Zürich

Das Fraumünster hält an Eintritt für Touristen fest – beten darf man aber gratis

Seit der Einführung des fünffränkigen Eintritts für Touristen in die Fraumünsterkirche hat sich die Besucherzahl mehr als halbiert.

Seit der Einführung des fünffränkigen Eintritts für Touristen in die Fraumünsterkirche hat sich die Besucherzahl mehr als halbiert.

Wollen Touristen das Fraumünster in Zürich besuchen, müssen sie weiterhin fünf Franken Eintritt bezahlen. Das Konzept wird aber leicht angepasst.

Die Besucherlenkung im Zürcher Fraumünster gilt nun definitiv. Wer die Kirche aus touristischen Gründen betritt, etwa um die berühmten Chagall-Fenster oder das Kryptamuseum zu besichtigen, zahlt fünf Franken. Für die Andacht ist der Zugang frei. Die Bearbeitungsgebühr für die Besucherkarte ist mittlerweile abgeschafft worden.
Der eineinhalbjährige Test sei positiv verlaufen und nun abgeschlossen, sagt Kirchenpfleger Hans-Hinrich Dölle. Neben dem Fraumünster-Verein unterstützt auch der Kirchenrat das Konzept.

Das Fraumünster hatte den Eintritt im Juni 2016 eingeführt. Grund war der stetig wachsende Besucherandrang. An manchen Tagen drängten bis zu 2000 Touristen in die Kirche, um schnell die Chagall-Fenster zu fotografieren und das Gebäude gleich wieder Richtung Reisebus zu verlassen. Gläubige, die Ruhe suchten oder beten wollten, fühlten sich von den Massen gestört.

Besucherzahl halbiert

Das neue Regime war anfangs auch kirchenintern umstritten. Fraumünster-Sigrist Theo Zobrist kritisierte: Der Eintrittsfünfliber gefährde die Werte der Kirche. Sie müsse allen offen stehen, und zwar gratis. Auch der Kirchenrat schaltete sich ein. Er betonte zwar, der Entscheid liege alleine in der Kompetenz der Kirchgemeinde. «Aber er hat eine Ausstrahlung auf das öffentliche Bild der Gesamtkirche», sagte damals Nicolas Mori, Sprecher der Reformierten Kirche des Kantons Zürich.

Das Novum verfehlte seine Wirkung nicht. Schon nach wenigen Monaten, zwischen November 2016 und Februar 2017, halbierte sich die Besucherzahl. Bis zur definitiven Einführung wollte der Fraumünster-Verein jedoch weitere Erfahrungen sammeln und sich mit dem Kirchenrat absprechen.

Beten ist gratis

Dieser hat sich letztes Jahr selber ein Bild gemacht und steht nun ebenfalls hinter der Regelung. Für touristische Kirchenbesuche seien Eintrittspreise europaweit Standard, sagt Nicolas Mori. Wichtig sei dem Kirchenrat, dass jene, die beten wollten oder Ruhe suchten, weiterhin freien Eintritt hätten. Wer nach der Einführung des Eintrittspreises regelmässig im Fraumünster beten ging, konnte sich für zwei Franken eine Art Besucherausweis kaufen. Diese Bearbeitungsgebühr ist nun auf Wunsch des Kirchenrats aufgehoben worden.

Sakrosankt ist der Eintrittspreis von fünf Franken nicht. Dölle sagt: «Wir sind kein gewinnorientierter Verein. Sollten die Einnahmen zu hoch ausfallen, wollen wir den Preis kürzen können.» Mit den Einnahmen werden unter anderem das Personal für die Kasse und Besucherlenkung sowie die Audioguides finanziert. Die Benutzung der Geräte ist im Eintritt inbegriffen. Die Stückzahl wurde auf 150 erweitert und der Inhalt um das Thema Reformation ergänzt. Die mehrsprachigen Guides würden rege genutzt, sagt Dölle, vor allem von jungen Besuchern. Die Zahl der Touristen habe sich derweil mehr als halbiert. Auf die Sommersaison hin könne der Andrang aber wieder zunehmen.

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