Schlieren
Die Stadt Schlieren verliert 2020 ihr Tennis-Mekka

Die Stadt Schlieren verliert wohl schon bald einen Imageträger: das Indoor-Racketsport Center Vitis, das seit über 30 Jahren auf dem Gelände der Firma Geistlich steht. Gemäss Plan wird die Anlage im Jahr 2020 abgerissen.

Florian Niedermann
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Kurt und Heidi Locher bedauern, das sie das Vitis Center im Jahr 2020 aufgeben müssen.

Kurt und Heidi Locher bedauern, das sie das Vitis Center im Jahr 2020 aufgeben müssen.

«Es ist weniger der finanzielle Faktor, der mir Sorgen bereitet», sagt der Eigentümer des Vitis Centers, Kurt Locher. Vielmehr werde die Schliessung des Vitis Centers für die vielen Freizeitsportler und Schulen einen emotionalen Verlust bedeuten. «Wir haben Tausende Kunden weit über die Region hinaus. Ich bedaure, dass für sie ein Trainingsort mit enormem Status verloren geht», so der 71-Jährige. Dazu komme, dass seine zehn Angestellten ihre Stelle 2020 voraussichtlich verlieren werden.

Stadt verhielt sich passiv
Bereits vor drei Jahren begann Locher nach Land zu suchen, um ein neues Vitis Center aufbauen zu können. Die Stadt habe sich aber passiv verhalten, erklärt er. In Standortförderer Albert Schweizer habe er schliesslich jemanden gefunden, der den Wert des Centers als Imageträger der Stadt erkannt habe. Auch mit seiner Hilfe habe man bisher aber kein geeignetes Grundstück für eine neue Racket-Sport-Halle gefunden, wie Locher sagt.

Vorwürfe richtet der Inhaber des Vitis Centers insbesondere an den Stadtrat und das Parlament. «Die politischen Gremien haben die Interessen der Bevölkerung bei der Beurteilung des Gestaltungsplans zu wenig gewürdigt.» Man dürfe nicht vergessen, dass viele seiner Kunden Stadtbewohner seien. Die politischen Kräfte hätten im Vorfeld der Genehmigung zu keiner Zeit das Gespräch mit ihm gesucht, so Locher.

Parlament zeigt wenig Liebe zum Tennis

Dass das Vitis Center abgerissen wird, hätte der Stadtrat kaum verhindern können, sagt Bauvorstand Jean-Claude Perrin (SVP): «Bei einem privaten Gestaltungsplan kann die Exekutive die Initianten lediglich bitten, zu prüfen, ob eine Ersatzanlage geschaffen werden könnte.» Bei den Beratungen des Stadtrats mit der Geistlich Immobilia AG sei dieser Punkt jedoch nicht zur Sprache gekommen.
Ebenfalls wenig Liebe zum Racketsport hat das Schlieremer Stadtparlament gezeigt, als es über die Genehmigung des Gestaltungsplans beriet. «Das Vitis Center oder eine Ersatzlösung dafür war bei den Debatten kein Thema», sagt Perrin.

Vor Kurzem sprach der Stadtrat einen Kredit für die Überprüfung des Stadtentwicklungskonzepts, das aus dem Jahr 2004 datiert. Bei einer allfälligen Überarbeitung des Planungsinstruments könnte die private Freizeitgestaltung zu einem Thema werden, wie Perrin sagt: «In einer wachsenden Stadt sollten die Behörden den Fokus vermehrt darauf legen, den Einwohnern in ihrer Freizeit etwas bieten zu können.»

Aufseiten der Grundeigentümerin, der Geistlich Immobilia AG, weiss man um den Wert des Racket-Sport-Centers als Standortfaktor für den neuen Stadtteil am Rietpark. «Der Name ‹Vitis› ist eine gute Marke», sagt der Präsident der Firma, Martin Geistlich. Man habe deshalb geprüft, ob eine Möglichkeit bestehe, Teile des Centers am Standort zu behalten. Es sei nicht ausgeschlossen, dass etwa ein Squash-Center in einem der geplanten Gebäude auf dem Geistlich-Areal entstehen könnte. «Die Frage ist, ob sich ein Vermieter finden lässt, der an dieser Nutzung Interesse hat», so Geistlich

Viel Fläche, wenig Ertrag
Der Faktor Wirtschaftlichkeit bildet einen Grund dafür, dass Tennis-Begeisterte ab 2020 ihren Sport wohl in einer anderen Gemeinde ausüben müssen. «Eine Tennis-Anlage beansprucht enorm viel Fläche und bringt im Verhältnis dazu wenig Ertrag», sagt Geistlich. Es sei heute deshalb eine Seltenheit, dass eine solche Anlage an so prominenter Lage wie in Schlieren gebaut werde. «Wir haben diesen Standort über 30 Jahre sehr günstig anbieten können», erklärt er. Nun wolle seine Firma mit dem Wohnbauland haushälterisch umgehen.»

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