Rechtes Limmattal
Auf Entdeckungstour in Coronazeiten: Meine Eindrücke aus einem herrlichen Wintertag

Ein Tagesausflug im rechten Limmattal garantiert ländliche Idylle, gepaart mit tierischen Begegnungen.

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 Der Himmel neblig, das Wasser klar: Entlang des rechten Limmatufers herrscht herrlich winterliche Stimmung. (Bilder: Maurus Held)
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 Eine etwas andere Kuh, gesehen in Oetwil.
 Der barocke Bauerngarten des Klosters Fahr.
 Alte Wagen rosten eben – auch in Weiningen.
 Der Zehntenspycher im Dorfzentrum von Oetwil stammt aus dem 16. Jahrhundert.
 Prost: Eine Holzfigur auf der Terrasse des Restaurants «Winzerhaus» in Weiningen.

Der Himmel neblig, das Wasser klar: Entlang des rechten Limmatufers herrscht herrlich winterliche Stimmung. (Bilder: Maurus Held)

Limmattaler Zeitung

Seit Mitte August absolviere ich ein Praktikum bei der «Limmattaler Zeitung». Als Luzerner hatte ich das Limmattal noch nicht bis ins Detail gekannt, also freute ich mich darauf, das ­lokale Geschehen kennenzu­lernen und selber in neue Territorien vorzudringen. Da sich mein Arbeitsplatz aufgrund von Homeoffice aber grösstenteils auf mein Zuhause beschränkt, ist das etwas schwieriger, als ich es mir vorgestellt hatte. Dies wird bis zum Praktikumsende Anfang Februar wahrscheinlich so bleiben – höchste Zeit also, zumindest dem rechten Limmattal noch einmal einen Besuch abzustatten. Ein Tag Ferien vom Homeoffice sozusagen.

Zusammen mit meinem WG-Mitbewohner mache ich mich früh auf in das bis anhin eher noch unbekannte Gefilde. Unser erster Stopp sind die ­Limmatauen am rechten Flussufer in Geroldswil. Wobei von einem Stopp hier nicht die Rede sein kann. Das Naturschutzgebiet erstreckt sich schliesslich über mehr als einen Kilometer. Entlang der Limmat beobachten wir verschiedenste Arten von Vögeln, die mein Mitbewohner, der Biologie studiert, alle beim Namen nennen kann.

Abgesehen vom Vogelgesang und dem Wasser der Limmat ist es herrlich ruhig, nur eine Handvoll Jogger und Spaziergänger mit ihren Hunden laufen uns entgegen. Ihre Silhouetten
sehen wir erst auf ein Dutzend Meter Distanz aus dem dichten Nebel kommen. Ja, es ist wirklich sehr neblig. Ob beim nächsten Ziel, dem Aussichtsturm Altberg, gelegen auf Däniker Gemeindeboden, wenigstens ein paar Sonnenstrahlen unser Gesicht kitzeln werden?

Bekanntschaft mit Kuh und Kinderfilm-Figur

Zuerst machen wir allerdings in Oetwil Halt. Es ist schön ruhig hier – wir sind praktisch die einzigen, die hier unterwegs sind. So können wir in aller Ruhe die historischen Gebäude unter die Lupe nehmen. Teile des Zehntenspychers zum Beispiel, an seinen roten Holzbalken erkennbar, wurden im 16. Jahrhundert gebaut. Heute befinden sich hier die Finanzabteilung und die Steuerabteilung der Gemeinde. Oberhalb des Spychers sorgt ein Dutzend neugeborener Kälber bei einem Bauernhof für den ersten «Jö»-Effekt unseres Tagestrips. Landidylle also.

Der Nebel will nicht weichen. Auch nicht dann, als wir beim Altenberg-Turm ankommen. Es wird also nichts mit der erhofften herrlichen Aussicht aufs ganze Limmattal. Das Wetter ist uns einfach nicht wohlgesinnt. Auf dem Hin- und dem Rückweg durch den Wald entdecken wir ein paar gemütliche Grillplätze und – zurück in Oetwil – eine weitere Kuh. Diese ist allerdings kunterbunt, aus Kunststoff und steht mitten in einem Wohnquartier.

Weiter geht es nach Weiningen, genauer gesagt in die Rebberge. Wir marschieren die Strasse dem Dorfrand entlang, dem Schild «Winzerhaus» folgend. Wir passieren ein verrostetes Auto, das uns an eine Figur aus dem Disney-Kinderfilm «Cars» erinnert, den Friedhof und zu guter Letzt den grossen Weininger Weiher, in welchem sich die rundherum stehenden Bäume sehr klar spiegeln. Schliesslich erreichen wir das Restaurant, das seine Gäste seit bald einem Jahrhundert willkommen heisst. Dessen Terrasse bietet an schönen Tagen zweifellos eine wunderschöne Aussicht über Weiningen – heute haben wir Pech gehabt. Wie der Nebel die Rebstöcke ums «Winzerhaus» herum wie ein Schleier eingewickelt hat, hat aber auch etwas Faszinierendes.

Ein Ort, der auf unserem Ausflug nicht fehlen soll, ist das 1130 gegründete Kloster Fahr, das 20 Nonnen beherbergt. Auf dem Weg dorthin wird es ein weiteres Mal tierisch: Bei der Tierauffangstation Schinzenbrünneli am Werdbach be­gegnen wir Papageien und Trut­hähnen; Enten und Gänse quaken und planschen im Wasserbecken und sorgen so für einen weiteren «Jö»-Effekt.

Eine Villa, die ihren Namen verdient

Beim Kloster angekommen, werde ich das erste Mal an ­diesem Tag so wirklich an ­Corona erinnert: Im Kloster­garten herrscht Maskenpflicht, eingangs der St.-Anna-Kapelle steht ein Desinfektionsspender. Sonst herrscht auch hier ­angenehme Ruhe. Im Bauerngarten gleich nebenan werden während den warmen Monaten verschiedene Nutz- und Zierpflanzen angebaut, jetzt liegt vieles brach. Dennoch ist
der Garten ein ­Bijou, nicht zuletzt wegen des Hecken­bäumchens, das in der Mitte thront.

Dem Werdbach entlang zurück, an der Vogelschar und dem Fischerhüsli des Klosters vorbei gen Süden, landen wir schliesslich in Unterengstringen. Nun geht es wieder steil hinauf, bis wir schliesslich bei der Villa Sonnenberg ankommen. Und diese macht ihrem Namen alle Ehre: ein paar Sonnenstrahlen kämpfen sich tapfer durch den Nebel. Unter uns kommen einzelne Häuser zum Vorschein.

Beim Abstieg ist mir nicht mehr wirklich klar, ob wir uns noch in Unter- oder schon in Oberengstringen befinden. Ausser einer blauen Tafel deutet nichts auf die Dorfgrenze hin. Wir schlendern die Haupt­strasse entlang, vorbei an der Kirche St. Mauritius. Der Nebel ist der Sonne nun ­definitiv gewichen. Eine Rundreise voller neuer Eindrücke geht in ­Oberengstringen gebührend zu Ende.

Ferientage in der Region

Die Corona-Pandemie macht es ratsam, über Weihnachten und Neujahr zu Hause zu bleiben und möglichst wenige Leute zu treffen. Doch nur in den eigenen vier Wänden droht früher oder später der Koller. Mit der Serie «Ferientage in der Region» zeigen wir, wie sich unter Einhaltung der gebotenen Vorsichtsmassnahmen die nähere Umgebung neu entdecken lässt. (mts)