Leserbeitrag
Jesus in der Bibel und im Koran

Engler Hermann
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H.E. In Oberentfelden stehen drei Gotteshäuser; eine reformierte und eine katholische Kirche sowie seit 2004 im ehemaligen Gasthof Bad die Moschee der Islamischen Gemeinschaft der Bos­njaken des Kantons Aar­gau (IZBA). Um sich besser kennen zu lernen führten die drei im refor­mierten Kirchgemeindehaus Ober­entfelden einen Informationsabend zum Thema „Jesus in Bibel und Koran“ durch. An diesem Thema lässt sich anschaulich zeigen, dass Chris­tentum und Islam neben Gegensätzlichem auch viel Gemeinsames auf­weisen.

Imam Muris Puric schilderte zunächst das Jesusbild im Koran. Die Vorstellung, dass Gott einen Sohn hat, ist dem Islam fremd. Für den Islam kann Jesus daher nicht „Sohn Gottes“ sein. Auch für den Islam ist Jesus jedoch kein gewöhnlicher Mensch, sondern ein von Gott gesandter und mit überirdi­schen Fähigkeiten gesegneter Prophet, der ohne Mitwirkung eines Mannes von der Jungfrau Maria geboren worden ist. Der Islam glaubt, dass Jesus ohne vorhe­rige Kreu­zigung von Gott direkt ins Him­melreich aufgenommen worden ist. Gott hätte einen guten Men­schen wie Jesus nie derart gequält wie das bei einer Kreuzigung der Fall ist. Die Vorstellung, dass Christus mit seinem Tod am Kreuz die Erbsünden der Menschen übernommen hat, lehnt der Islam ab. Niemand könne die Sünden anderer Menschen über­nehmen; jeder müsse mit seiner ganzen Sündenlast le­ben und zum letzten Gericht antreten. Gott allein könne Sünden vergeben und er tue dies auch, falls die Sünden bereut und durch gute Ta­ten abgegolten werden. – Weshalb kommt es trotz der vielen Gemein­samkeiten zu grausamen Verfolgungen von Christen und an­dern Minderheiten? Nach Imam Puric lassen sich derartige Konflikte, die meist zwischen ver­schiedenen Richtungen des Islams stattfinden, nicht mit Koranstellen begründen, sondern sind auf die missbräuchli­che Instrumentalisierung des Korans durch die Politik zurückzuführen – und auf die mangelhafte Bildung der beteiligten Menschen.

Der reformierte Pfarrer Peter Hediger beleuchtete anschliessend das Jesusbild im Alten und im Neuen Testament. Im Alten Testaments wird an mehreren Stellen auf den kommenden Prophe­ten Jesus Chris­tus hingewiesen; besonders deutlich durch den Propheten Jesaia. Um die Men­schen von Sünden zu ent­lasten liess Gott seinen Sohn zum Men­schen werden. Dass Jesus Chris­tus im Alten, hebräischen Testa­ment mehrmals erwähnt wird, zeigt die enge, untrennbare Verbundenheit des Judentums mit dem Christentum. Im Neuen Testament wird mehrmals betont, dass Jesus Gottes Sohn sei. Jesus sagt: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.“(Johannes 14,6). Da Jesus auch für den Islam wichtig ist, fragt sich, ob auch dessen Anhänger nur über Jesus zu Gott kommen können. Diese Frage kann nur Gott beantworten. Er allein entscheidet, wie er zu Angehörigen anderer Religio­nen sprechen will.

Der katholische Diakon Alex Bugmann befasste sich mit der Beziehung zwischen Gott und Jesus. Jesus heilte Kranke, vergab Sünden und verfügte über Vollmachten, die eigentlich nur Gott zu­stehen. Jesus sah sich daher in einer einzigar­tigen Beziehung zu Gott. „Ich und der Vater sind eins“ (Johannes 10, 30). Für das Jesusbild der „gewöhnlichen“ Menschen ist die Art und Weise wich­tig, wie Jesus den Menschen be­gegnet ist und mit ihnen gesprochen hat. Jesus verkündete die Nähe des Reich Gottes und zeigte es in Worten und Taten. Seine Erscheinung, sein Handeln und seine Worte strahlten eine unerhörte Gelöstheit und innere Freiheit aus, die die Menschen faszinierte und Jesus eine grosse Anhängerschaft verschaffte. Die Menschen er­fuhren in ihm Got­tes Kraft, Liebe und Barmherzigkeit. - Bei einem Son­nenaufgang, einem intensiven Gebet, einer Meditation oder einem an­dern wunderschönen Erlebnis haben vielleicht auch wir schon Mo­mente erlebt, in denen wir uns von etwas Höherem berührt fühlten, in denen das göttliche Licht durch einen Türspalt bis zu uns vorgedrungen ist. Da­bei konnten wir erahnen, wie überirdisch göttlich Jesus damals auf die Menschen gewirkt haben muss.

Die Oberentfelder christlich-muslimische Informationsveranstaltung zeigte, dass in unserer Be­völkerung viele Fragen zu Christentum und Islam vorhanden sind. Anlässe dieser Art entsprechen einem grossen Bedürfnis; weitere sollen daher stattfinden. (Nähere Informationen zum Thema: www.ref-oe.ch / Hinweise)

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