Referat

50 Lebensjahre sind noch lange kein Grund sich alt zu fühlen

Der ehemalige Stadtarzt Alfred Wettstein

Der ehemalige Stadtarzt Alfred Wettstein

Der ehemalige Stadtarzt Alfred Wettstein erklärt in seinem Referat im reformierten Kirchgemeindezentrum in Dietikon, wie das Leben auch jenseits der 50 noch spannend bleibt.

Alt zu sein oder sich alt zu fühlen, zeigt sich bei jedem Mann auf eine andere Weise. Doch Müdigkeit und Lustlosigkeit im zweiten Lebensabschnitt eines Mannes müssen laut Dr. Albert Wettstein nicht sein. Der ehemalige Zürcher Stadtarzt erklärte in seinem Referat im reformierten Kirchgemeindezentrum von Dietikon, warum einem Mann jenseits des fünfzigsten Altersjahres das Leben mehr oder eben weniger zu schaffen machen könnte.

«Unsere beiden Sozialarbeiterinnen Beatrice Bieri und Heidi Flückiger haben dieses Thema vorgeschlagen. Und die vielen Interessenten beweisen, dass es ein wichtiges Thema ist», sagte Alex Grieder, ehemaliges Vorstandsmitglied der reformierten Kirche in Dietikon.

«Für ein langes Leben ist es wichtig, dass man selektiert. Man muss nicht mehr an jeder Party bis zum Schluss bleiben», sagte Wettstein schmunzelnd. Doch Spass, Freude und Nachhaltigkeit würden den zweiten Lebensabschnitt eines Mannes massgeblich beeinflussen, meinte der ehemalige Mediziner. Ab dem Moment, wenn sich graue Haare einstellen und Erotik zur Routine wird, entscheide jeder Mann selbst, ob er das Alter geniessen wolle oder nicht.

Vor allem die eigenen Kinder, aber auch die Enkelkinder, könnten von der Lebenserfahrung des Vaters oder des Grossvaters profitieren. «Bei Elefantenkühen und Silberrückenaffen ist es dasselbe: Auch wenn sie nicht mehr fortpflanzungsfähig sind, nehmen sie in ihrer Gemeinschaft eine wichtige Rolle ein», erklärte Wettstein.

Wenn der erste Schock über die eigene Pensionierung erst einmal überwunden sei, könne bei vielen Männern eine Steigerung der Lebensqualität festgestellt werden. «Es ist aber nicht der kurze und heftige Kick, den das Belohnungssystem im Gehirn durch die Ausschüttung von Dopamin bewirkt», so Wettstein. Vielmehr sei es eine anhaltende Befriedigung, die das Gefühl eines sinnvollen Lebens fördere.

Wie man mit dem Altern umgehe, hänge auch damit zusammen, wie gesund und wie zufrieden man mit sich selbst sei. «Auch eine emotionale Selektivität ist wichtig. Wichtige Kontakte sollte man pflegen, unwichtige wegfallen lassen», sagte Wettstein weiter. Nur Beziehungen mit wechselseitigem Austausch würden Qualität ergeben. Und wer anderen Menschen helfe, verbessere nicht nur die eigene Stimmung, sondern verlängere auch sein Leben: Eine Investition in die Partnerpflege lohne sich, da diese eine schützende Wirkung zeige.
«Es ist unbestreitbar, dass ältere Menschen glücklichere Menschen sein können. Denn ältere Menschen bewältigen Negatives besser», führte Wettstein weiter aus. Oder in anderen Worten ausgedrückt: «Mann muss sich selber sein und bleiben - und jeden Tag voll ausschöpfen».

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