Leserbeitrag
Geschichten und Gefühle ohne Worte

Göpf Berweger
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4 Bilder
undefined Marianne Borer
undefined Ohne Worte

In der Gemeinde Buchegg gab es mit dem musikalischen Maskentheater ‚Piazza‘ der Compagnia Mutabile wieder eine besondere kulturelle Veranstaltung.

Da wirkt also Berta in ihrem Kiosk in der Kleinstadt, gleich neben der Friseuse und dem kleinen Treffpunktbänklein, wo sich das alte Paar mit seinen eingeschliffenen und nicht mehr ganz so fitten Bewegungen niederlässt, da tauchen eine mafiöse Gestalt auf, ein Zeitungsleser, die Coiffeuse, ein Bauherr und Schlitzohr-Politiker, eine Schönheit, ein Planer und schliesslich die Bauarbeiter, und wir alle begreifen: diese ganze Kiosk-Idylle muss weg, den Neubauten weichen, ‚modernisiert‘ werden. - Hinter der äusseren Geschichte gibt es Gefühle, weiche wie unerfüllte Liebe und Sehnsucht, Verständnis, Freude und Traurigkeit, aber auch härtere wie Neid und Geldgier und Bosheit und Machtgelüste... menschlich-allzumenschlich halt.

Die Geschichte und die Gefühle kommen ohne Worte daher. Denn die Compagnia Mutabile ist ein Maskentheater, und wahrlich sind die Masken dominant, ausdrucksstark, eindringlich und gleich von Anfang an lebendig. Sie ‚sprechen‘ zu uns, wir verstehen sie (und uns selber), und manch eine(r) muss laut herauslachen, fühlt sich ertappt... Und alle bekommen wir die Figuren auf der Bühne gern.

Wie ist das möglich ohne Worte, mit SchauspielerInnen deren Gesicht wir nicht sehen und deren Stimmen wir nicht hören? – Das Geheimnis ist die Körpersprache. Die Haltung und die Bewegungen, langsam, zögerlich, schnell, herrisch oder überschwänglich, echt oder gekünstelt, sagen mehr als Worte. Ein leicht gesenkter Kopf, eine geschwellte Brust, eine hochgezogene Schulter nur, und wir wissen worum es geht. Beeindruckend wie Anja Feller, Walter Lustenberger und Regula Bolliger-Flury das Leben porträtieren und diesem immer auch ein Augenzwinkern aufzusetzen vermögen. Sie spielen ein gutes Dutzend unterschiedliche Charaktere in rascher Abfolge, gestützt und untermalt mit dem E-Piano von Marianne Borer, die gerade auch den nachdenklichen Momenten den rhytmischen Freiraum zu lassen weiss.

Den einen mögen die ruhigeren Passagen besonders gefallen haben, den andern die mehr spektakulären Momente (wie am Schluss die Sprengung des Kiosks), aber alle haben ein paar Einsichten gewonnen an diesem unterhaltsamen Abend. Der Applaus für die drei DarstellerInnen und Marianne Borer, aber auch für die Sport- und Kulturkommission der Gemeinde Buchegg jedenfalls sagt alles – ohne Worte.