Schlieren

Am Schlierefäscht feiern sie 40 Jahre Schlieremer Frauenfussball – drei Spielerinnen erzählen aus der Geschichte

Ein Blick zurück zu den Anfängen: So zeigte sich das erste weibliche Team des Fussballclubs Schlieren.

Ein Blick zurück zu den Anfängen: So zeigte sich das erste weibliche Team des Fussballclubs Schlieren.

Frauenfussball hat in Schlieren eine lange Tradition. 1979 gründeten Jugendliche das erste weibliche Team. Obwohl sie auch Förderer hatten, mussten die jungen Frauen zunächst um ihre Akzeptanz beim FC Schlieren kämpfen.

Doch über die Jahre machten die Frauen sich in Schlieren unverzichtbar und feierten viele grosse Erfolge. Heute ist der FC Schlieren im Frauenfussball eine Institution. Mädchen können bereits mit fünf Jahren in den Verein eintreten und durchgehend bis zu den B-Juniorinnen alle Altersstufen absolvieren. Von dort können sich motivierte Spielerinnen für das zweite Team empfehlen, das in der 2. Liga aktiv ist. Die Talentiertesten unter ihnen können dann sogar den Sprung in das Nationalliga-B-Team schaffen.

Am Samstag feiern die Schlieremer Fussballerinnen ihr 40-jähriges Bestehen. Im Rahmen des Schlierefäschts stossen sie ab 17 Uhr im «Ballermann», dem Zelt des FC Schlieren, darauf an. Zum Jubiläum erzählen ehemalige und aktuelle Spielerinnen aus der lebhaften Vereinsgeschichte.

Der Anfang: Die jungen Frauen mussten sich Respekt erarbeiten

Jacky Schuster

Jacky Schuster

Fussball schweisst zusammen. Noch heute treiben Mirjam Zubler, Erika Mettier, Irma Van der Ploeg und Jacky Schuster, vier Mitgründerinnen des ersten Schlieremer Frauen-Fussballteams, zusammen Sport, erzählt Schuster. Sie spielen zwar keinen Fussball mehr, aber einmal pro Woche steht gemeinsames Joggen, Nordic Walking oder Gymnastik an.

Als Jugendliche spielten die Freundinnen immer wieder zusammen beim Schülerturnier mit und wollten ein richtiges Team gründen. «Wir wollten keinen eigenen Verein gründen, sondern beim FC Schlieren tschutten», sagt Schuster. Weil ihr Vater Karl Haller Mitglied im Club war, konnte er den um die 15 Jahre alten Teenagerinnen eine Tür öffnen. So kam es, dass 1979 das erste Frauenteam für den FC Schlieren auflief. Als Trainer konnte das Team Werner Hochstrasser gewinnen, Karl Haller wurde mit seiner Garage Haller gleich der erste Sponsor.
An ihr erstes richtiges Freundschaftsspiel erinnert sich Schuster heute noch gut: «Wir verloren gegen den FC Zürich gleich mit 1:21», sagt sie. Mit den Kontrahentinnen in der eigenen Liga konnten die Schlieremerinnen aber mithalten, obwohl es ihnen vor allem um den Spass ging und die Leistung noch nicht so im Fokus stand.

Das neue Frauenteam wurde in Schlieren nicht umgehend mit Kusshand aufgenommen.  «Damals war Frauenfussball noch eher etwas verpönt, wir hatten mit einigen Aktivmitgliedern zu kämpfen», sagt Schuster. Die jungen Frauen hätten sich aber schnell im Verein eingebracht und auch im Hintergrund viel mitgeholfen. Das habe viel geholfen, um die Wertschätzung zu steigern, erinnert sich Schuster, die Jahrzehnte selbst Juniorinnen trainierte und im OK für das Hallenturnier und das Grümpi war. Auch Vorstandsmitglied Willy Eberle habe sich für die Frauen starkgemacht und mitgeholfen, dass sie im Verein akzeptiert werden. (flo)

So wurden die Erfolgsjahre des Frauenteams eingeläutet

Porträt von Patrizia Dreyer, FC-Schlieren Legende. Aufgenommen am 12. Juli 2019 auf dem Fussballplatz in Schlieren.

Patrizia Dreyer

Porträt von Patrizia Dreyer, FC-Schlieren Legende. Aufgenommen am 12. Juli 2019 auf dem Fussballplatz in Schlieren.

