Wer glaubte, dass Klassik und Unterhaltungsmusik nicht kombinierbar sind, wurde am Freitagabend im Schlieremer Salmensaal eines Besseren belehrt. Unter dem Motto «Sommer im Weltall» nahmen Sänger Rolf Sommer, Pianist Ken Mallor und das Stadtorchester Schlieren das Publikum mit auf eine abwechslungsreiche Reise ins Weltall.

Einen raffinierten, unerwarteten, aber fliessenden Übergang kreiert das Stadtorchester zwischen dem ersten Stück, Strauss berühmtem Donauwalzer, und dem Einstieg in den Liederabend: Das Orchester wird ruhig, Pianist Ken Mallor am Flügel soliert und langsam spaziert Schauspieler und Musicaldarsteller Rolf Sommer in die Auftrittsfläche. «Y’avait tant d’étoiles», singt Sommer sehnsüchtig, setzt sich auf den gemütlichen Sessel vor dem Orchester und schlägt die Beine entspannt übereinander. Passend zum Text erinnern die am Vorhang angebrachten Lichter an einen Sternenhimmel. Das Publikum lauscht gebannt der Geschichte. Denn Sommer ist nicht nur zum Singen da – für den Rest des Abends wird das Publikum mit Humor, Schauspiel und Gesang unterhalten und zum Nachdenken angeregt.

«Das ist etwas Erotisches»

Alle hängen dem Entertainer an den Lippen, als er fasziniert von der Entstehung des Universums, dem Menschen, dem Leben und der Liebe spricht: «Sie sind zurzeit die Kirsche auf der Torte, das fetteste Päckchen auf dem Geschenktisch der Evolution. Das ist doch etwas Erotisches!» Mit «Kiss» von Prince kommen Orchester und Sommer immer mehr in einen neckischen Groove, der das Publikum in Begeisterung versetzt.

Dann folgt ein Highlight des Abends. Mit AC/DCs «Highway to Hell» zeigt das Stadtorchester Schlieren, wie vielseitig und anpassungsfähig es ist: Mit Sommers nun leicht kratziger, rockiger Stimme wird das Publikum mitgerissen und es klatscht begeistert. Der Sänger zündet gar eine Zigarette an, sitzt paffend im Sessel, steht auf und spielt die Luftgitarre, während er mit seiner Stimme improvisiert.

Doch an diesem Abend zeigt das Stadtorchester Musikverein neben seiner fröhlichen auch seine gefühlsvolle Seite. In Billy Joels emotionalem Gutenachtlied «Lullaby» tritt das Orchester besonders schön in den Vordergrund. Gekrönt wird der Abend mit zwei Zugaben, wobei die erste, Claude Debussys «Claire de Lune», vom Orchester allein gespielt wird. Das träumerische und poetische Werk lässt das Publikum mit einer nostalgischen Stimmung zurück. Die Musikerinnen und Musiker ernten reichlich Applaus und Jubelrufe.


Ohne offenen Geist nicht möglich

Jetti Hutter, Präsidentin des Stadtorchesters Schlieren, ist stolz: «Es war eine absolut tolle Kombination, Klassik und Unterhaltungsmusik. So konnten sich auch Leute erfreuen, die sonst nicht viel mit Klassik zu tun haben.» Dasselbe Programm kann auch am 1. September um 14.30 Uhr am Schlierefäscht genossen werden. Auch Dirigent Hugo Bollschweiler zeigt sich zufrieden: «Dank dem offenen Geist der Musiker konnte das ungewohnte Programm erst so gut funktionieren.» Dem stimmt auch Rolf Sommer zu, der bis vor kurzem in Schlieren gewohnt hat: «Wir haben diese Kombination Klassik-Pop zu unserer eigenen neuen Version gemacht. Es hat mir wirklich Vergnügen bereitet.»

Auch die aus dem Aargau hergereiste Zuschauerin Sibylle Dätwyler teilt ihre Begeisterung: «Mit dem Orchester haben die Stücke eine andere Sphäre erreicht. Es war fülliger, ging in die Tiefe und Ferne und nahm eine spannende Dimension an. Wirklich super!»