Limmattal

Die «beste Pilzsaison seit 25 Jahren» geht zu Ende

Pilzkontrolleure sortieren faule und giftige Pilze aus. Symbolbild Sandra Ardizzone

Pilzkontrolleure sortieren faule und giftige Pilze aus. Symbolbild Sandra Ardizzone

Das Wetter hat es dieses Jahr gut gemeint mit den Pilzen. Wer nochmals auf die Suche gehen will, hat dafür aber nur noch wenige Tage Zeit

Die Pilzsaison neigt sich dem Ende zu. Die wärmeliebenden Steinpilze sind für dieses Jahr bereits weitgehend aus dem herbstlichen Limmattal verschwunden, ebenso die Eierschwämme und Perlpilze. Pilzkontrolleur Andreas Preuss aus Geroldswil war vergangene Woche bei der Pilzkontrollstelle in Regensdorf im Einsatz. Viele Pilze, die bei ihm auf dem Tisch landeten, seien trocken gewesen, sagt er. Das locke Ungeziefer an. «Die Pilze, die wir jetzt bekommen, sind häufig nicht mehr von guter Qualität.» In der Regel dauert die Pilzsaison vom Frühsommer bis zum Spätherbst. «Das Pilzwachstum richtet sich nach der Temperatur der Böden und dem Niederschlag, nicht nach dem Kalender», sagt Preuss. Allgemein gelte 2017 als sehr gutes Pilzjahr, weil auf die warmen Tage im Juli und August üppige Niederschläge im September folgten, die in den aufgewärmten Böden versickerten. «Das sind günstige Bedingungen für die Pilze», sagt er.

Für Peter Lüscher, Vorstandsmitglied des Pilzvereins Dietikon, war es sogar «die beste Pilzsaison seit 25 Jahren». Der Kenner bringt noch immer gute Pilze aus dem Wald mit, etwa Flockenstielige Hexen-Röhrlinge und sogar Steinpilze. «Feuchte Böden sind für Pilze geeignet», sagt er. «Ein Laubwald trocknet den Boden aus, dort wo die Böden mit Moos bedeckt sind, bleiben die Pilze länger gut.» Auch der Nackte Ritterling, der Nebelgraue Trichterling und der Mönchskopftrichterling dürften laut Preuss im Wald noch zu finden sein, da sie auch bei tieferen Temperaturen noch wachsen. «Wenn wiederum Regnen kommt, gibt das diesen Pilzen nochmals einen kleinen Schub.»

Laien ziehen Pilze einfach raus

Doch das gute Pilzjahr sorgte auch für Herausforderungen. So habe es viele Laien angelockt, die mit der richtigen Sammeltechnik nicht vertraut seien, sagt Preuss. Darum seien die Pilze in vielen Fällen nicht fachgerecht gepflückt worden. «Was man oben sieht, ist nur der Fruchtkörper», so Preuss. «Wenn man diesen abschneidet, dann bleibt der Pilz im Boden erhalten.» Ziehe man aber den ganzen Pilz raus, statt ihn auszudrehen, könne das eigentliche Lebewesen, das Mycelium, Schaden nehmen oder sogar absterben. Der Pilz bilde dann im Folgejahr im schlimmsten Fall keine Fruchtkörper mehr.

Wer mehr über Pilze und die richtige Sammeltechnik erfahren will, ist an einem der regelmässig stattfindenden Pilzbestimmungsabende der Pilzvereine Dietikon und Schlieren am richtigen Ort. Laut Andreas Wolf, Präsident des Pilzvereins Dietikon, werden bei den Treffen jeweils 30 bis 40 verschiedene Pilzarten thematisiert, die alle im Limmattal zu finden sind. «Nur jeder Vierte davon ist essbar», sagt er.

Tipps für Pilzsammler

Auch Preuss erklärt den Menschen bei der Pilzkontrolle, worauf sie beim Sammeln achten sollten. «Wenn der Pilz sehr weich und pampig ist und er nach verdorbenem Fisch stinkt, dann ist das ein Zeichen von Fäulnis», sagt er. Auch könne man den Pilz aufschneiden, um nachzuschauen, ob Maden drin seien. Solche Pilze müsse man gar nicht erst in die Kontrollstelle bringen, im Wald könnten sie auf natürlichem Wege abgebaut werden.

«Ganz toll ist auch, wenn man die Pilze vorher säubert», sagt er. Nur abschneiden solle man nichts vom Pilz. «Einige geniessbare Pilze haben giftige Doppelgänger, was man nur am Stiel sehen kann.» Das Stockschwämmchen beispielsweise habe einen tödlichen Zwilling, den Gifthäubling. Beide Pilze hätten ein braunes Hütchen, das Stockschwämmchen aber einen dunklen beschuppten Stiel und der Gifthäubling einen weiss überfaserten Stiel.

Die Bestimmungen zum Pilzsammeln sind nicht in jedem Kanton gleich. So darf im Kanton Zürich maximal ein Kilogramm pro Person und Tag gesammelt werden und vom ersten bis zum zehnten Tag jeden Monats dürfen keine Pilze gepflückt werden. Im Aargau dagegen gibt es keine Schontage oder Mengenbegrenzungen, dafür ist das gewerbemässige Sammeln bewilligungspflichtig.

Wer in dieser Saison noch auf seine Kosten kommen will, muss sich allerdings sputen. Laut Preuss ist die Luft quasi draussen. «Die Natur hat ihre Aufgabe für dieses Jahr erfüllt und ruht jetzt bis nächstes Jahr», sagt er. Peter Lüscher und der Pilzverein Dietikon feierten am Samstag die zu Ende gehende Saison mit einem gemeinsamen Essen. Aufgetischt wurde Ragout, nicht mit Fleisch, sondern natürlich mit Pilzen, wie er sagt. Pilze seien früher das Fleisch der armen Leute gewesen. Preuss rät: «Wer noch Pilze sammeln will, der sollte dies in den nächsten Tagen tun. Ab Anfang November wird es schwierig.»

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