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Für Frauen kann Übelkeit auf Herzinfarkt hinweisen

Heinz Stocker
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Herz1.jpg Das 9-Punkte-Programm gegen Herzrisiken oder wie man dem Herzen etwas Gutes tun kann.

Herz1.jpg Das 9-Punkte-Programm gegen Herzrisiken oder wie man dem Herzen etwas Gutes tun kann.

Der Samariterverein Weiningen lud die die Mitglieder der umliegenden Vereine zum Vortrag der Kardiologin Christine Attenhofer, Spezialistin der Schweizerischen Herzstiftung, zum Thema „Frau & Herz“ ein.

Als Einstieg in ihr Referat stellte die Ärztin folgende Behauptungen auf: Frauen sterben häufiger als Männer an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Frauen nehmen Medikamente zuverlässiger ein als Männer. Hoher Bluthochdruck ist auch bei Frauen ein Risikofaktor.

Frauen dächten, im Gegensatz zu Männern hätten sie nichts am Herzen, sagte Attenhofer und fragte speziell Frauen in der Zuhörerschaft als Erstes, welches wohl das grösste Krankheitsrisiko sei: Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankung oder Infektionen. Die meisten glaubten, es sei Krebs. Zweitens: Was ist die häufigste Todesursache für Frauen ab 50 in der Schweiz. Herz, Kreislauf, Krebs? 75% glauben Krebs, 16% Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Es stimmt nicht.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind häufiger als bei Männern die Todesursache, erst dann folgen Krebs, Atemwegserkrankungen. Herz-Kreislauf-Erkrankung mit Herzinfarkt und Hirnschlag ist in der Schweiz die häufigste Todesursache. Das hat damit zu tun, dass wir immer älter würden.

Die zarte Gefässwand verkalkt und verfettet während des Lebens und engt ein. Entsteht dann ein Gerinnsel, folgt ein Herzinfarkt oder Hirnschlag. Man könne es sich vorstellen wie Akne, die irgendwann platzt. Attenhofer zeigt entsprechende Bilder von Gefässen. Schicksal bedeutet, dass Männer Herz-Kreislauf-Beschwerden zehn Jahre früher bekommen als Frauen, anderseits ist die Anfälligkeit genetisch bedingt. Und es gibt Risikofaktoren: Rauchen, teilweise Cholesterin, Ernährung, hoher Blutdruck, Diabetes, Bewegungsmangel, Übergewicht, Stress, Bestrahlung, Schichtarbeit, Jetlag.

25% der Leute über 50 haben einen zu hohen Blutdruck, hohe Blutfette sind noch häufiger. Die Antibabypille habe übrigens einen schlechten Einfluss auf Blutfett, Blutdruck, Blutzucker, verursacht mehr Lungenembolien und Thrombosen, verstärkt im Zusammenhang mit Rauchen, sagt die Expertin. Die Pille führt aber nicht allgemein zu mehr Arteriosklerose. Vielmehr sei es für eine Frau gefährlicher, wenn sie mit der Hormoneinnahme mit 60 beginne, als wenn sie unter 50 damit begonnen hätte.

Rauchen hat das Risiko für Herzinfarkt und Hirnschlag enorm erhöht. Vor allem zusammen mit der Pille sei Rauchen ein Killer, sagt sie. Mehr als 25 Zigaretten pro Tag sei ganz schlimm. Rauchen schafft mehr Osteoporose, Komplikationen bei der Geburt, irreversible Schäden der Haut, die heute allerdings oft mit Botox angegangen werden.

Je mehr man sich bewegt, desto mehr kann man Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Zuckerkrankheit und Übergewicht verhindern: 150 Minuten mässige Bewegung oder 75 Minuten sehr intensiv pro Woche (Laufen, Schwimmen, Velofahren, Turnen, Aquafit, Langlauf, Tanzen, Wandern, Golfspielen, Tennis). Das führt auch zu weniger Angsterkrankungen, Depressionen, Demenz, Hirnschlag, Herzinfarkt und tieferem Blutdruck. Hohe Wirkung von Bewegung: Sie bewirkt weniger Osteoporose, weniger Stürze, weniger Brust- Darm-, Prostatakrebs und einen tieferen Cholesterinwert.

Ein Bodymassindex (BMI) von 25 bis 30 gilt als leichtes Übergewicht und Fett um den Bauchnabel als ein spezieller Risikofaktor. Bei Frauen über 55 haben mehr als 15% einen BMI über 30. Dringende Empfehlung: weniger essen. Alkohol ist gefässschützend, belastet aber die Leber und begünstigt Krebs. Eine Frau sollte nicht mehr als ein bis zwei Glas Wein aufs Mal trinken und sicher nicht jeden Tag. Zwei, drei Tage pro Woche Erholung braucht jede Leber!

Stress - sich unglücklich fühlen, Angst haben, z.B. in Trennungssituationen - steigert das Herzinfarktrisiko um 22%. Auch ein hoher Cholesterinwert ist ein Risikofaktor. Nicht spürbarer, hoher Blutdruck erhöht das Risiko zwei Mal. In 90% der Fälle kann man nicht nachweisen, warum man hohen Blutdruck hat, d.h. es ist genetisch bedingt. Allerdings schmeissen viele Patienten Medikamente gegen hohen Blutdruck nach kurzer Zeit in den Abfall, weil sie sich dadurch schlecht fühlen. Lockerheit gegenüber dem Blutdruck ist aber nicht angezeigt.

Diabetes hat den gleichen Einfluss auf die Lebenserwartung wie eine Krebserkrankung. Aber die erworbene Zuckerkrankheit kann zu 95% mit dem Abbau von Übergewicht und Bewegung wieder zum Verschwinden gebracht werden. Da ist selbst mit dem E-Bike zur Arbeit zu fahren wesentlich besser als mit dem Tram oder Auto. Übergewicht und die Zuckerkrankheit sind lebensfeindlich. Über 45-Jährige sollten alle drei Jahre den Blutzuckerwert messen lassen, Diabetes ist vererbbar.

Bei Frauen steigt nach der Menopause das Risiko für Herzinfarkt und Hirnschlag gewaltig, weil sie vorher durch den Hormonschutz geschützt sind. Die Ereignisse folgen in der Regel erst dann. Die Beschwerden bei Herzinfarkt sind allerdings bei der Frau zum Teil anders als beim Mann, deshalb bekommen sie oft eine schlechtere und spätere Behandlung, sagt die Ärztin mit Bedauern. Bei Frauen äussert sich ein Herzinfarkt anders als bei Männern häufig mit Übelkeit, Unwohlsein und Atemnot. Das sind atypische Beschwerden. Kein Wunder, gehen Frauen dann später zum Arzt, kommen mit einem grösseren Infarkt, bekommen später einen Herzkatheter.

Frauen probieren mehr Medikamente aus als Männer, setzen sie aber oft in der Hälfte wieder ab oder nehmen sie unregelmässig ein, weil sie glauben, jedes Medikament sei ein Gift und wirke nicht so wie bei Männern. Obwohl es keine Studie gibt, die nachweist, dass Homöopathie etwas gegen Herzinfarkt bewirkt, widmet sich ein Drittel der Frauen innerhalb eines Jahres der Komplementärmedizin. Nach einem Herzinfarkt muss man Aspirin cardio ein Leben lang einnehmen. Aber Aspirin hat eine blutverdünnende Wirkung und kann, prophylaktisch eingenommen, nach einem Sturz zu Hirnblutung und Tod führen, warnt die Ärztin.

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