Leserbeitrag
Martin Heiz, Reinach, war Gast am Kaminfeuergespräch im Falkenstein

Marcel Siegrist
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Die Kaminfeuergespräche im Falkenstein Menziken sind zu einem beliebten Anlass für die Bewohnerinnen und Bewohner geworden. Diesmal war ein Reinacher Urgestein, Martin Heiz, als Gast eingeladen. Er berichtete überaus humorvoll über spezielle Erlebnisse in seiner Vergangenheit.

Der Gast am Anlass «Kaminfeuergespräch» des Falkenstein Menziken kann als Reinacher Urgestein betitelt werden. Martin Heiz wuchs im Kaufhaus Zentral auf. Dieses Gebäude gibt es immer noch und beherbergt heute das Geschäft R. Schriber Bernina Nähworld, die Papeterie Heiz und den Spielwarenladen Heiz. Im ersten Stock wohnte die Familie seines Onkels und seine Familie einen Stock höher. Hinter dem Haus führten sie eine Getränkehandlung und verkauften Samen und andere landwirtwirtschaftliche Produkte.

Martin Heiz erzählte auf humorvolle Art von seiner Jugendzeit. Er spielte gerne Streiche und meinte schmunzelnd, dass heute wohl ein Schulpsychologe bei den Eltern antraben würde, wenn man in der heutigen Zeit solchen Schabernack treiben würde. So hatte Familie Heiz zum Beispiel immer Zwergspitzer Hunde. Diese wurden von den Heiz Jungs darauf trainiert, auf Kommando den Passanten in die Wade zu zwicken. Oder Schnee, wie wir ihn in den letzten Tagen hatten, wäre zu Schneebällen umgenutzt worden, um dann als Wurfgeschosse eingesetzt zu werden - und die Oberdörfler kämpften öfters gegen die Unterdörfler...

Martin Heiz erzählte eine kleine Episode aus der Zeit, als er etwa im Kindergartenalter war. Zu dieser Zeit wohnte in seinem Elternhaus auch noch eine Familie mit einem kleinen Mädchen, das ungefähr ein Jahr älter war als er. Sie spielten Coiffeur. Martin Heiz berichtete, dass er vom Frisurenresultat eigentlich überzeugt gewesen sei. Das sah aber die Mutter des Mädchens anders, ihr gefiel der sehr kurze Haarschnitt der Tochter, eigentlich schon fast ein Kahlschlag, nicht wirklich. Er habe nie mehr ein solches Donnerwetter erlebt, wie er es von dieser Mutter erfahren habe. Und daheim ging es gleich weiter, da seine Eltern den professionellen Coiffeurbesuch bezahlen mussten, der noch zu retten versuchte, was noch zu retten war.

Familie Heiz hatte immer eine Haushaltlehrtochter. So erinnerte sich Martin Heiz noch gut an Frau Hauri, heute Bewohnerin im Falkenstein, die ihn schon als kleinen Buben gehütet habe.

Überhaupt habe es in seiner Biografie sehr viele Hauris gegeben, was ja bei der Häufigkeit des Namens in Reinach nicht verwunderlich ist. Sein Götti hiess nicht nur Hauri, sondern war auch noch sein Lehrer, was er nicht immer in vorteilhafter Erinnerung habe, wie er ausführte. Überhaupt sei seine Schulzeit mit vielen Lehrern bestückt gewesen, die den Namen Hauri trugen. Einen jungen Lehrer habe er einmal gehabt. Bei ihm habe ihn die Kreidetreffsicherheit imponiert, mit der er fehlbare Schülerinnen und Schüler erreichte. Dieser war ausnahmsweise kein Hauri, sondern der legendäre Hansruedi Woodtli.

