Leserbeitrag
Sumaya Farhat-Nasers Friedensbemühungen in Palästina

Marcel Siegrist
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Wie begegnet man den Schikanen und Übergriffen im komplizierten Alltag einer von einem jahrzehntelangen Konflikt zerrissenen Region? Wie gestaltet man ein Leben gegen die lähmende Ohnmacht, die vier bis fünf Meter hohe Mauern einem überall in den Weg stellen? Die palästinensische Autorin, Ökologin, Frauenrechtlerin und Friedenspädagogin Sumaya Farhat-Naser hat darauf eine ebenso klare wie erprobte Antwort: Mit Mut, Versöhnlichkeit – und mit Vertrauen in die eigene Stärke. Im Rahmen ihrer aktuellen Lesereise machte sie auf Einladung der Volkshochschule Lenzburg am vergangenen Mittwochabend Halt in Lenzburg und erzählte von ihrer Arbeit, ihrem Alltag, ihrer Familie. Eindrücklich berichtete sie von ihren Workshops, Seminaren und Projekten an Schulen, der Universität und in verschiedenen Gemeinden. Gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung gestaltet sie deren eingeschränkten Lebensraum und findet Aufgaben für die Menschen. Und es kam auch schon vor, dass sie sich einem bewaffneten israelischen Soldaten in den Weg stellte, um eine brenzlige Situation an einem fliegenden Checkpoint zu entspannen. „Hab keine Angst, Soldat!“, beruhigte sie ihn. Eine ungewöhnliche Aufforderung in Anbetracht der Kräfteverhältnisse. Eine, die den Soldaten verunsicherte, ihn aber letztlich daran erinnerte, dass er als Mensch Menschen gegenüberstand. Nicht alle Anekdoten, die sie an diesem Mittwoch aus ihrem neusten, autobiografischen Buch (Im Schatten des Feigenbaums, Lenos Verlag) vorlas, endeten auf einer positiven Note: Manchmal gibt es kein Durchkommen ins nahegelegene Jerusalem, Geschwistern bleibt die Rückkehr in die Heimat verwehrt, Besuche bei Freunden werden verunmöglicht. Die ehemalige Universitätsdozentin machte aber deutlich, dass sie sich nicht beirren lässt. Sie sucht nach neuen Wegen und nach neuen Verbündeten für ihr Hauptanliegen: Eine Gesellschaft, die in Frieden und Freiheit leben kann. „Ich komme wieder,“ versprach sie zum Schluss. Bleibt zu hoffen, dass sie dann von neuen Wegen und von gemeinsamen befahrbaren Strassen berichten kann.

Barbara Brennwald

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