Zwischen der Anzeige gegen den pädophilen Ex-Cevi-Leiter am 30. Juni 2014 und seiner Verhaftung am 27. Januar 2015 verstrichen sieben Monate oder 211 Tage. Dies kam am Dienstag an der Gerichtsverhandlung in Dietikon heraus – und hat nun Folgen: «Es ist äusserst bedauerlich, dass dadurch weitere sexuelle Übergriffe zum Nachteil eines Geschädigten erfolgen konnten», hat Christian Philipp, Mediensprecher der Oberstaatsanwaltschaft, am Donnerstag gegenüber TeleZüri gesagt. «Nun wird untersucht, welche Gründe zu dieser verzögerten Verhaftung geführt haben», so Philipp weiter. Die Untersuchung könnte Konsequenzen nach sich ziehen.

Offenbar wurde die Tragweite des Falls zuerst nicht erkannt: Die Staatsanwaltschaft musste aufgrund ihrer damaligen Kenntnisse eine Einschätzung treffen. Aufgrund der Einschätzung wurde der Fall in der Prioritätenliste entsprechend eingereiht. Das volle Ausmass des Falls wurde dann erst mit der Verhaftung klar. Am Fall waren zwei Staatsanwaltschaften beteiligt: Zuerst die Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis, dann die Zürcher Staatsanwaltschaft für Gewaltdelikte.

Pädo-Leiter: Warum dauerte es so lange bis zur Verhaftung?

Pädo-Leiter: Warum dauerte es so lange bis zur Verhaftung?

Sieben Monate lang dauerte es von der Verhaftung bis zur Anzeige des Cevi-Leiters. Während dieser Zeit verging sich der 51-Jährige an einem weiteren Jungen. Was schief gelaufen ist.

Erste Verhaftungsaktion im Herbst 2014 war gescheitert

Wie an der Gerichtsverhandlung klar wurde, hatte die Staatsanwaltschaft am 21. Oktober 2014 ihren ersten Vorführungsbefehl an die Polizei übermittelt. Leider konnte die Polizei den Mann dann nicht am Ort auffinden, an dem sie ihn erwartet hatte. Die Haftaktion scheiterte. Daraufhin widmete die Staatsanwaltschaft ihre höchste Priorität wieder anderen Fällen zu und veranlasste später die nächste Verhaftungsaktion. Diese erfolgte dann am 27. Januar 2015.

Das frühere Opfer, das die erste Anzeige erstattete, tat dies eigentlich, um weitere mögliche Opfer vor dem Missbrauch zu schützen. Der heute erwachsene Mann entschied sich damals zur Anzeige, nachdem er den Kinderschänder in einem Auto zusammen mit einem Knaben gesehen hatte. 

Das eigentliche Verfahren gegen den Kinderschänder, der vor Gericht einen Grossteil der während rund 20 Jahre erfolgten Übergriffe gestanden hat, geht am 19. Mai weiter: Dann verkündet das Bezirksgericht Dietikon sein Urteil. Die Staatsanwaltschaft hat 13 Jahre Freiheitsstrafe gefordert, die Verteidigung 3 Jahre.