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«Nüdallgraduus»

Albrecht Sieber
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Sommerkonzert in der Dorfkirche Maisprach mit der Jungen Original Appenzeller Streichmusik Geschwister Küng aus Appenzell. (25.8.13)

Volksmusik, ein Titel der normalerweise mit Vorsicht zu geniessen ist und ‚Nödallgraduus’ (Nicht alles gerade aus)? – Volksmusik das ist doch ‚zwei links, zwei rechts’, und Brissago und sicher alles ‚graduus’ und ‚Marsch’...

Die Musik, die uns in der Kirche Maisprach empfangen hat war ganz anders: Zu Beginn ein magischer Klangteppich aus feinen Streichertönen, aus dem sich mit leisen Hackbrettschlägen ein Rhythmus entwickelt, der alle Zuhörer gefangen nimmt. Bald lässt sich ein Walzer erkennen, ein Dreitackt bei dem man sich daheim fühlt. Doch bald entgleitet einem das Gewohnte und versinkt in einem breiten Mol-Teil, welcher alle Zuhörer zu tiefst berührt. Ein Schottisch, eingeleitet durch bezwingende Schläge des Heckbretts scheint sich in der gewohnten geraden Bahn zu entwickeln, doch bald verschieben sich die rhythmischen Schwerpunkte und die Musik perlt wie ein Wildbach durch ein wildes Bachbett, hüpft und springt, findet aber immer wieder zurück und lässt den Zuhörer Atem holen. «Rauschen an der Sitter» (E.Walser, arr. A.Küng) beginnt mit einem eindrücklichen Basssolo, führt mit einem musikalischen Stimmungsbild zum bekannten Walzer, ein mächtiger Molteil – wohl einer der wenigen Momente wo die Musik in der Kirche richtig laut wurde – mündet wieder im musikalischen rauschen der Sitter. Jedes Instrument kommt zum Zug und trägt zur Vollkommenheit des Bildes bei, vom Vogelgezwitscher bis zum Grollen der Steine am Grunde des Baches.

Mit einem Csárdás verabschiedeten sich die Geschwister Küng von den Zuschauern und öffneten damit gleich ein neues Kapitel Musik, welches Appetit auf mehr machte, mehr von diesen Klängen, die so wunderbare Bilder malen können. (as)

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