Die Kandidatur von Topmodel Tamy Glauser für den Nationalrat hat hohe Wellen geschlagen – ebenso ihre Aussagen zur angeblich Krebs bekämpfenden Wirkung von Veganerblut. Am vergangenen Mittwoch gab Glauser dann den Rückzug ihrer Kandidatur bekannt. Zu schmerzhaft sei die Kritik an ihrer Person gewesen, begründete sie ihren Entscheid auf Instagram. «Dieses kurze, intensive Abenteuer hat mir grosse Lust auf Politik gemacht. Es hat mir aber auch gezeigt, dass ich dazu noch nicht bereit bin», schrieb sie. Die Reaktionen auf ihre unbedarfte Aussage hätten ihr zugesetzt. 

Glausers Rückzug von der Grünen Nationalratsliste hat die Zürcher FDP zu einem Beitrag angeregt, der für Polemik sorgt.

Der Grüne Balthasar Glättli sei nach Glausers Rückzug jetzt wieder Promi Nummer 1, schreibt die FDP Zürich. Auch das Veganerblut – beziehungsweise das Vegetarierblut bei Glättli –  hält Einzug in den als Werbeplakat daherkommenden Beitrag. Ein Twitter-Nutzer kommentiert deshalb auch etwas scherzhaft: «Hammerwerbung. Zum ersten Mal im Leben stehe ich fast schon ein wenig auf Glättlis Seite!»

Auf den FDP-Tweet folgte aber auch viel Spott: «Peinlich, peinlicher, FDP Zürich», kommentierte etwa ein Nutzer.

Ein anderer twittert: «Der Kanton Zürich scheint ein Parteiproblem zu haben. Zuerst dieses unterirdische Communiqué von der Zürcher SVP zum Frankfurter Bahnhof-Täter und jetzt dieses unterirdische Plakat. Man kann Mitte-Links auch freiwillig das Feld überlassen.»

«Komplett daneben» findet es auch ein laut eigenen Angaben der FDP-Kantonspartei nahestehender Twitter-Nutzer. Es sei langsam nicht mehr die Partei, die er bevorzuge. 

Ausserhalb des Twitter-Universums erntet der Freisinn aber auch viel Lob für seinen Beitrag. Insbesondere auf Facebook reagierten viele User mit einem Daumen-hoch oder einem Lach-Smiley. 

Und auch Alain Schwald, der im Juni wegen der neuen Klimapolitik sein Amt als Präsident der FDP des Bezirks Affoltern abgegeben hatte, stärkt dem Freisinn den Rücken. Er fragt auf Twitter, ob die Grünen und Grünliberalen Humor haben. Die Frage ist natürlich rhetorisch gemeint.

Auch ein anderer Twitterer verweist darauf, dass Linke im Austeilen besser seien als im Einstecken.

Ähnlich sieht es Hans-Jakob Boesch, Präsident der Zücher FDP. «Dass nun die Grünen und andere, die sonst gerne austeilen und uns als ‹Fuck-de-Planet› bezeichnen, humorlos auf unser Bild reagieren, finde ich bünzlig», sagt er gegenüber der Limmattaler Zeitung. Die FDP habe einfach den Rückzug von Tamy Glauser zum Anlass genommen, den Grünen einen Spiegel vorzuhalten. 

«Die Grünen haben sich schliesslich über den grünen Klee dafür gelobt, dass sie ein Topmodel für sich gewonnen haben. Das erweist sich jetzt als Schuss nach hinten und zeigt, dass die Grünen eine falsche Personalpolitik betreiben. Darauf haben wir mit einem Schmunzeln hingewiesen. Schliesslich muss Politik nicht immer todernst sein», sagt Boesch. Und er fügt an, dass es eine Stärke sei, wenn man über sich selbst lachen könne.

(sho/deg)