die kommen, sollen mit vielen Attraktionen auf dem ganzen Festgelände möglichst gut verteilt, Ballungen, vor allem beim Bellevue und am Seebecken, sollen vermieden werden.

Überarbeitet wurde auch das Musikkonzept. Der «Lärmteppich», der den Anlass überzieht, soll stärker strukturiert werden. Das neue Musikkonzept soll gegenseitige Beeinträchtigungen und sich aufschaukelnde Musikexzesse verhindern. Die höchste Lautstärke wird den zwei Festplätzen mit den wichtigsten Bühnen zugestanden. Die Limite für die anderen Festplätze ist tiefer angesetzt. Für die Markstände gilt ein Musikverbot.

Eine gute Nachricht gibt es für Chilbifans: Die Bahnen auf dem Sechseläutenplatz werden nicht sofort nach dem Anlass abgebaut, sondern bleiben bis am Sonntag, 14. Juli. Sie sind damit eine Woche länger in Betrieb.

Drohende Engpässe erkennen

Ausgebaut wurde auch die App für Smartphones. Die «Züri Fäscht»-App für Android und iOS enthält Informationen zu allen Festplätzen und Events, zur An.- und Abreise und zur Sicherheit. Wie bereits 2016 werden die Daten der App umgekehrt auch für das «crowd management» genutzt. Die Standortdaten der Smartphones ermöglichen die Visualisierung von Besucherströmen und das Erkennen von drohenden Engpässen. Es werden aber auch nach wie vor Beobachter eingesetzt, die im Festgebiet unterwegs sind, und ihre Wahrnehmungen an die Zentrale melden.

Sicherheitsüberlegungen spielen auch eine Rolle bei den Regeln für den Verkehr. Im Festgelände gilt Fahrverbot, auch für Velos. Die Abstellplätze befinden sich am Rand des Festgebiets. Ein neues Problem sind die zahlreichen Verleih-Fahrzeuge. Neben Velos, etwa von PubliBike, gibt es mittlerweile auch mehrere Anbieter von E-Scootern. Alle Unternehmen wurden aufgefordert dafür zu sorgen, dass die Fahrzeuge nicht im Festperimeter abgestellt werden.

Meistgesehen

Artboard 1