Vergleich
Details weiterhin ungeklärt: Bei der Paulus-Akademie klemmt es

Nachdem der Besitzer des Kulturparks in Zürich-West eingelenkt hat, gehört das Grundstück, auf dem die neue Paulus-Akademie steht, nun endlich den Katholiken. In den Details sind sich die Streithähne aber weiterhin uneinig.

Thomas Schraner
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Der Eröffnungsapéro für die Paulus-Akademie war ursprünglich auf Herbst 2015 terminiert. (Archiv)

Der Eröffnungsapéro für die Paulus-Akademie war ursprünglich auf Herbst 2015 terminiert. (Archiv)

Paulus Akademie

Der Eröffnungsapéro für die neue Paulus-Akademie war auf Herbst 2015 terminiert, als die Betreiberin, die Katholische Körperschaft, die Übung abblasen musste. Grund: Der Initiant des Kulturparks in Zürich-West, zu dem die Paulus-Akademie gehört, erwirkte einen Baustopp. Das konnte er, weil das Grundstück, auf dem die Akademie steht, einer von ihm vertretenen Firma gehörte. Zwar war der Besitzerwechsel längst vereinbart, doch es fehlte dazu noch der formelle Eintrags ins Grundbuch.

Seit dem Baustopp im April 2015 geht nichts mehr auf der Baustelle an der Pfingstweidstrasse 28. Das markante graugrüne Gebäude steht zwar, aber der Innenausbau fehlt. 12 der von den Katholiken bewilligten 17 Millionen sind bereits verbaut. Während die Baustelle also ruhte, lagen sich die beiden Kontrahenten in den Haaren. Die Katholiken zogen den Streit ans Handelsgericht, sistierten den Prozess später aber zugunsten einer Mediation. Als diese nicht das Erhoffte brachte, aktivierten die Katholiken den Prozess wieder. Das war im April 2017.

Grundstück übertragen

Seither herrscht Funkstille. Aber hinter den Kulissen ging das Feilschen weiter. Gestern nun vermeldeten die beiden Parteien einen Fortschritt: Die Übertragung des Grundstücks habe stattgefunden, man habe einen Vergleich erzielt, der Prozess sei damit erledigt. Auf Nachfrage war zu erfahren, dass der Eintrag ins Grundbuch am 22. Dezember 2017 stattgefunden hatte. Damit gehört nicht nur das Gebäude der Paulus-Akademie der Katholischen Körperschaft, sondern eben auch das Grundstück. Dieses hatte die Betreiberin für günstige 1,8 Millionen Franken erwerben können.

Können die Katholiken nun loslegen mit dem Innenausbau? Nein. Aus zwei Gründen, wie der Medienverantwortliche Simon Spengler sagt: Zum einen müssten Bauaufträge neu ausgeschrieben werden, weil einige Firmen den Auftrag nicht mehr wollten oder nicht mehr existierten. Zum anderen seien noch wichtige Details mit dem Kulturpark zu klären.

Streit um Eingangsbereich

Zu diesen wichtigen Details zählt die Gestaltung des Eingangsbereichs der Paulus-Akademie, wie Thomas Seiz, Geschäftsführer des Kulturparks, auf Anfrage sagt. Der Eingangsbereich ist für beide Seiten wichtig, weil er zum Kernstück Akademie führt: dem grossen Vortragssaal für rund 200 Personen. Diesen darf auch der Kulturpark für öffentliche Veranstaltungen nutzen. Der Saal muss deshalb konfessionell neutral gestaltet sein, wie Seiz sagt. Darüber herrsche Einigkeit.

"Wir wollen keinen kirchlichen Touch, weil das die Interessenten unserer Veranstaltungen abschrecken könnte."

Thomas Seiz, Geschäftsführer des Kulturparks

Strittig ist aber, ob der Eingangsbereich und das damit verbundene Foyer ebenso neutral wirken sollen. «Wir wollen keinen kirchlichen Touch, weil das die Interessenten unserer Veranstaltungen abschrecken könnte», sagt Seiz. Einen solchen Touch bekämen diese Bereiche etwa, wenn die Paulus-Akademie eine Ablage für Veranstaltungshinweise oder gar eine Bibliothek mit religiösen Werken einrichten wollte.

Ob die Katholische Körperschaft solches tatsächlich vor hat, will Kommunikationsleiter Spengler nicht bestätigen. Dass die Akademie aber auf eigene Veranstaltungen hinweisen wolle, sei klar: «Als Hauseigentümer müssen wir doch das Recht haben, den Eingangsbereich nach unseren Bedürfnissen zu nutzen.»

Angst vor Kommerz

Die Verantwortlichen des Kulturparks plagt allerdings noch eine andere Sorge: Sollten die Katholiken das Gebäude dereinst verkaufen wollen oder müssen, sieht Seiz die Gefahr, dass der Eingangsbereich kommerziell genutzt werden könnte. Das liefe den Interessen des Kulturparks vollkommen zuwider, sagt Seiz. Er will dies deshalb per Eintrag ins Grundbuch ausschliessen.

Das wiederum geht der Katholischen Körperschaft gegen den Strich: «Wenn wir zu viele Details im Grundbuch festlegen, vermindert sich der Wert unserer Liegenschaft», sagt Spengler. Fazit: Die Streithähne müssen noch viel verhandeln.

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