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4. Ravicini-Preisverleihung im Alten Spital

Cecile Eggenschwiler
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Bild: Cecile Eggenschwiler

Bild: Cecile Eggenschwiler

(chm)

Am herbstlichen Sonntag, 19. September 2021 fand die festliche Preisverleihung an den Wiener Preisträger, Magister Dr. Matthias Mansky vom Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaften der Universität Wien statt. Schon zum vierten Mal konnte der vom Ehepaar Lotte und Pietro Ravicini-Tschumi gestiftete Preis als Auszeichnung einer wissenschaftlichen Arbeit zur Trivialliteratur vergeben werden. Die Jury, bestehend aus 6 Literatur-Sachverständigen unter Präsidentin Dr. Elisabeth Kully sowie dem Stiftungsrats-Präsidenten des Kabinetts für sentimentale Trivialliteratur in Solothurn, Peter Probst, hat das Werk des Preisträgers aus mehreren Einsendungen ausgewählt. Anlässlich der 2. Ravicini-Preisverleihung hat es Matthias Mansky mit der Einsendung seiner Dissertation bereits unter die ersten 3 Ausgewählten geschafft.

Die Feier wurde von Lautenist Christoph Greuter mit Musik der Renaissance aus dem ersten, 1523 in Wien publizierten Lautenbüchlein von Hans Judenkünig stimmungsvoll begleitet.

Nach den Begrüssungsworten von Peter Probst hiess Elisabeth Kully die neuen Jury-Mitglieder Alexander Meier und Dr. Reto Stampfli willkommen. Sie stellte dem interessierten Publikum den Preisträger Matthias Mansky aus Wien und seine umfangreichen wissenschaftlichen Arbeiten vor. So wird er 2022 als massgeblicher Projektleiter bei der Herausgabe einer historisch-kritischen Werkausgabe von Ferdinand Raimund, dem österreichischen Schauspieler und Dramatiker aus dem frühen 19. Jahrhundert beteiligt sein. Seine Projektarbeit «Ökonomien der Parodie am Wiener Vorstadttheater: eine kritische Edition» hat ihm unumstritten den Ravicini-Preis eingetragen. Manskys lesefreundliche und spannende Arbeit wird den Literaturliebhabern nächstens in Buchform zur Verfügung stehen.

Prof. Dr. Mario Andreotti, Jurymitglied und Lehrbeauftragter an der Universität St.Gallen, stellte Schillers «Lied an die Glocke» an den Anfang seiner geistreichen und witzigen Laudatio. Er erläuterte in vielen Beispielen und Textvergleichen die Parodie als komisch-satirische, verzerrende Nachahmung eines bereits bekannten literarischen Werkes. Dank der eingängigen, hohen Lesefreundlichkeit sei Matthias Mansky mit seiner Projektarbeit die «Quadratur des Kreises» geglückt. Er freue sich bereits auf weitere ausgezeichnete Publikationen. Seine Arbeiten, so prophezeite er, würden auch künftig Preise gewinnen.

Nach der Preisübergabe und den Schlussworten von Elisabeth Kully erfolgte die Einladung an die Gäste zu Apéro und angeregten, grenzüberschreitenden Gesprächen. Anschliessend liessen sich Matthias Mansky und seine Partnerin bei einem Stadtrundgang im strömenden Regen den Zytgloggeturm, das ehemalige Jesuiten-Kollegium und das Stadttheater geschichtlich und in Anekdoten erklären und zum Museum Kabinett für sentimentale Trivialliteratur am Klosterplatz führen. Das kleine, durch die Stifterin Lotte Ravicini liebevoll ausgestattete Museum mit seinen Schätzen der Frauenliteratur und Gegenständen aus dem 19. Jahrhundert hat die Gäste sehr beeindruckt und ihren Solothurner Aufenthalt literarisch und kulturhistorisch abgerundet.

Das Kabinett für sentimentale Trivialliteratur am Klosterplatz 7 in Solothurn ist dem breiten Publikum in Führungen zugänglich. So wird an jedem 7. des Monats um 7 Uhr abends eine Führung zu Themen der Literatur des 19. Jahrhunderts, Schriftstellerinnen, kulturellen Hintergründen, Voraussetzungen für die populäre Literatur und vielem mehr angeboten. Ebenfalls besteht die Möglichkeit, individuelle Führungen zu ausgewählten Themen nach Wunsch zu vereinbaren.

Text: Cecile Eggenschwiler

Bild: Claudia Eugster

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