2006 stiegen die Schlieremer Frauen von der 1. Liga in die Nationalliga B auf und läuteten ihre Erfolgsjahre ein. Seither hielt sich das Team immer in den obersten beiden Spielklassen. Im Aufstiegsjahr erlebte das Team eine Sternstunde im Cup, erinnert sich Patrizia Dreyer, die von 2001 bis 2018 für das erste Team aktiv war. Gegen das Nati-A-Team Ruggell musste Schlieren bei frostigem Wetter sein Heimspiel bei den damaligen Rivalinnen in Dietikon austragen, da in Schlieren der Kunstrasen fehlte. «Lange stand es 1:1 und es war so grausam kalt, dass sich alle einfach ein Tor gewünscht haben, egal für wen», erinnert sich Dreyer. Tatsächlich erzielte Schlieren kurz vor Schluss das entscheidende 2:1 und erreichte den Halbfinal.

Nur zwei Jahre später gelang dem Damenteam erneut der Aufstieg, doch das Abenteuer Nationalliga A endete enttäuschend. Das Team hielt sich nicht in der höchsten Spielklasse. Trotz Wiederabstieg erreichten die Schlieremerinnen 2009 den Cupfinal, doch im Stade de Suisse kassierten sie eine 0:8-Niederlage gegen Thun. Dabei hatten sie die Thunerinnen in der Meisterschaft auswärts besiegt und zu Hause nur knapp verloren. Alle hätten sich riesig auf den Final gefreut und seien bis in die Fingerspitzen motiviert gewesen, sagt Dreyer. «Bis heute ist es mir unerklärlich, wie wir als ganze Mannschaft so einen Aussetzer haben konnten.»

Trotz Katerstimmung im Sommer 2009 schaffte das Team zwei Jahre später erneut den Aufstieg in die Nati A. Obwohl es 2011/2012 gut mithalten konnte, hätten die Strukturen in Schlieren nicht mit den etablierten Teams in der Nati A mithalten können, so Dreyer. Trotz der guten Leistungen dünnte die Juniorinnenabteilung immer mehr aus. Deshalb fehlte qualitativer Nachwuchs aus den eigenen Reihen. «Ich finde es eindrücklich, dass wir uns trotz aller Widerstände immer in den obersten Ligen halten konnten», sagt Dreyer.

Neue Jugend: Mädchen werden professioneller ausgebildet

Andreia Duarte Mestre

Andreia Duarte Mestre

Die Juniorinnenabteilung des FC Schlieren erlebt derzeit einen Aufschwung und gehört mit über 100 Spielerinnen zu den grössten des Kantons. Das war nicht immer so. Obwohl die Frauen 2008 und 2011 in die oberste Spielklasse aufstiegen, fehlte zunehmend der Nachwuchs. 2013 waren nur noch rund 12 Juniorinnen übrig. Die Kehrtwende hat Andreia Duarte Mestre hautnah miterlebt. Seit 10 Jahren spielt die 19-jährige Urdorferin schon beim FC Schlieren, aktuell für das zweite Damenteam. Als sie dem Verein beitrat, musste sie mangels Auswahl mit den deutlich älteren B-Juniorinnen trainieren, für die Meisterschaft war sie aber noch zu jung.

Ein Jahr später kam dann ein D-Juniorinnenteam dazu, auch Duarte Mestre half mit und warb bei ihren Kolleginnen für einen Vereinsbeitritt, um mit Gleichaltrigen spielen zu können. «Am Anfang hatte es noch nicht viel mit gutem Fussball zu tun. Entweder wir verloren 0:15 oder gewannen 15:0, aber spannend war es selten», erinnert sie sich. Teilweise mussten die Schlieremerinnen aus Personalmangel sogar mit einer oder zwei Spielerinnen weniger antreten. Zu Beginn sei auch die Trainersituation eher schwierig gewesen und die D-Juniorinnen trainierten oft mit den Buben zusammen. «Im Training haben wir vor allem gegeneinander gespielt», sagt Duarte Mestre.

Kein Vergleich zur heutigen Girls Soccer School, wo 5- bis 9-jährige Mädchen viel Technik üben. Duarte Mestre hilft selbst bei der Girls Soccer School aus und freut sich, dass die Mädchen mittlerweile so professionell betreut werden. Vor rund fünf Jahren habe das Niveau deutlich angezogen und die Trainings seien immer technischer und besser geworden, sagt sie. Obwohl ihr Jahrgang am Anfang der heutigen Mädchenbewegung beim FC Schlieren steht, gehört sie zu den Letzten, die noch übrig geblieben sind. Doch für die Zukunft scheinen die Schlieremer Fussballfrauen gut gerüstet.

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