Landwirtschaft

Deshalb sind immer mehr Zürcher Bauern auf einen Nebenerwerb angewiesen

Die landwirtschaftliche Nutzfläche sowie die Zahl der Betriebe und Beschäftigten im Kanton hat abgenommen. (Symbolbild)

Zahlen des Kantons zeigen: Es gibt immer weniger Betriebe und die grossen Bauernhöfe wachsen auf Kosten der kleinen. Zudem müssen immer mehr Bauern einem Nebenerwerb nachgehen, um über die Runden zu kommen. Das hat nicht nur Nachteile.

84 Landwirtschaftsbetriebe zählte der Bezirk Dietikon gemäss dem Bundesamt für Statistik im Jahr 2010. Acht Jahre später hatte es noch 72 Betriebe im Limmattal. Die Anzahl der landwirtschaftlichen Nutzflächen und der Tierbestand veränderten sich in dieser Zeitperiode nicht massgebend. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den Landwirtschaftsbetrieben im ganzen Kanton. Die diesjährige Ausgabe von «Kanton Zürich in Zahlen» des statistischen Amts hält fest, dass die Zahlen der Beschäftigten und der Betriebe in der Landwirtschaft stark rückläufig sind. In den letzten 23 Jahren sind sie um gut einen Drittel geschrumpft. Ebenfalls hat in dieser Zeit die landwirtschaftliche Nutzfläche abgenommen, und zwar um gut fünf Prozent. Daraus schliesst das Amt, dass ein einzelner Bauernhof im Kanton Zürich durchschnittlich grösser geworden ist.

Ferdi Hodel, Geschäftsführer des Zürcher Bauernverbands, beobachtet diese Tendenz ebenfalls. «So wie die Landwirtschaftspolitik momentan gesteuert wird, sollten eigentlich noch mehr Betriebe wachsen.» Doch seien viele kleinere Bauernhöfe nicht gewillt, ihre Flächen abzugeben. «Meist ist der Grund für ihren Verzicht, dass mit den Direktzahlungen für die Flächen mehr verdient werden kann als mit einer Verpachtung.» Der Bericht des Kantons hält zudem fest, dass Grossbetriebe vor allem auf Kosten der mittelgrossen Betriebe wachsen, während die kleinen Betriebe praktisch unverändert bleiben.

Forstarbeiten und Direktverkauf von eigenen Produkten

Die Anzahl Personen, die auf einem Betrieb arbeiten, habe sich seit 1996 nur wenig verringert, doch arbeiten laut «Kanton Zürich in Zahlen» ständig weniger Landwirte im Vollzeitpensum auf ihrem Hof. Immer mehr Höfe, die früher als Hauptberufsbetriebe geführt wurden, seien nun Nebenberufsbetriebe. Somit offenbare sich auch das Problem, dass viele Bauernhöfe nicht mehr ohne zusätzliches Einkommen bestehen können. Auch wenn bei der Hälfte der Nebenerwerbsbetriebe der Nebenerwerb nur gerade zehn Prozent des Umsatzes ausmache, verdienen sich drei von vier Bauern mit einer nebenberuflichen Tätigkeit etwas hinzu. Das merkt auch Hodel. «Bei den landwirtschaftlichen Betrieben gibt es momentan massive Bestrebungen, die direkte Vermarktung zu stärken.» Die Grossverteiler würden ihre Margen ständig erhöhen, und die Landwirte hätten dabei das Nachsehen. So spielt gemäss dem Bericht des kantonalen statistischen Amts bei jedem zehnten Zürcher Bauernhof die Landwirtschaft nur noch eine Nebenrolle. Vielmehr würden die Betriebe durch ein Zusatzeinkommen überleben, das oft aus mehreren Nebentätigkeiten zustande komme. Dabei seien vor allem Forstarbeiten und der Direktverkauf der eigenen oder zugekauften landwirtschaftlichen Produkte verbreitet. «In der bäuerlichen Pferdehaltung ist auch die Pensionspferdehaltung ein beliebter Nebenerwerb», sagt Hodel.

Er sieht in der Nebenerwerbstätigkeit der Landwirte auch eine Chance. «Diese können zu der arbeitsintensiven Tätigkeit des Landwirtschaftsbetriebs einen Ausgleich bieten.» Die Gefahr von Überarbeitung oder eines Burnouts würde deshalb eher Landwirte eines wachsenden Hofs, die den Mehraufwand im Familienbetrieb bewältigen müssen, betreffen. Doch sei die Umstellung auf einen Nebenberufsbetrieb für Hodel nicht die Universallösung. «Man darf nie vergessen, dass Bauer zu sein eine Berufung ist. Viele Landwirte üben ihren Beruf nicht aus wirtschaftlichem Interesse, sondern aus Leidenschaft zu den Tieren und der Natur aus.»

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Autor

Sebastian Schuler

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