Unterengstringen

Das Kloster Fahr verwandelt sich nächste Woche zur Tanzbühne

Ab kommender Woche wird im Kloster Fahr die Inszenierung «feu sacré» von Flamencos en route gezeigt.

Die Tanzcompagnie Flamencos en route widmet sich im Kloster Fahr mit «feu sacré» der Nonne Silja Walter und der Tänzerin Susana. Es ist eine Vorführung der besonderen Art: Das Publikum wandelt zusammen mit den Künstlern durch die Räumlichkeiten.

Unterschiedlicher hätten sie nicht sein können. Susana, die als Tänzerin des Duos «Susana y José» auf allen grossen Bühnen der Welt auftrat und vom Publikum gefeiert wurde. Und Silja Walter, die begnadete Schriftstellerin für Lyrik, Festspiele und Oratorien, die sich nach einem Berufungserlebnis für ein völlig zurückgezogenes Leben als Nonne entschied. 63 Jahre lang lebte sie als Schwester Hedwig im Benediktinerinnenkloster Fahr. Am 23. April 2019 wäre Silja Walter 100 Jahre alt geworden.

«Beide Persönlichkeiten folgten ihrem inneren Ruf in der Nachkriegszeit, als Frauen noch wesentlich mehr unter sozialen Zwängen standen als heute. Und sie waren bereit, für das Feuer, das in ihnen brannte, sämtliche Konventionen über Bord zu werfen», erzählt Brigitta Luisa Merki im Vorfeld zur tänzerisch-musikalischen Inszenierung «feu sacré», die vom 29. August bis zum 22. September 2019 im Kloster Fahr zur Aufführung kommt und eigens für die Feierlichkeiten im Gedenkjahr «100 Jahre Silja Walter» kreiert wurde. «feu sacré» ist gleichzeitig auch der Auftakt zur Jubiläumssaison «35 Jahre Flamencos en route». Das Tanzprojekt entstand in enger Zusammenarbeit mit dem Kloster Fahr auf Anregung der Priorin Irene Gassmann.

«Ich kann nichts dafür – ich muss», versuchte Susana einst die unbändige Lebensenergie und Kraft in ihr zu beschreiben, die sie vorantrieb. Der Bernerin mit dem bürgerlichen Namen Susanne Looser stand eigentlich eine Karriere als klassische Balletttänzerin bevor. Doch auch sie hatte eine Art Berufungserlebnis, als sie den Spanischen Tanz entdeckte. Und sich fortan nicht nur einer völlig neuen Tanzsprache, sondern auch einer bisher fremden Kultur verschrieb. Ganz auf sich alleine gestellt reiste sie nach Spanien und suchte sich einen Lehrmeister. Dass sie einmal Weltruhm erlangen würde, stand damals noch in den Sternen geschrieben.

Die Tänzer und Musiker ziehen durchs Kloster

Die Klosterfrau und die Tänzerin fühlten sich stark zueinander hingezogen. Das innere Feuer verband sie beide, obwohl es sie in völlig verschiedene Richtungen trieb. Bis zu ihrem Tod tauschten sich die beiden Frauen intensiv über den Sinn des Lebens und die Suche danach aus. Susana genoss es zudem, im Ausgleich zu ihrer ständigen Präsenz in der Öffentlichkeit, mit ihrer ungleichen Freundin in den stillen Klostergängen zu verweilen. Und Silja Walter wünschte sich, dass ihre hinter den Klostermauern geschriebenen Theaterstücke und Tanzspiele veröffentlicht werden. «Am Anfang war der Tanz» steht in einem Brief von Silja Walter an Susana.

Während Tänzerin Susana (links) Weltkarriere machte, lebte Silja Walter als Schwester Hedwig im Kloster Fahr.

Während Tänzerin Susana (links) Weltkarriere machte, lebte Silja Walter als Schwester Hedwig im Kloster Fahr.

In Brigitta Luisa Merki lebt das «feu sacré» der beiden Frauen weiter. Susana war ihre Mentorin und Mitbegründerin von Flamencos en route. Die Texte von Silja Walter begleiteten sie schon in der Kindheit, als sie noch Mitglied der Wettinger Sternsinger war. Und inspirierten sie 2017 sogar zur Produktion «Bolero. Tanz der Feuertaube» in der Reihe «tanz & kunst» Königsfelden. Für die neue Produktion verbrachte sie mehrere Aufenthalte im Kloster Fahr, um die Atmosphäre der verschiedenen Räume auf sich wirken zu lassen und dafür die passenden Szenarios zu gestalten.

Speziell an «feu sacré» ist, dass das Publikum zusammen mit sieben Tänzerinnen, Sängerin Karima Nayt und vier Instrumentalisten durch die Räumlichkeiten des Klosters wandelt und immer hautnah am Geschehen ist. Pro Aufführung werden 40 Personen mit auf den Rundgang genommen.

Überall, wo die Zuschauer ankommen und sich niederlassen, gibt es Tanz, Musik und Gesang. «Im Garten wird beispielsweise wild und temperamentvoll auf den Klostermauern getanzt; als völlig anders erweist sich die Stimmung in der Kapelle. Die Bewegungen werden reduzierter, die Musik meditativer und der Tanz ist von Muttergottesbildern inspiriert», schildert Merki. Am Schluss begeben sich alle in die barocke Kirche. Dort erfüllt sich auf zwei speziell für «feu sacré» gebauten Bühnen die «Tanzsehnsucht» Silja Walters, in der auch die Kirchenorgel zum Einsatz kommt.

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