Leserbeitrag
Zirkus Rägeboge: Tournée 2018

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Foto: Simon Zehnder
Foto: Simon Zehnder
Foto: Simon Zehnder

Vor zwei Jahren startete meine Tochter ihr erstes Jahr im Kinder- und Jugendzirkus "Rägeboge". Gleich damals fungierte sie als "Erzählerin" einer Rahmenhandlung, welche die einzelnen Nummern miteinander verband. Obwohl mich das als stolzen Vater natürlich sehr freute, schien mir wie oft bei Zirkusprogrammen, dass die Rahmenhandlung zwar eine unterhaltsame Überbrückung der Umbauzeit garantierte, aber sonst weniger mit den einzelnen Nummern zu tun hatte. Ohne Rahmenhandlung erzählt dagegen das diesjährige Programm des Zirkus Rägeboge mit starken Nummern, vielsagenden Kostumwechseln und viel Farbe "s'bunte Läbe". Am Anfang tragen rot gekleidete Einradfahrerinnen ein grosses rotes Tuch, das manchmal sogar allein in der Luft schwebt, bis ganz in Weiss gekleidete Schlangenmenschen hinter dem Tuch hervorkommen. Ohne Umbauzeit und in Schwarzlicht gebadet verwandeln diese mit Hilfe drei gelb umrandeter schwarzer Kisten ihre Körper in Formen, die an spielende Kleinkinder erinnern.

Farben führen weiter durch Kindheit und Jugend: In bunten T-Shirts wird mit kleinen weissen Bällen und grossen farbigen Gymnastikbällen jongliert, sodann spielen zwei Trapez-Artistinnen in gelben Leibchen lachende Kinder, die "noch so viel zum Entdecken haben". Kurz darauf tragen Trampolinakrobaten und Luftkünstler in ihren Reifen leuchtend bunte Hoodies. Wenn sie sich dieser entledigen, wird die bunte Vielseitigkeit durch einheitliche orange T-Shirts ersetzt. In der folgenden Bodenakrobatiknummer zeigen die Jugendlichen ihre individuelle Qualität und mit präzisen Choreographien ihre Stärke als Team. Doch die farblich unterstützte Einheitlichkeit stimmt nachdenklich – und bereitet die folgenden Nummern vor, in denen alle Artisten in weissen Bürohemden, grauen Hosen und Kravatten auftreten. Im zweiten Teil wird "s'bunte Läbe" also weniger bunt. Die Figuren halten ihre Hände als Handys ans Ohr. Das graue Arbeitsleben kontrastiert mit einer Darstellung der Familienwelt, in der wieder farbig angezogene "Kinder" Zirkus für klatschende "Eltern" spielen. Danach beeindrucken ganz in Grau und Schwarz gekleidete Jongleure mit abwechslungsreichen Tricks und beenden diesen "Abschied" mit einem starken Bild: Beim Kreisen durch die Manege fällt eine Keule nach der anderen zu Boden.

Ein Markenzeichen des Zirkus Rägeboge ist die Feuernummer, die hier nach dem "Abschied" zur Nachwelt führt. Wie am Anfang wird es dunkel, aber statt Weiss und Gelb im Schwarzlicht kreisen Flammen durch die Luft. Im Anschluss erscheinen vermeintlich ganz ohne Menschenhand eine Matte und ein Seiltanzgerät. In "Aufsteigende Seelen" kommen Gespenster auf die Bühne, die auf dem Seil und dem Chinesichen Mast beeindrucken. Bei allen Jugendzirkussen zeigen die jungen Artisten immer wieder grosses Können, aber ab und zu lassen sie beim Jonglieren einmal Ball oder Keule fallen oder rutschen bei Partnerakrobatik oder Handstand ab. In "S'bunte Läbe" indessen werden gelegentliche Fehler sogar Teil der Handlung: Wenn ein Artist sich nicht nur über seine Leistung furchtbar freut, sondern auch über Fehler sichtbar ärgert, oder jede fallende Keule nachträglich zu den am Ende der Nummer symbolisch fallengelassenen zählt.

Ein Besuch in diesem lebhaften und kurzweiligen "bunten Leben" lohnt sich also allemal, und es gibt "noch so viel zum Entdecken". Wer vielleicht sogar jedes Jahr eine Vorstellung besucht, freut sich auch, wie jüngere Artisten wie im wirklichen bunten Leben in neue Herausforderungen hineinwachsen.

Alle Informationen zum Zirkus sowie künftige Vorstellungstermine findet man unter www.zirkusschulebasel.ch.

Bericht von Andrew Shields

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