Dietikon

300 Schülerinnen und Schüler bemühen sich um einen Job – in der Turnhalle Luberzen

Vorstellungsgespräche in der Turnhalle: Zum vierten Mal fand im Schulhaus Luberzen in Dietikon eine Lehrstellenbörse statt.

Vorstellungsgespräche in der Turnhalle: Zum vierten Mal fand im Schulhaus Luberzen in Dietikon eine Lehrstellenbörse statt.

Die Turnhalle wurde in einer grossen Bewerbungshalle umfunktioniert. Dieser Anlass hat sich in den letzten Jahren immer vergrössert, wie die Schulleiterin sagt: «Wir haben mit sechs Betrieben angefangen und nun nehmen bereits 29 daran teil.»

Statt den Schulbüchern haben zahlreiche Schülerinnen und Schüler des Dietiker Schulhaus Luberzen an diesem Dienstag ihr Bewerbungsdossier unter den Arm geklemmt. Mit Lebenslauf und Beurteilung der letzten Schnupperstelle stehen sie auf der Treppe bereit für das Vorstellungsgespräch. Für die knapp 300 Gespräche wurde die Turnhalle in eine grosse Bewerbungshalle umfunktioniert. «Das haben wir vor zwei Tagen in einer dreistündigen Aktion gemacht», sagt Schulleiterin Andrea Kengelbacher.

Dieser Aufwand ist jedoch nur die Spitze des Eisbergs: Um die Lehrstellenbörse durchzuführen, telefoniert Kengelbacher mit Dutzenden Unternehmen. Diese stellen ihre Stände in der Halle auf und führen Vorstellungsgespräche mit den Schülerinnen und Schülern durch. Der Anlass habe sich in den letzten vier Jahren stets vergrössert, sagt die Schulleiterin. «Wir haben mit sechs Betrieben angefangen und nun nehmen bereits 29 daran teil.»

Es braucht künftig mehr Lehrstellen

Nebst dem Dietiker Stadtpräsidenten Roger Bachmann (SVP) kam auch ein Vertreter des Kantons an die Veranstaltung. Niklaus Schatzmann, Leiter des Mittelschul- und Berufsbildungsamts, hielt eine kurze Rede vor den Jugendlichen. Er erklärte, dass jährlich zwischen 12'000 und 13'000 Jugendliche die Lehre anfangen. «Aufgrund des Bevölkerungswachstums brauchen wir in der nächsten Zeit 10'000 Stellen mehr», sagt Schatzmann. Er unterstützt den Event, da es eine gute Möglichkeit sei, dass die Schüler sich niederschwellig informieren und bewerben können. «Auch für Jugendliche, die zu Hause nicht so viel Unterstützung erhalten», sei er eine gute Möglichkeit sich an eine Lehrstelle heranzutasten. Vonseiten der Betriebe sei es dabei wichtig, genügend Zeit in die Auswahl der Lernenden zu investieren.


Das Team um Kengelbacher teilt die Schülerinnen und Schüler jeweils schon vorgängig zu den Bewerbungsgesprächen mit den Firmen ein. Die Schülerin Lorena Alves gehört zur Gruppe, die sich für eine KV-Lehre interessiert. Noch immer sind KV- und Informatikstellen Spitzenreiter im Beliebtheitsranking am Luberzen. Alves hofft, eine Stelle im Dienstleistungs- oder Versicherungsbereich zu erhalten. Doch sollte es nicht auf Anhieb mit ihrem Wunschberuf klappten, hat sie sich bereits eine Alternative ausgedacht. «Dann würde ich etwas ganz anderes machen, Fachfrau Betreuung mit Kindern», sagt sie.

80 Bewerbungen auf eine Lehrstelle in der Gemeinde

Viviane Erne ist bei der Stadt Dietikon unter anderem für die Rekrutierung der KV- und Betriebsunterhaltslernenden zuständig. «Für das KV müssen die Schüler gute Noten mitbringen», sagt sie. Sonst kämen sie später im Berufsschulunterricht nicht mit. Doch auch die Motivation spiele eine grosse Rolle. Sie erhält jedes Jahr um die 80 Bewerbungen auf die ausgeschriebenen drei KV-Lehrstellen und ebenso viele für die Lehre als Fachmann Betriebsunterhalt. Bei Letzteren sei das Bewerbungsverfahren ein wenig anders, da die praktischen Fähigkeiten während den Schnuppertagen ebenfalls beurteilt werden.

Ein wenig anders zeigt sich das Bild beim Coiffeur-Betrieb Ungricht. «Wir erhalten pro Jahr zwischen 40 und 60 Bewerbungen», sagt Tim Ungricht, Coiffeur im Familienunternehmen. Er sucht pro Jahr bis zu drei Lernende. Alle Bewerber werden für einen Schnuppertag eingeladen. «Jeder hat das Recht den Beruf kennenzulernen», sagt Ungricht. Während diesem Tag wählen die Lehrlingsbetreuer etwa acht Bewerber aus, die sie für eine ganze Woche nehmen. «Wir achten weniger auf die Noten als auf das Betragen», sagt Ungricht. Die Lernenden müssten eine gewisse Grundmotivation haben, alles andere bringe ihnen der Betrieb bei.

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