Das Zentralschulhaus wurde für Martin Heiz zum Mittelpunkt in seiner Jugend. Die warme Milch, die man in der Pause erhalten habe, löse ihm jetzt noch Brechreiz aus. Und den Geruch verbinde er noch heute mit dem Zentralschulhaus. Dabei erzählte er auch von Herrn Gürber, von der gleichnamigen Molkerei, der jeweils mit einem Wagen auf Milchtour ging. Das Besondere daran war, dass dieser Wagen von einem Bernhardiner Hund gezogen wurde. Auch an die Suppenküche im Keller erinnere er sich noch gut. Ganz besonders an Herrn Pfeiffer, seine Witze und den Stumpen im Mund beim Suppenkochen. Martin Heiz durfte vor dem Mittag mit dem Milchkesseli Suppe holen. So kam Familie Heiz auch in den Genuss dieser «Zentralschulhaussuppe».

Aus seiner Schulzeit sind ihm viele weitere schöne Erlebnisse in Erinnerung geblieben. Seine Bezirksschulkarriere startete er im neugebauten Neumattschulhaus. Da hatte er auch die Kadettenzeit erlebt. Er spielte in der Kadettenmusik und war mit dieser «Formation» an der Expo 1964 in Lausanne. Der Kanton Aargau hatte dem «Aargauer Tag» dort zwar die Zusage verweigert. Aber Industrielle aus dem Kanton organisierten einen «Aargauer Expo Tag» auf privater Basis. So durfte sich der Kanton, und eben die Kadettenmusik mit Matin Heiz, in Lausanne doch noch präsentieren. Jeder dieser jungen Musiker erhielt von einer Dame ein Goldvreneli. Dieses habe er bis heute in Ehren gehalten und die Schenkerin nie vergessen.

Später wechselte er in die Big Band der jungen Kirche Menziken. Mit dieser Formation hatte er sogar einen Auftritt im Schweizer Fernsehen. Dabei lernte er Kurt Felix kennen. Später machte er mit Kollegen Tanzmusik. Er spielte Saxofon. Durch diese Einnahmen hatten die Musiker ihren Lehrlingslohn oft verdoppelt.

Eigentlich wäre ihm eine Lehre bei der Burger Söhne in Burg beschieden gewesen. Das gefiel Martin jedoch nicht. So machte er sich hinter dem Rücken seines Vaters eigenständig auf Lehrstellensuche. Er fand eine Lehrstelle im kaufmännischen Bereich, die nach seinem Geschmack war. Die Information an seinen Vater, dass er der Firma Burger absagen müsse, da er eine andere Stelle habe, wurde vom Vater nicht freudig aufgenommen. Aus der Lehrzeit bei der Aluminium Menziken wusste Martin auch interessante Begebenheiten zu berichten. So hatte es ihn als jungen Burschen mächtig beeindruckt, wenn die Lehrlinge jeweils Ende Monat die Lohnsäckli abfüllen mussten. So viel Geld hatte er vorher noch nie gesehen. Immerhin waren es jeweils rund eine Million Schweizer Franken! Auch das Verteilprozedere war eine logistische Herausforderung. Eine weitere Geschichte zum Schmunzeln war jene vom umprogrammierten Lift. Ein paar Lehrlinge, Martin Heiz war selbsterklärend auch dabei, haben die Steuerungen ausgebaut und umgelötet. So konnten die Benutzer zwar das gewünschte Stockwerk antippen, der Lift hielt aber garantiert in einer anderen Etage. Wer die Übeltäter der «Umleitung» waren, blieb eines der bestgehüteten Geheimnisse der Alu Menziken. Die Liftmonteure benötigten einige Zeit, bis sie den Fehler herausfanden. Die Reparatur war gar nicht so einfach. Erst in der letzten Woche seiner Lehrzeit wurde Martin Heiz von einem Vorgesetzten darauf angesprochen. Aber er hatte die Truppe nie verraten, was ihm von der Gruppe hoch angerechnet wurde.

