Leserbeitrag
Politik, Ess- & Trinkkultur im Schloss

Huldrych Egli
Merken
Drucken
Teilen
Bilder zum Leserbeitrag
5 Bilder
 Rolf Beeler und Thierry Burkart
 Patrick Rohner mit Thierry Burkart im Gespräch
 Vorbesprechung, Guido Vogel, Rolf Beeler und Claudia Hauser
 Teller mit den 7 Käsestücken und einer Kartoffel

Bilder zum Leserbeitrag

wer nicht dabei war, hat etwas verpasst

Eine Diskussion über Mobilität im ländlichen Raum und eine Käse und Wein Celebration gab es am Donnerstagabend im Schloss Klingnau.

Zu einem zweiteiligen Anlass, in welchen einerseits die Mobilität im ländlichen Raum und andererseits die beiden ländlichen Produkte Käse und Wein im Mittelpunkt standen, hat die FDP Bezirk Zurzach am Donnerstagabend ins Schloss Klingnau eingeladen. Den Besuchern bot sich bei der Ankunft im Saal ein für einen Parteianlass eher ungewohntes Bild. Auf den Tischen lagen nicht nur die üblichen Cachet, sondern waren gedeckt mit drei Weingläsern, Messer, Gabel und einer Serviette. Doch vorerst blieb das Gedeck unberührt. Claudia Hauser, Bezirksparteipräsidentin, kantonale Wahlkampfleiterin und Nationalratskandidatin führte kurz ins Thema „Mobilität“ ein. Jeder kenne die Probleme des öV und des Individualverkehrs und sei mindestens Nutzer des einen oder andern Systems. Es stelle sich die Frage, ob es eine für die Steuerzahler zahlbare Lösung der Probleme gebe oder ob man sich einfach daran gewöhnen müsse.

Behinderung ist keine Lösung

Grossrat und Nationalratskandidat Thierry Burkart ging in seinem Referat auf die Ursachen der steigenden Mobilität ein und sprach von den geplanten Massnahmen und den Lösungsansätzen zur Bewältigung für die weiterhin zunehmende Nachfrage. Wichtigste Treiber dafür ortet der Referent einerseits beim Bevölkerungswachstum und andererseits beim steigenden Wohlstand. Mobilität sei seit je her, ein wichtiges Element der Siedlungsentwicklung gewesen. So entstanden alle Dörfer und Städte entlang der Verkehrswege. Massnahmen zur Eindämmung durch Behinderung des Verkehrs oder ein Verzicht auf Ausbau, sind für Burkart ist keine Lösung. Solche führen klar zu einer Abwanderung oder zumindest zu einer Stagnation der betroffenen Region.

21‘000 Stunden Stau

Mit verschiedenen Zahlen untermauerte Thierry Burkart seine Aussagen. So wurden 2014 auf den schweizerischen Nationalstrassen 21'541 Staustunden registriert. Im Vergleich mit 2008 kommt dies einer Verdoppelung gleich, wobei in erster Linie die Staus wegen Verkehrsüberlastungen zugenommen haben. Prognosen zur Verkehrsentwicklung würden ein weiteres starkes Ansteigen zeigen. Burkart ist überzeugt, dass es für eine gesunde und ausgewogene Entwicklung ein gutes Angebot beim öV wie auch MiV braucht. Für den öV im Zurzibiet wird in nächster Zeit mit dem Ausbau der S19, der S15, der allgemeine Verdichtung des Fahrplanes oder mit besserem Rollmaterial viel gemacht.

