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Kreislaufwirtschaft statt Wegwerfen

Reto Eggimann
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(chm)

«Kreislaufwirtschaft als neues Denk- und Geschäftsmodell» – so lautete die Affiche der Auftaktveranstaltung des jüngsten Praxiszirkels des Hightech Zentrums Aargau. Die Premiere in Brugg stiess auf starkes Interesse.

Kreislaufwirtschaft ist zum «Megathema» geworden und physische Informationsanlässe waren in den letzten Monaten coronabedingt äusserst selten: Beide Aspekte dürften dazu beigetragen haben, dass der jüngste Praxiszirkel des Hightech Zentrums Aargau (HTZ) in Brugg schnell ausgebucht war. Praxiszirkel gehören seit Jahren zu den Dienstleistungen des HTZ, die vor allem bei Entscheidungsträgern aus der Wirtschaft auf reges Interesse stossen. Im Zentrum der Fachveranstaltungsreihen zu unterschiedlichen Themenbereichen steht die Informationsvermittlung, verbunden mit einem Wissens- und Erfahrungsaustausch.

Konsumgesellschaft muss handeln

Die branchenübergreifende Informationsveranstaltung richtete sich an Produzenten, Verarbeiter und all jene, die sich vertieft mit dem Thema Kreislaufwirtschaft auseinandersetzen wollen. Reto Eggimann, Technologie- und Innovationsexperte des HTZ und Gastgeber dieses Praxiszirkels, erläutert die Themenwahl: «Die Erkenntnis ist überall gereift, dass unsere Konsumgesellschaft sorgsamer mit den Ressourcen umgehen muss. Der Wechsel von einer Linearwirtschaft, also Wegwerfgesellschaft, hin zu einer regenerativen Kreislaufwirtschaft, in der Ressourcen und Materialien in den Kreislauf zurückgeführt werden, muss vorangetrieben werden.» Im Rahmen der Praxiszirkel-Reihe sollen Unternehmen anhand erfolgreicher Praxisbeispiele sowie neuster Erkenntnisse aus der Forschung informiert und inspiriert werden und die Möglichkeit zur Vernetzung erhalten. Mitorganisator des jüngsten Praxiszirkels war Circular Hub aus Zürich, eine offene Wissens- und Netzwerkplattform für die Kreislaufwirtschaft in der Schweiz, finanziell unterstützt durch den Migros-Pionierfonds. Marco Sutter von Circular Hub: «Wir aktivieren das Innovationspotenzial von Schweizer Unternehmen, inspirieren und begleiten sie bei der Realisierung zirkulärer Geschäftsmodelle.» Die Welt sei heute nicht einmal zu 10 Prozent «zirkulär» und entsprechend gross das Potenzial.

Das Ganze im Auge behalten

Etliche Herausforderungen gibt es auch aus Sicht der Forschung, wie Dr. Melanie Haupt, Dozentin für Ökologisches Systemdesign an der ETH Zürich, betonte. Zentral ist bereits die klare Definition des Ziels. Es wäre zu kurz gegriffen, Kreislaufwirtschaft direkt mit ökologischer Nachhaltigkeit gleichzusetzen. Aber Kreislaufwirtschaft leistet einen wesentlichen Beitrag zu einer nachhaltigen Wirtschaft. Entscheidend sind aber letztlich ganzheitliche Betrachtungen, zum Beispiel wenn es um die Frage nach der «richtigen» Verpackung eines Produkts geht. So sind natürliche Materialien nicht zwingend ökologischer als Kunststoffe. Als erstes Praxisbeispiel wurde die Boxs AG aus Buchs und Gränichen vorgestellt. Dieses KMU produziert mit seiner Tochterfirma UpBoards GmbH aus Mischkunststoffabfällen vielseitig einsetzbare Recyclingplatten als Ersatz für Holzplatten. Mit Unterstützung des HTZ hat die Boxs AG im Rahmen einer Machbarkeitsstudie ein Raumsystem für den Einsatz in Entwicklungsländern entwickelt. Zweites Praxisbeispiel war die reCIRCLE AG aus Bern. Sie hat ein Mehrwegverpackungssystem für die Unterwegsverpflegung entwickelt und arbeitet bereits profitabel. Mehr als 1500 Schweizer Restaurants gehören heute zu jenem Kundennetzwerk, das reCIRCLE aufzubauen begonnen hat.

Überblick über die Finanzierungsmöglichkeiten

Die Anschubfinanzierung von kreislauffähigen Innovationsprojekten ist für KMU oftmals ein steiniger Weg. HTZ-Experte Reto Eggimann gab einen Überblick über die recht zahlreichen Kooperations- und Förderangebote in der Schweiz. Erste Adressen im Aargau sind das HTZ selber und der Forschungsfonds Aargau. Das HTZ gehört auch zum Beraterkonsortium, das hinter der nationalen Fördermöglichkeit «NTN Booster Applied Circular Sustainability» steht. Dieses durch die Innosuisse geförderte Innovationsprogramm unterstützt schweizweit die Umsetzung von kreislauffähigen Ideen und Lösungen. Mit zirkulärem Wirtschaften und Ökobilanzen setzt sich auch das Kunststoff-Ausbildungs- und TechnologieZentrum KATZ in Aarau auseinander. Es hat seine Angebotspalette um die «Kreislauffabrik» erweitert: Mit diesem Informationstool offeriert das KATZ «Kunststofftechnik in der Kreislaufwirtschaft zum Anfassen».

Weitere Informationen: Das Hightech Zentrum Aargau plant, den nächsten Praxiszirkel Kreislaufwirtschaft im Oktober 2021 anzubieten. Info ab Mitte August unter www.hightechzentrum.ch/events.

Reto Eggimann