Schlieren

Das Tram fährt an den Rednern vorbei

Eine Eröffnung ohne durchschnittenes Band und lange Reden: Zürichs Stadtrat Michael Baumer und Stadtpräsidentin Corine Mauch, Moderator Peter Hitzig und Mauch ein zweites Mal (von links nach rechts).

Eine Eröffnung ohne durchschnittenes Band und lange Reden: Zürichs Stadtrat Michael Baumer und Stadtpräsidentin Corine Mauch, Moderator Peter Hitzig und Mauch ein zweites Mal (von links nach rechts).

Die erste Etappe der Limmattalbahn ist eingeweiht worden: Das Komikerduo Lapsus inszenierte die offizielle Feier auf humorvolle Art.

Velo- und Autofahrer, die gestern kurz vor Mittag auf der Zürcherstrasse zwischen Schlieren und Altstetten unterwegs waren, blickten mehrmals verdutzt zum Strassenrand. Denn dort auf einer Wiese hielt der Schlieremer Stadtpräsident Markus Bärtschiger (SP) wild gestikulierend eine Rede. Und genau auf der Stadtgrenze zwischen Schlieren und Zürich stand Limmattalbahn-Geschäftsführer Daniel Issler neben einer Flipchart und sprach in ein Mikrofon.

Was die unbeteiligten Velo- und Autofahrer nicht wussten; Bärtschiger und Issler waren Protagonisten der Einweihungsfeier der Limmattalbahn-Etappe. An den beiden Rednern fuhren – auf der neuen Strecke von Schlieren zum Farbhof in Altstetten – zwei Cobra-Trams voller geladener Gäste vorbei. Gestaltet hatte die Einweihung das lokal verankerte Komikerduo Lapsus – natürlich auf seine eigene Art.

Statt Bärtschiger und Issler sowie die weiteren Rednerinnen und Redner einfach auf die Bühne zu bitten, integrierten sie diese auch gleich in eine vorproduzierte Videonummer. Die Zürcher Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh (FDP) sprang von der Bühne auf dem Schlieremer Stadtplatz hinter die Videoleinwand und stieg so direkt ins alte «Lisebethli» ein. In der alten Limmattaler Strassenbahn hielt sie dann ihre Rede. Der Aargauer Verkehrsdirektor Stephan Attiger (FDP) sprach derweil von einer verregneten Wiese bei Spreitenbach zu den Gästen. Als Weibel zur Seite stand den beiden im Video natürlich die Lapsus-Figur Bruno Gschwind (Christian Höhener) in seinem orangefarbenen Arbeitskittel. Und Moderator Theo Hitzig, der abseits der Bühne Peter Winkler heisst, konnte mit seiner Fernbedienung durch die Reden switchen – oder sie gleich ganz ausblenden.

So hörten die vielen geladenen Gäste aus Politik, Wirtschaft und Kultur von den Ansprachen, die schriftlich in voller Länge vorliegen, zunächst auf dem Stadtplatz und später auf einer Extrafahrt auf der neuen Strecke nur die wichtigsten Fetzen. Walker Späh sprach etwa «von der schönen und aufstrebenden Region Limmattal» und meinte, dass die gesamte Volkswirtschaft des Kantons Zürich und des benachbarten Aargaus von der neuen Stadtbahn profitiere. Attiger sagte, dass «die Region schon lange über die Kantonsgrenzen hinweg einen zusammenhängenden Wirtschafts- und Lebensraum bildet».

Schlierens Stapi Bärtschiger wies darauf hin, dass «ohne Stärkung des öffentlichen Verkehrs die Gefahr besteht, dass der Verkehr auf den Strassen weiter zunimmt und die Lebensqualität für die Bewohnerinnen und Bewohner sinkt». Das Zweier-Tram und die Limmattalbahn seien die logische Antwort darauf. Zürichs Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) betonte, dass die Tramverbindung zwischen der Stadt Zürich und Schlieren diejenigen Gebiete besser miteinander verbinde, in denen die stärkste Entwicklung stattfinde. Schlieren und Zürich würden so zusammenwachsen, ergänzte auch der Zürcher Stadtrat Michael Baumer (FDP). Und er wies auf einen Vorteil für die Schlieremerinnen und Schlieremer hin: «Sie können nun direkt mit dem Zweier-Tram ins Letzigrundstadion fahren.» Hans Egloff, Verwaltungsratspräsident der Limmattalbahn AG und SVP-Nationalrat, zog eine «sehr positive Bilanz». Die erste Etappe sei innerhalb des Budgets und des Zeitrahmens fertiggestellt worden, zudem sei man von schweren Unfällen verschont geblieben.

Die erste Etappe der Limmattalbahn umfasst die Strecke vom Farbhof in Altstetten nach Schlieren Geissweid. Auf ihr verkehrt vorerst das Zürcher Zweier-Tram. Ende 2022 soll die zweite Etappe in Betrieb gehen, die einerseits die Anbindung vom Farbhof an den Bahnhof Altstetten und andererseits die lange Strecke von Schlieren über Urdorf und Dietikon an den Bahnhof Killwangen-Spreitenbach beinhaltet. Der Spatenstich zu dieser nächsten Etappe ist gestern auch bereits erfolgt – Regierungsrat Attiger nahm ihn gleich auf der Leinwand vor.

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