Leserbeitrag
Ein «geisterhafter» Abend voller Emotionen: Die Klasse F22c der Kantonsschule Solothurn bot eine abwechslungsreiche Lesung aus ihrem Buch «Kantigeist»

Jan Schneider
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Bild: Jan Schneider

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(chm)

Vor vollen Rängen bot die Klasse F22c in der Aula der Kantonsschule Solothurn einen zweistündigen Lese-, Theater- und Filmabend voller Emotionen rund um das Leben Wilhelm Kaisers, auch bekannt als «Kantigeist». Eine bunte Mischung aus unterschiedlichen Zugängen zum Leben eines faszinierenden Wissenschaftlers erwartete die zahlreichen Zuschauerinnen und Zuschauer. Die Klasse veranschaulichte nicht nur mit gelungenen Präsentationen die biografischen Stationen Wilhelm Kaisers, sondern las emotionale Tagebucheinträge während dessen 27-jährigen Aufenthalts im Keller der Kantonsschule Solothurn: «Wenn ich mich nachts meinen Arbeiten widme, überkommt mich jedes Mal eine allumfassende Ruhe. Es ist, als wäre dies meine Zeit, als würde ich den Tag nur überleben, um in der Nacht zu leben.» Auch die 12-Sinneslehre Rudolf Steiners und Wilhelm Kaisers wurden literarisch umgesetzt und der Mensch innerhalb seines ihn umgebenden Äthers mit dem tiefgreifenden Kurzfilm «Rote Tulpen» präsentiert. Zudem wurden die Gäste in das Jahr 2124 entführt, als zwei Wissenschaftlerinnen das Kantigeist-Buch finden und über die Entstehung der Erde aus einem Staubkorn diskutieren. Auf einer anderen, mit diffusem Licht beleuchteten, Bühne betrachtete Kaiser sein eigenes Spiegelbild und wurde sich seiner Einsamkeit bewusst. Schliesslich sinnierte Wilhelm Kaiser an seiner eigenen Beerdigung über die Ausgrenzung und Inakzeptanz der Gesellschaft, die in ihm nicht den hochintelligenten Wissenschaftler erkannte, der er eigentlich war. Auch Kaisers Frau Helena Wajdzik kam an diesem Abend zu Wort: In einer psychoanalytischen Sitzung erzählte sie über ihre Beziehung zu ihrem Mann Wilhelm Kaiser, der ihr wie ein Geist erschien und selten nach Hause kam. Nicht zuletzt wurde das anthroposophisch-astronomische Weltbild Kaisers auf verständliche Weise veranschaulicht: das geozentrische Weltbild mit der umkreisenden Sonne und diese umkreisenden Planeten. So konnte sich Kaiser die lemniskatischen konzentrischen Bewegungen der Planetenbahnen von der Perspektive der Erde aus erklären. Abgerundet wurde der Kantigeist-Abend mit einer amüsant-skurrilen Kriminalszene und angeblich verschwundenen Kindern im Kantikeller. Die Grenze von Realität und Fiktion verschwamm an diesem Dienstagabend und bot nicht nur Einblicke in biografische Szenen von Wilhelm Kaiser, sondern in das Verständnis eines einsamen Menschen aus der Perspektive der Jugendlichen. Die emotionale Berg- und Talfahrt war nicht nur der aufwendigen Bühnenshow, musikalischen Einlagen und einem amüsanten, wandelbaren Moderator geschuldet, sondern einer Klasse, die das Publikum von der ersten Minute an zu begeistern wusste.

«Kantigeist» - das Buch der Klasse F22c – ist im Bücher Lüthy Solothurn und online erhältlich.