leserbeitrag
Szenische Lesung mit Silvia Götschi am Dienstagabend, 11.5.

Barbara Kindler
Drucken
Teilen
Bild: Barbara Kindler

Bild: Barbara Kindler

(chm)

Die Tickets für die 50 erlaubten Plätze waren innert kürzester Zeit weg, das Bedürfnis nach kultureller Unterhaltung ist gross. Im alten Schulhaussaal im Gemeindehaus Niederwil konnte das Schutzkonzept problemlos eingehalten werden und so wartete das Publikum gespannt auf die Bestsellerautorin Silvia Götschi. Allein die Bühnendekoration sprach Bände: eine zur Leiche präparierte, blutüberströmte Modepuppe lag da, Blutflecken und ein Messer auf dem Boden, kommt man da jemals wieder lebend raus?

Die Melliger Bibliotheksleiterin Barbara Kindler begrüsste die Autorin und das Publikum, danach tauchte die Bühne in blaues Licht und Rauchschwaden ein.

Silvia Götschi, seit zwei Jahren wohnhaft im Aargau, freute sich über die Platzverhältnisse im grossen Saal, ist sie doch auch gewohnt und bereit, in kleineren Bibliotheken aufzutreten, wo erst mal Bücher weggeräumt werden müssen.

Sie hat für diesen Abend ihren kürzlich erschienenen Krimi Interlaken mit den Protagonisten Federica Hardegger, Maximilian von Wirth und dessen exzentrischer Mutter Milagros im Gepäck. Die Geschichte dreht sich um zwei verschwundene, chinesische Touristinnen, deren Ehemänner keine Polizei einschalten wollen. Die Spur führt in die Jungfrauregion, zum höchstgelegenen Bahnhof der Schweiz. Doch dort werden die Verfolger plötzlich zu Verfolgten: Als sie erkennen, was für eine menschliche Tragödie hinter dem Schicksal der beiden vermissten Chinesinnen steckt, befinden sich Max und Fede bereits in höchster Lebensgefahr ...

Silvia Götschi recherchierte für diesen Krimi in chinesischer Geschichte und Literatur und befasste sich ausgiebig mit der Ein-Kind-Politik des Landes. Die Tatsache, dass Mädchen sehr oft unerwünscht sind, bewog sie, diesen in ihrem Buch eine Stimme zu geben. Trotz vieler Missstände wuchs das Verständnis der Autorin für die fremde Kultur. So erklang auch für die Szenenwechsel chinesische Musik, nur auf das Ballenbergkapitel wurden die Zuhörer mit einem lüpfigen Ländler eingestimmt.

Interessant ist, dass Silvia Götschi zuerst schreibt, ihre Geschichten zu 80% ihrer Fantasie entspringen und sie erst danach die Örtlichkeiten besucht.

Ihre Karriere begann in der Schule, wo sie auf dem Pausenplatz konsequent Hochdeutsch sprach und die Lehrer mit langen Aufsätzen zur Verzweiflung brachte. Mit zwölf begann sie, Gedichte zu schreiben und gewann mit dem Titel «Die Nacht des Grauens» ihren ersten Preis. Mord und Totschlag blieben ihr Hauptthema und der Emons-Verlag, der ihre Bücher herausgibt, erwartet in jedem Krimi mindestens eine Leiche. Geradezu Luxus hat sie mit ihrem Manuskriptkritiker, der ihr Ehemann ist und während des Anhörens die Wäsche glättet!

Angekündigt war ja eine szenische Lesung, trotzdem herrschte kurz Verwirrung im Publikum, als ein Telefon klingelte und Silvia Götschi meinte, das sei ihr nun sehr peinlich, dass das ihres sei. Als sie sich aber mit Valérie Lehmann meldete, eine ihrer Krimi-Polizistinnen, und um Aufklärung eines Mordes in Niederwil gebeten wurde, kam aufgeregte Stimmung auf. Zur Tatortsicherung und Festnahme des Täters wurden Protagonisten aus dem Publikum hinzugezogen, die ihre Rollen mit Bravour spielten. Zur allgemeinen Erheiterung trug bei, dass die «Polizistin» vorschlug, die Handschellen der Täterin aufzuschiessen, da der Schlüssel vermeintlich verloren gegangen war.

Nebst den Regionalkrimis schreibt Silvia Götschi auch andere Bücher, so z.B. «111 Orte, die man gesehen haben muss» oder den soeben erschienenen Krimi «Auf der schwarzen Liste des Himmels», aus dem sie noch vorliest.

Das Publikum dankte mit grossem Applaus und Susanne Maggisano von der Bibliothek Niederwil übergab ihr mit den Dankesworten einen Honig aus der Region.

Aktuelle Nachrichten