Theodor Strasser und seine Familie leben im alten Weindorf Benken vor allem von ihren Reben – aber nicht nur. Ein Stück Land eignet sich nicht für den Weinbau. Früher weideten dort Mastrinder, später Schafe. Da mit ihnen aber kaum mehr Geld zu verdienen ist, ist Strasser auf ein anderes Tier gekommen: den Damhirsch, sonst eher bekannt aus Wildpärken.

Der Damhirsch, sagt Strasser, sei ein hervorragendes Nutztier. Die Wertschöpfung sei höher als bei anderen Tierarten, da Restaurantgäste für Wildfleisch einen guten Preis bezahlten. Weniger gute Stücke lassen sich zu Salsiz, Schüblig oder Fleischkäse verwursten und direkt vermarkten. «Und das Geweih könnte man theoretisch mahlen und als Potenzmittel nach China verkaufen. Doch dies habe ich nicht vor», betont Strasser.

Momentan scheint überhaupt unsicher, ob Strasser je Damhirsche züchten wird. Denn der Landwirt liegt mit der kantonalen Baudirektion, die das Gehege bewilligen sollte, im Streit; das Vorhaben ist blockiert. Nach seiner Darstellung geht es vor allem um den Zaun und den Futterunterstand für die Wildtiere. Dabei meinte er vor kurzem noch, er könne loslegen.

Bewilligung erteilt

Strasser begann vor vier Jahren mit Planen. Erst habe er Bedenken gehabt, ob das Veterinäramt die Tierhaltung bewillige, sagt er. Doch dieses Amt hatte nichts einzuwenden, erklärte den Nordwesthang für geeignet. Danach kam der Wildspezialist der Beratungsstelle Agridea vorbei. Er machte wenige Auflagen, etwa den Besuch eines Spezialkurses, ein Mentorat oder einen Wasseranschluss. Strasser: «Alles Dinge, die ich locker erfüllte.» Im Frühling 2011 war er so weit, dass er das Baugesuch einreichen konnte. Vorgesehen sind ein Futterunterstand sowie ein Maschendrahtzaun, der gemäss Tierschutznormen zwei Meter hoch ist. Strasser betont: «Es sind bloss Ersatzneubauten.» Schon früher, als noch Rinder und Schafe grasten, war das Grundstück eingezäunt, wenn auch weniger hoch. Auch einen Unterstand gab es schon. Dass der neue zweistöckig sein muss, liege daran, dass darin Futter für ein Jahr gespeichert werden soll.

Monatelang hörte er nichts aus Zürich. Erst Anfang Jahr trudelte Post ein – mit abschlägigem Bescheid. Strasser wollte das nicht auf sich sitzen lassen, reichte Akten nach, bohrte und drängte. «Anfang April hatte ich vom Amt für Raumentwicklung endlich eine Zusage», sagt er und ergänzt: «Leider bloss eine mündliche.»

Das reichte , dass die Gemeinde die Baufreigabe erteilte. Doch die Arbeiten gediehen nicht weit. Nach drei Wochen verhängte die Gemeinde einen Baustopp. Grund: Die kantonale Baudirektion pochte auf ihren negativen Entscheid. Gemäss Sprecher Markus Pfanner hatte sie gar nie grünes Licht gegeben. Es habe sich um ein Missverständnis gehandelt. «Ein Mitarbeiter antwortete am Telefon nur in Bezug auf einen Teilaspekt positiv», sagt er.

Hobby statt Geschäft

Die Baudirektion stellt sich auf den Standpunkt, Strassers Damhirschzucht sei mehr ein Hobby statt ein erfolgversprechendes Geschäft. Gemäss Veterinäramt sind bloss 1,9 Hektaren Weide zur Zucht geeignet, was für 18 oder 19 Hirsche reicht. Das wirtschaftliche Potenzial sei nicht gegeben, so Pfanner. «Die Zukunftsfähigkeit eines Betriebszweigs ist aber eine Grundvoraussetzung.» Aus diesem Grund toleriert die Baudirektion auch keinen Zaun, zumal das Grundstück wie praktisch der ganze Benkemer Rebberg im kantonalen Inventar der Natur- und Landschaftsschutzgebiete von überkommunaler Bedeutung verzeichnet ist. Mangels grosser Erfolgschancen der Hirschzucht sei das Interesse am Landschaftsschutz höher gewichtet worden, so Pfanner.

Strasser ist verärgert. Er sieht nämlich Potenzial für total 3,5 Hektaren, auf denen die Hirsche weiden könnten. Und: «Das Gelände ist seit 1963 immer eingezäunt.» Dass der Zaun jetzt höher sein soll, rechtfertigt das Nein in seinen Augen nicht. Weiter ist er frustriert, weil es zwar immer wieder heisse, die Landwirtschaft solle innovativ sein. Aber mutigen Bauern wie ihm werde das Leben schwer gemacht.

Darum ficht Strasser den abschlägigen Entscheid juristisch an. Sollte er vor Gericht nicht doch noch recht bekommen, droht er damit, den Hang sich selbst zu überlassen. «Die Leute würden von selbst dafür sorgen, dass eine Müllhalde daraus würde.» Statt Wild gäbe es dann Verwilderung.