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Gränichen, Alterszentrum Schiffländi

Peter Altherr
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Ruedi Widmer, Präsident Stiftungsrat, Monika Beck, Pflegewissenschaftlerin aus Buchs und Zentrumsleiter Peter Altherr (von links nach rechts)

Die Altersheime der Region sind längst zu Pflegeheimen geworden. Was bringt die Zukunft? Braucht es Veränderungen? Ist das Angebot noch zeitgemäss? Braucht es mehr Pflegeplätze? Genügen die Heime den künftigen Anforderungen? Braucht es Spezialangebote (Demenz, Palliativcare usw.? Wie sieht die zukünftige Personalsituation aus? Solche und weitere Fragen haben sich Zentrums- und Pflegeleitung gestellt. Da oft die Antworten fehlen, holte die Zentrumsleitung Frau Monika Beck ins Boot. Sie hat diese Thematik in einem interessanten Vortrag Stiftungsrat und dem gesamten Personal näher gebracht.

Die Zukunft der stationären Langzeitpflege

Gestern Bürgerasyl und Spittel für die Armen der Gemeinde, heute professionell geführte Institutionen ...und Morgen?. Frau Monika Beck, Pflegewissenschaftlerin berät seit vielen Jahren Alters- und Pflegeheime in der Deutschschweiz darin, sich für die Zukunft vorzubereiten. Nun hat sie, auf Einladung des Zentrumsleiters, einen Vortrag zu diesem Thema im Alterszentrum Schiffländi in Gränichen gehalten.

Das versammelte Personal und der Stiftungsrat erfuhren, wie Alters- und Pflegeheime entstanden sind, dass heute grosse Veränderungen nötig sind und sie konnten einen Blick in die Zukunft werfen.

Im vorletzten Jahrhundert ist die Bevölkerung in der Schweiz sehr stark gewachsen. Hunger, Armut und Auswanderung war die Folge. Das Armenwesen war eine der aufwändigsten Aufgaben der Gemeinden. Für die Armen und Alleinstehenden alten Menschen wurden Armenhäuser gebaut.

Kriege und die Weltwirtschaftskrise prägten die Menschen, die in Alterszentren lebten und leben.

Doch ein massiver Generationenwechsel hat begonnen. Die heute 80-jährigen, also die jüngeren unter den Pflegeheimbewohnern, haben als junge Erwachsene den wirtschaftlichen Aufschwung erlebt. Sie sind anspruchsvoller und vor allem individualistischer als die Vorgängergenerationen.

Die Menschen treten zwar immer später und gebrechlicher ins Heim ein, es ist für die meisten von ihnen aber selbstverständlich, das gelebte Leben so weit wie möglich weiterführen zu wollen. Viel ausgeprägter als frühere Generationen wollen sie ihre Gewohnheiten auch im Heim leben können. Sie erwarten Privatsphäre, dienstleistungsorientierte Betreuung sowie hohe Fachkompetenz und wollen so lange wie möglich eigene Entscheidungen treffen. In naher Zukunft werden sie das Internet so selbstverständlich nutzen, wie heute das Telefon. Sie werden mit der ganzen Welt in Kontakt stehen und sich austauschen, solange sie gesundheitlich dazu in der Lage sind.

Unterschiedlichkeit ist das bedeutendste Merkmal der kommenden Generation von Bewohnerinnen und Bewohnern in Pflegeheimen. Die Kluft zwischen gut und mangelhaft informierten Bewohnern, resp. Angehörigen ist grösser als je zuvor. Besonders Bewohnerinnen sind zunehmend besser ausgebildet, hatten einflussreiche Stellungen während ihres Berufslebens und auch nachher. Die Interessen der Bewohnerinnen und Bewohner sind breiter gefächert, auch in Bezug auf das kulturelle Angebot.

Das stellt hohe Anforderungen an die Flexibilität und Dienstleistungsbereitschaft der Institution und aller Mitarbeitenden.

Der Personalbedarf in der Langzeitpflege, insbesondere an hochqualifiziertem Pflegepersonal wird massiv ansteigen. Das belegen mehrere Schweizer Studien eindrücklich. Das Angebot an Personal aber sinkt. Das macht es für jede Institution schon heute erforderlich, alle Mitarbeitenden gemäss ihrer Ausbildung einzusetzen. Gerade für Pflegteams bedeutet dies oftmals einen regelrechten Kulturwandel.

Zudem muss in gute Technik - und in Zukunft auch Robotik - investiert werden. Sie wird das in naher Zukunft nicht mehr ausreichend vorhandene Personal ersetzen. Bei Neubauten ist immer auf personalsparende Infrastruktur zu achten.

Selbstverständlich ist menschliche Zuwendung auch in Zukunft ganz besonders wichtig. Dafür muss den Mitarbeitenden Zeit gegeben werden, Technik und Gebäulichkeiten müssen dies unterstützen!

Es kann nur eine Zukunft für Pflegeheime geben, wenn diese sich anpassen, sich verändern. Betriebe, die in starren Strukturen verharren, in denen sich die Bewohner in ihrem Leben und Wohnen nach den Arbeitszeiten des Personals richten müssen, und Betriebe, die ihr Personal nicht sorgsam einsetzen, sollten sich schnellstmöglich dem heutigen Klientel und Arbeitsmarkt anpassen.