Leserbeitrag
Naturschutzverein Frick besucht die Sondermülldeponie Kölliken

Spannende Führung

Marcel Siegrist
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Am ersten Freitag im April fand eine gut besuchte Führung durch die Sondermülldeponie Kölliken statt. Unter kundiger Führung durch den Bauleiter und Sicherheitsbeauftragten Joseph Hochreuter, der es sich als gebürtiger Fricktaler nicht nehmen liess, die Fricker Naturschützer selber zu führen, erfuhren die Teilnehmer interessante Details über die Gesamtsanierung der SMDK. Durch die Lagerhalle und die Manipulationshalle ereichten wir beim spektakulären Rundgang über das aufgehängte Dach die Abbauhalle. Nach der Besichtigung der Schmutzwasser-Behandlungsanlage stiegen wir 23 Meter in die Tiefe in den imposanten Stollen der Abschirmung Süd. Nach der kurz-weiligen Besichtigung erklärte uns Joseph Hochreuter im Info-Pavillon die Geschichte von der Tongrube, der Sondermüllablagerung bis hin zur laufenden Gesamtsanierung.

Von 1978 bis 1985 wurden in die stillgelegte Tongrube Kölliken, mitten im besiedelten Gebiet, 350'000 Tonnen Sondermüll aus den Kantonen Aargau, Zürich und der Basler Chemischen Indust-rie eingelagert. In der Folge erwies sich der Untergrund als undicht, was zur Gefährdung des Grundwassers führte. Der Deponiekörper wurde daraufhin ständig überwacht. Dazu wurden 270 Bohrlöcher in der Deponie und in deren unmittelbaren Umgebung bis zu einer Tiefe von 70 Metern gebohrt. Im Rahmen der Sofortmassnahmen wurde die ganze Fläche von 38'000 Quadratmetern mit 1.5 Metern Erdreich überdeckt, was zu einer Halbierung der kontaminierten Wassermenge führ-te. Um noch mehr Sickerungswasser zu fassen, wurden von 1992 bis 2002 nacheinander die Ab-schirmung Nord und die Abschirmung Süd gebaut und das gesammelte Schmutzwasser in der ei-gens dafür gebauten Schmutzwasser-Behandlungsanlage gereinigt.

2003 verfügte der Kanton Aargau die Gesamtsanierung und damit den vollständigen Rückbau des Deponiekörpers. Dazu wurden zwischen 2006 und 2007 die Abbauhalle, die Manipulationshalle und die Lagerhalle erstellt. Abbau- und Manipulationshalle sind stützenfrei mit aussen liegenden, markanten Bogentragwerken. Diese wurden mit 263 Lastwagenfahrten aus Hosena/Brandenburg eingeführt und mit dem grössten Raupenkran der Schweiz innerhalb von 23 Wochen aufgebaut. Die grösste Bogendimension weist eine Spannweite von 175 Metern bei einer Höhe von 32.5 Me-tern auf. Die Hallendecken sind an dieser einzigartigen Bogenkonstruktion aufgehängt. Unterdruck in den Hallen und eine intensive Abluftreinigung verhindern den Austritt von Schadstoffen. Seit No-vember 2007 sind der Rückbau des Deponieinhalts, die Triage und die Entsorgung der Abfälle im Gang. Diese werden vor Ort in einem eigens erstellten Labor analysiert und innerhalb von 48 Stun-den der korrekten Entsorgung zugewiesen. Der Abtransport erfolgt je nach Menge und Bestim-mungsort auf dem Strassen- oder Schienenweg.

Nach dem vollständigen Rückbau des Deponiekörpers, des Deponiesaumes und der Flanken - ca. 550'000 Tonnen - werden sämtliche Infrastrukturen zurückgebaut und das Areal einer neuen Nut-zung zugeführt. Die Überwachung von Boden, Luft und Wasser wird noch längere Zeit weitergeführt.

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