Zürich

Am Hirzelpass ignorieren viele das Fahrverbot – jetzt hat der Kanton Massnahmen getroffen

Ein Verkehrskadett muss an der Morgental-Kreuzung im Hirzel für Ordnung sorgen.

Ein Verkehrskadett muss an der Morgental-Kreuzung im Hirzel für Ordnung sorgen.

Mit einem Verkehrskadetten versucht der Kanton Ordnung zu schaffen. Doch nicht alle wollen die lange Umleitung nutzen. Sie versuchen stattdessen, über Schleichwege vorwärtszukommen.

Die Verbotsschilder sind nicht zu übersehen. Alleine in Sihlbrugg machen gleich drei Fahrverbote nacheinander auf die Hirzel-Sperrung aufmerksam. Doch von manch einem Autofahrer und Lastwagenchauffeur wird das Verbot trotz signalisierter Umleitung einfach ignoriert. Keine gute Idee: Denn der Hirzelpass ist wegen Bauarbeiten diesen Sommer während fünf Wochen gesperrt.

Dass die Fahrverbote ignoriert werden, ärgert Thomas Maag von der Zürcher Baudirektion: «Viele Lenker vertrauen mehr dem Navigationssystem als ihren eigenen Augen.» Er stellt fest, dass es sich meist um ortsunkundige Autofahrer handelt, welche die Signalisation missachten. Maag sieht den Grund dafür bei GPS-Geräten, die aktuelle Verkehrsinformationen nicht berücksichtigen. Intelligente Navigationsgeräte oder Kartendienste wie Google Maps auf dem Smartphone würden den Nutzer nämlich auf die Sperrung aufmerksam machen und lotsten die Autofahrer schon gar nicht Richtung Baustelle.

Weil die Verbotsschilder nicht reichen, hat der Kanton Zürich nun Massnahmen getroffen: Im Hirzel muss ein Verkehrskadett an der Kreuzung Morgental für Ordnung sorgen, für den Kreisel in Sihlbrugg wird eine solche Massnahme ebenso geprüft. «Damit wollen wir verhindern, dass insbesondere Lastwagen bis zum Baustellenbereich fahren», sagt Thomas Maag. Das sei gefährlich, weil sie auf der engen Passstrasse vor der Baustelle kaum wenden könnten.

80 Prozent weniger Verkehr

Die meisten Autofahrer wissen über die Sperrung am Hirzelpass Bescheid. Der Kanton Zürich hat gegenüber dieser Zeitung die aktuellen Zahlen der automatischen Messstellen offengelegt. Im Vergleich zur Woche vor der Sperrung hat der Verkehr an der Morgental-Kreuzung im Hirzel um 80 Prozent abgenommen.

Gefährliches Manöver: Lastwagen versuchen bei der Molkerei Höhn zu wenden.

Gefährliches Manöver: Lastwagen versuchen bei der Molkerei Höhn zu wenden.

Statt 19'000 Fahrzeuge rollten im Schnitt täglich noch 3600 über die Strasse. Interessant dabei: Die Verkehrsabnahme war Ende der vergangenen Woche grösser als direkt nach der Sperrung. Ein untrügliches Zeichen dafür, dass sich in den ersten Baustellentagen noch ein paar Autofahrer mehr in die falsche Richtung aufmachten. «Inzwischen haben die meisten ortskundigen Autofahrer Kenntnis von der Sperrung», bestätigt denn auch Maag.

Das gegenteilige Bild zeigt sich auf der Hauptstrasse von Sihlbrugg durch den Sihlwald Richtung Zürich – die offizielle Umleitungsroute. Dort hat sich die Verkehrsbelastung verdoppelt. In der Vorwoche der Hirzel-Sperrung waren im Schnitt 5900 Autos auf der Strecke unterwegs. In der ersten Sperrwoche waren es rund 11'750. Auf der Gattikonerstrasse zwischen Langnau und der Autobahn A3 hat der Verkehr von 11'000 Fahrzeugen auf 15'000 Fahrzeuge zugenommen. Das sind rund 37 Prozent mehr Fahrzeuge.

In den Ferien sind es 10 bis 15 Prozent weniger Autos

Das Beispiel zeigt aber auch: Der Verkehr verlagert sich nicht 1:1 auf andere Strassen. Einerseits, weil durch die Ferienzeit nach Schätzungen des Tiefbauamtes ohnehin 10 bis 15 Prozent weniger Autofahrer unterwegs sind. Andererseits aber auch, weil je nach Start- und Zielort der eigenen Route andere Umfahrungen als die offizielle über Gattikon genutzt werden.

Ein Eindruck, den auch Thomas Maag bestätigt: «Wir stellen etwa fest, dass ortskundige Autofahrer auch über Nebenstrassen nach Sihlbrugg gelangen.» Verhindern kann man das nicht, aber davon abraten. «Wir sanieren die Strasse nicht nur auf dem gesperrten Abschnitt, sondern führen im Schatten der Sperrung noch weitere Arbeiten in anderen Bereichen der Zugerstrasse aus.» Dazu gehört etwa die Hangsicherung beim Sunnedörfli. Deshalb wird der verbleibende Verkehr dort mit Lichtsignalen geregelt.

Aber auch andere Umfahrungsrouten sind beliebt: Ein Teil des Schwerverkehrs gelangt nun durch den Üetliberg-Tunnelund dann über die Autobahn A4 in die Zentralschweiz, Autofahrer, die an der Kantonsgrenze Zürich/Schwyz leben, nehmen die Route über Schönenberg und Menzingen.

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