öV-Projekte habe es einfacher

Trotz der in der Bevölkerung stärker gestiegener Wahrnehmung des öV, hat sich das Verhältnis Benutzung Auto/öV nicht wesentlich verändert. In ländlichen Gebieten ist das Auto immer noch an erster Stelle, während diese in städtischen Gebieten an Bedeutung verloren hat. Diese Entwicklung hat auch einen Einfluss beim politischen Kampf um die Freigabe von finanziellen Mitteln für einzelne Projekte. Verkehrspolitik ist deshalb immer auch Finanzpolitik, betonte Burkart. Für öV-Projekte Geld zu bekommen ist auch einfacher. Strassenprojekte haben es da immer viel schwerer, wobei vergessen wird, dass 75 Prozent des öV sich auf den Strassen abwickelt. Ein Engpass auf dem Nationalstrassennetz führt immer zu einer Verdrängung des Verkehrs auf das untergeordnete Strassennetz und damit auch zu einer Behinderung des öV. Der Ausbau der A1 auf 6 Spuren ist für den Aargau deshalb ein wichtiges Anliegen, sagte Burkart. Weiter führte er aus, dass Investitionen in öV-Projekte in dicht besiedelten Gebieten aber auch extrem teuer sind. Als. Beispiel nannte er die Limmattalbahn. Trotzdem verdiene das Projekt Unterstützung.

„OASE“ wichtig für das Zurzibiet

Für die Entwicklung des Zurzibietes ist nicht nur der Ausbau des öV wichtig, sondern auch der Ausbau des Strassennetzes. So benennt Burkart dieOstaargauer Strassenentwicklung, OASE, ein für das Zurzibiet wichtiges Projekt. Dabei geht es um die Teilprojekte Umfahrung Baden, Brugg und Anbindung an das Nationalstrassennetzes des Unteren Aaretals. Befürchtungen aus dem Publikum, die Anbindung könnte aus politischen Gründen verzögert oder gestrichen werden, versuchte der Referent zu entkräften.

2. Gotthardröhre nachhaltiger

Thierry Burkart kam auch auf das Thema „Gotthardröhre“ zu sprechen. Täglich fahren durch den Tunnel 17‘000 Fahrzeuge. Die Sanierung der Röhre beansprucht 3.1/2 Jahre. Die Variante „Rollende Landstrasse“ ist für ihn keine nachhaltige Alternative. Es müssten gewaltige Anlagen gebaut werden, welche Investitionen von 1 Milliarde Franken nötig machen würde. Nach Abschluss der Sanierung müssten diese wieder abgebrochen werden. Dazu komme während der Sperrung der „Umwegverkehr“ der wiederum die A1 und damit den Aargau enorm belasten würde. Der Bau einer 2. Röhre sei demgegenüber nachhaltiger, da die Röhre auch bei einer nächsten Sanierung zur Verfügung stehe. Für Burkart ist es auch ein Gebot der Sicherheit, den Tunnel 2-spurig zu führen. Eine spätere zweispurige Nutzung sei mit dem Alpenschutzartikel ausgeschlossen.

Zwei Produkte vom Land

Anschliessend an das Referat folgte vorerst eine rege Diskussion. Duft nach Käse lies diese allerdings relativ schnell verstummen. Für die Wein & Käse Celebration konnte Claudia Hauser zwei ausgewiesene Profis, Rolf Beeler, ein international bekannter Maître Fromage und Plinio Colombo, Präsident der Weinbaugenossenschaft Klingnau vorstellen. Rolf Beeler produziert selbst kein Käse. Er hilft den Produzenten bei der Entwicklung neuer Produkte und unterstützt sie bei der Vermarktung. Ein Teller mit sieben verschiedenen Käsesorten wurde serviert und in die Gläser drei verschiedene Weine eingeschenkt. Auf dem Teller lagen ein Stück Galegge Geisskäse, ein Jersey Camembert, ein Küntener Reblochon, ein Bergbüffel Lindenberg, ein Wildheuer ein Alp Sbrienz und ein Thurblau, alle aus Rohmilch hergestellt. Rolf Beeler sieht darin auch für die Schweiz die einzige Möglichkeit, sich mit Käse auf dem Weltmarkt zu behaupten. Mit Käse aus pasteurisierter Milch hätte die Schweiz kaum Chancen, sich gegen die industriell hergestellten Produkte aus dem Ausland zu behaupten. Die drei Weine, ein Blauburgunder, ein Pino Gris und ein Rose Süsswein präsentierte Plinio Colombe. Er ist überzeugt, dass alle Schweizer Weine sich durch eine hohe Qualität und ein gutes Preis/Leistungs­verhältnis auszeichnen. Die Anwesenden waren von der Celebration begeistert. Unisono war die Meinung, wer nicht dabei war, hat etwas verpasst.