Der Zürcher Bauernverband (ZBV) unterstützt im Ständeratswahlkampf die Kandidaten Ruedi Noser (FDP) und Roger Köppel (SVP), wie er am späten Mittwochabend bekannt gab. Der Entscheid war umstritten. Neben Noser und Köppel hatte auch Marionna Schlatter, Ständeratskandidatin der Grünen, den Bauernverband um Unterstützung ersucht.

«Es war ein Mehrheitsentscheid», sagte ZBV-Geschäftsführer Ferdi Hodel gestern auf Anfrage. «Es gab auch Gegenstimmen.» Wie klar der Entscheid für Noser und Köppel ausfiel, wollte er nicht sagen.

Vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussionen um den Klimawandel war die Positionierung des Bauernverbands mit Spannung erwartet worden. Köppel hatte in letzter Zeit wiederholt vor «Klimapanik» gewarnt und betont, dass es auch schon in früheren Zeiten Klimawandel gab.

Der Bauernverband schreibt nun in seiner Medienmitteilung, er habe sich mit Köppel intensiv über das Thema Klimawandel ausgetauscht: «Man war sich einig, dass die Veränderungen feststellbar sind und es gut durchdachte und realistisch umsetzbare Massnahmen dagegen braucht.» Köppel stehe zudem für eine starke und selbstständige Schweizer Landwirtschaft.

Schlatter hingegen stehe aufgrund ihrer Unterstützung für Initiativen wie die Trinkwasserinitiative im Widerspruch zur Haltung des ZBV. Die Initiative verlangt, dass nur noch Bauern, die auf den Einsatz von Pestiziden verzichten, Direktzahlungen erhalten. Weil die Ständeratskandidatin der Grünen dies befürwortet, sei eine Unterstützung Schlatters für den ZBV ausgeschlossen. Der Bauernverband hält aber auch fest: Es sei «deutlich spürbar, dass die Präsidentin der Grünen Partei Zürich hinter einer nahrungsmittelproduzierenden Schweizer Landwirtschaft steht».

Offenbar ohne grosse Diskussionen erhielt FDP-Kandidat Noser die Unterstützung des Bauernverbands: «Es sind deutliche Übereinstimmungen mit dem ZBV feststellbar», heisst es im Communiqué. Der freisinnige Ständerat setze sich «für eine produzierende und unternehmerische Landwirtschaft» ein. Und er lehne Initiativen, die sich gegen die Landwirtschaft richten würden, explizit ab.

Der Bauernverband hebt besonders Nosers persönliches Engagement beim Thema Milch hervor. Der amtierende FDP-Ständerat ist Verwaltungsratspräsident der Natürli Züri Oberland AG, die regionale Landwirtschaftsprodukte vermarktet.

Andere Zürcher Ständeratskandidaten hatten sich laut ZBV nicht um die Gunst des Bauernverbands bemüht. Sie setzen auf andere Netzwerke. SP-Ständerat Daniel Jositsch, der wie Noser wieder antritt, weiss den von ihm präsidierten Schweizerischen Kaufmännischen Verband hinter sich.

Noser wird auch vom kantonalen Gewerbeverband (KGV) unterstützt, der sich zudem für CVP-Ständeratskandidatin Nicole Barandun ausspricht. Sie ist Präsidentin des Stadtzürcher Gewerbeverbandes. Das KGV-Ticket mit Noser und Barandun sei «kein Entscheid gegen Köppel, sondern einer für Noser und Barandun», sagte KGV-Geschäftsleiter Thomas Hess kürzlich gegenüber dem «Tages-Anzeiger».

Noch nicht entschieden ist, wen der kantonale Gewerkschaftsbund für die beiden Zürcher Ständeratssitze empfiehlt. Der Entscheid wird Ende August fallen, wie Gewerkschaftsbunds-Präsident Markus Bischoff gestern auf Anfrage sagte. Politisch naheliegend wäre eine Unterstützung für Jositsch und allenfalls Schlatter. Bischoff wollte sich dazu jedoch nicht äussern.

Tiana Moser auf Verena Dieners Spuren?

Ohne grössere Hausmacht ziehen Tiana Angelina Moser (GLP) und Nik Gugger (EVP) in den Zürcher Ständeratswahlkampf. Moser ist allerdings als GLP-Nationalratsfraktionschefin in Bundesbern gut vernetzt. Zudem wird ihr zugetraut, wie 2007 GLP-Parteigründerin Verena Diener in einem zweiten Wahlgang Stimmen von rechts und links auf sich zu vereinen.

EVP-Nationalrat Gugger hingegen geht aufgrund seiner Zugehörigkeit zu einer Kleinpartei als klarer Aussenseiter ins Rennen um die beiden Zürcher Ständeratssitze. Dies, obwohl er als Vizepräsident von Bird Life Schweiz an der Spitze eines grossen Naturschutz-Verbands steht.

Ob SVP-Kandidat Köppel als Herausforderer der Bisherigen Noser und Jositsch von der Unterstützung des Bauernverbands entscheidend profitieren kann, bleibt fraglich. Seit dem Abgang von Hans Hofmann im Jahr 2007 kämpfte die Zürcher SVP vergebens um den Wiedereinzug in den Ständerat. Auch Christoph Blocher (2011) und Ueli Maurer (2007) scheiterten.

Die National- und Ständeratswahlen finden am 20. Oktober statt. Ein möglicher zweiter Ständeratswahlgang wäre am 17. November.