Ihm ging alles gründlich in die Hose. Die Familie war weg. Seine immensen Rückenprobleme führten zur Abhängigkeit von Medikamenten. Wegen seiner Sexsucht liess er sich lange therapieren. Am Tiefpunkt angekommen, wurde er vollkommen zugedröhnt zur Primetime von Polizisten abgeführt. Und nun dies!

Wie kann jemand, der für alle Kenner der Szene am Ende war, mit einem Sieg am renommiertesten Golfturnier der Welt zurückkommen?

Die Fachwelt hätte das nie für möglich gehalten und spricht vom grössten Comeback der Sportgeschichte. Nach Meinung der Experten stelle es sogar George Foreman in den Schatten, der 1977 als Boxweltmeister seinen Sport an den Nagel hängte, in der Folge Pfarrer wurde, 1987 aber im Alter von 38 Jahren in den Ring zurückkehrte, um sechs Jahre später nochmals Weltmeister zu werden.

Auch Hermann Maier, der wegen eines Motorradunfalls beinahe ein Bein verloren hatte und nach zweijähriger Zwangspause gleich die Abfahrt von Kitzbühel gewinnen konnte, müsse man vergessen. Sogar die Leistung von Greg LeMond, der als erster Amerikaner die Tour de France gewann, ein Jahr später bei einem Jagdunfall allerdings lebensgefährlich verletzt wurde, um nach zwei Jahren Genesungszeit die Frankreichrundfahrt erneut zu gewinnen, komme nicht an die des besagten Golfers heran.

Doch wie wäre es mit Roger Federer, der nach langen gesundheitlichen Problemen sein Comeback gab und gleich das Australian Open gewann? Peanuts, meinen die, die sich in Sportgeschichte auskennen.

Gut, dann halt. Ziehen wir den Hut vor Tiger Woods, der geschafft hat, was angeblich nicht zu schaffen ist. Die Frage, die sich nun aber aufdrängt: Was geht in all den Sportlegenden vor, wenn sie die Schlagzeilen der letzten Tage lesen? Vielleicht haben sie ja ebenfalls einmal mit einem Comeback geliebäugelt, es dann aber aus welchen Gründen auch immer sein gelassen. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass der eine oder andere seinen damals negativen Entscheid nun bereut. Auch wir bereuen es, sind uns dadurch doch mit Sicherheit viele Highlights entgangen.

Stellen Sie sich doch vor, wie toll es wäre, wenn Beat Breu nochmals rennmässig auf sein Rad steigen würde. Es wäre für uns alle ein unvergesslicher Moment, zuzusehen, wie er gleich als Erstes die Tour de Suisse gewinnt. Und nicht zuletzt: Auch das Siegerinterview würde bestimmt in die Geschichte eingehen.