Wahlen 2019

Daniel Jositsch: «Wir müssen uns zur Mitte öffnen»

Der Sieger vor den Medien: Der mit einem Topresultat wiedergewählte Ständerat Daniel Jositsch (SP). Bild: Keystone

Der Sieger vor den Medien: Der mit einem Topresultat wiedergewählte Ständerat Daniel Jositsch (SP). Bild: Keystone

Für den wiedergewählten Ständerat Daniel Jositsch überschattet das schlechte Abschneiden der SP sein gutes Wahlresultat. Jositsch habe nie damit gerechnet, dass das Ergebnis so klar sein wird. Es freue ihn, dass er nicht in den zweiten Wahlgang müsse, aber das sei nicht selbstverständlich.

Sie haben die Wiederwahl in den Ständerat schon im ersten Wahlgang klar geschafft. Haben Sie damit gerechnet?

Daniel Jositsch: Ich habe nie damit gerechnet, dass das Ergebnis so klar sein wird. Insofern freue ich mich darüber. Der erste Wahlgang ist immer eine sehr grosse Hürde, vor der ich grossen Respekt habe. Ich hatte daher meine ganze Planung so ausgerichtet, dass ich den zweiten Wahlgang sofort hätte angehen können. Es freut mich, dass ich nicht in den zweiten Wahlgang muss. Aber das ist nichts Selbstverständliches.

Woran lag es?

An der Politik, die ich in den letzten paar Jahren gemacht habe. Ich versuche, über die Parteigrenzen hinweg kompromissfähige Politik für den Kanton Zürich zu machen. Das haben die Wählerinnen und Wähler honoriert.

Nun geht es darum, wer am 17. November den zweiten Zürcher Ständeratssitz neben Ihnen erringt. Auf wen setzen Sie?

Ich bin bereit, mit jedem Kandidaten und jeder Kandidatin, die gewählt wird, zusammenzuarbeiten. Das ist eine Frage der Professionalität.

Würden Sie sich über eine grüne Frauenkandidatur freuen?

Ich würde mich darüber freuen, wenn eine konstruktive Kraft mit mir den Kanton Zürich vertreten würde. Das wäre bei einer grünen Frauenkandidatur sicher der Fall. Das wäre aber auch mit Ruedi Noser der Fall. Ich habe mit ihm gut zusammengearbeitet und würde das auch in Zukunft tun.

Wie erklären Sie sich eigentlich das schlechte Abschneiden der Zürcher SP bei den Nationalratswahlen?

Es hat mich überrascht, weil die SP zu den grünen Kräften gehört, die grüne Politik machen. Ich glaube, wir müssen uns zur Mitte öffnen. Das ist das, was ich zu machen versuche. Die SP hat in der letzten Zeit einen starken Linkskurs zu prägen versucht.

Einen zu starken Linkskurs?

Nein. Ich habe immer gesagt: Es gehört beides dazu. Die SP hat zwei Flügel. Das war schon immer so. Diese muss man nebeneinander bestehen lassen. Dann kommt es sehr gut. Das war immer meine Position.

Überschatten die Verluste der SP bei den Nationalratswahlen Ihr Resultat?

Das überschattet mein Resultat selbstverständlich, denn das Resultat der SP bei den Nationalratswahlen ist wesentlich für die Gestaltungsmöglichkeiten, die wir haben. Die Kraft der SP wurde durch die Sitzverluste geschwächt.

Wie kann die SP wieder aus diesem Tief herauskommen?

Man darf jetzt nicht in Panik verfallen, sondern muss eine saubere Analyse vornehmen. Der Teil, den ich übernehme, ist eine Öffnung der Partei in den sozialliberalen Bereich. Ich werde mich dafür einsetzen, dass wir diesen Flügel stärken. Aber eine fundamentale Änderung kann man nicht einfach am Wahlsonntag postulieren.

Wenn Sie jetzt wieder nach Bern fahren: Was wollen Sie als Erstes bewirken?

Ich bin Vizepräsident der Fraktion und für die Ständeräte zuständig. Meine erste Aufgabe ist es, zu organisieren, wie wir unsere Vertretung im Ständerat machen. Und dann geht es um Europa, die Sicherung der Sozialwerke und um die Kampfjetfrage.

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