Nach der Lehre wollte er im Welschland seine Französischkenntnisse auf Vordermann bringen. Er erhielt eine Stelle bei der Marktforschung der Firma Nestle in Vevey. An seinem ersten Arbeitstag grüsste er freundlich mit seinem Schulfranzösisch. Alle im Büro musterten ihn seltsam. Dann erklärte ihm jemand, dass hier Englisch die Bürosprache sei. Sein Englisch sei etwas speziell herausgekommen, wusste Martin Heiz zu berichten. Und mit dem Französisch wurde es an dieser Stelle definitiv nichts.

Zur Politik kam er eher zufällig. 1983 hatte ein Teilnehmer auf der Grossrats-Liste der FDP im Bezirk Kulm kurzfristig abgesagt. Matin Heiz war damals HAGO Präsident in Reinach. Er wurde angefragt und sagte spontan zu. Er hatte jedoch nicht mit einer Wahl gerechnet. Grossartige Wahlunterstützung erhielt er aus Menziken vom «Gluschtibus» Bruno Geiger. Mit ihm und Hans Hediger von der EROWA hatte Martin Heiz 1983 die erste Wyna Expo organisiert. Diese Entscheidung fiel, nachdem der HAGO Reinach einer Gewerbeausstellung in der Tennis- und Eishalle eine Absage erteilt hatte, da dem Gewerbeverein das Risiko zu gross erschien. Das Nein wollte Hans Hediger nicht so stehen lassen und konnte Martin Heiz und Bruno Geiger für seine Idee begeistern. Das war die Geburtsstunde der Wyna Expo, die Bestand hat bis in die heutige Zeit.

Während seiner Zeit als Grossrat hat er den Bezirk und das Oberwynental mit viel Herzblut vertreten. Er konnte vom grossen Netzwerk, das sich während dieser Zeit erwarb, auch später sehr profitieren. Die Grossratszeit sei für ihn eine grossartige Lehrzeit gewesen, wusste er zu berichten. Der Grosse Rat tagt auch heute noch am Dienstag. Vor der Sitzung finden in der Regel sogenannte Fraktionssitzungen statt. An eben einer solchen erfuhr er, dass der damalige Gemeindeammann Dr. Klaus Dogwiler seinen Rücktritt eingereicht hatte. Der Rücktritt war noch nicht publik und nur das Departement wusste davon und eben Martin Heiz. Er hatte eine relativ kurze Bedenkzeit, um sich eine Kandidatur zu überlegen. Zu dieser Zeit hatte er schon längst ein eigenes Geschäft und Filialen sowie bereits ein namhaftes Verwaltungsratsmandat. Er entschied sich für die Gemeinde Reinach und wurde auf Anhieb ehrenvoll mit einem Glanzresultat gewählt. Und seither ist er Gemeindeammann in Reinach, schon seit 34 Jahren. Einige seine Errungenschaften in dieser Zeit und in der Grossratszeit hat Martin Heiz ganz bescheiden aufgelistet. So war er massgeblich an der Eigentrassierung der WSB beteiligt. Auch beim Neubau vom Spital Menziken war seine Hartnäckigkeit gefragt. Dieser Bau war auf Grund von Fehlinformationen auf der Kippe. Martin Heiz konnte diese belegen, und der Neubau erhielt schlussendlich grünes Licht.

Martin Heiz ist sich bewusst, dass sein ausserordentliches Engagement im Geschäft, Beruf und der Politik nur dank seiner Frau möglich war. Sie hielt ihm den Rücken frei. Die Zeit mit seinen Kindern sei bei ihm als Vater etwas zu kurz gekommen. Deshalb geniesse er die Grosskinder, vier Buben, heute umso mehr.

Wie man es von Martin Heiz gewohnt ist, waren seine Ausführungen unterhaltsam und sehr kurzweilig. So war es nicht verwunderlich, dass die Stunde im Galopp vorbei ging. Zum ersten Mal seit den Kaminfeuergesprächen erhielt der Referent nicht nur ein Präsent vom Falkenstein, sondern noch Fanpost von Anwesenden.

Annette Heuberger, Kümmerin