Leserbeitrag
Energie und Materialien – Sparen ist angesagt

Energie-Apéro in Aarau

Marcel Siegrist
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Im Aarauer Kultur- und Kongresshaus fanden sich rund 90 interessierte Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu einem weiteren „Energie-Apéro" ein. Die Feierabend-Apéros in Aarau werden vom lokalen Energieversorger IBAarau organisiert.

Die zwei Themen des Abends - einerseits wie man den Verbrauch von Energie reduzieren soll, andererseits wie wir unseren Verbrauch von seltenen Materialien reduzieren müssten - wurden in zwei inhaltsreichen Vorträgen diskutiert. Geleitet wurde die Apéro-Veranstaltung von Hans-Kaspar Scherrer, seit Anfangs Jahr neuer Vorsitzender der Geschäftsleitung des lokalen Energieversorgers IBAarau.

Energiesparen ist relativ
Als erster Referent lieferte Rainer Züst, ehemaliger ETH-Professor und Leiter des Schweizerischen Instituts für Systems Engineering SISE, einen unterhaltsamen Vortrag über unser Verhältnis zur Energie. Anhand einiger eingängiger Beispiele zeigte Züst wie schlecht wir unseren Energieverbrauch einschätzen können. Züst veranschaulichte sein eigenes Verhalten anhand einer Ferienreise: Mit seinen Söhne reiste er über Frankreich und Südengland zum Surfer-Paradies im Südwesten Englands. Dies mit voll beladenem Familienauto, inklusive Mountain-Bikes und Surfbrettern auf dem Gepäckträger. Seine nachträgliche „Energie-Analyse" zeigte, dass allein der Transport der Surfbretter auf dem Dachträger und den damit verbundenen höheren Luftwiderstand rund 240 Liter Öl verbrauchte. Im Vergleich wurde für die Herstellung der Bretter lediglich die Energie von nur 20 Liter Öl benötigt, so Züst.

Ökologische Produktgestaltung
Die weiteren Beispiele drehten sich insbesondere um das ökologische Design. Zur Veranschaulichung erwähnte Züst Werkzeugmaschinen. Diese Schweizerischen Spezialitäts-Maschinen verbrauchen im Betrieb viel Energie. Mit typischerweise 100 Kilowatt Leistung und Wirkungsgrade von nur 8% bis 20% sind solche Werkzeugmaschinen laut Züst eher „Heizkörper in der Werkstatt". Mit gutem, energiegerechtem Design wäre es möglich eine Verbesserung von 25% zu erzielen - und dies unter Benützung bestehender Technologien. Neben solcher Verbesserungen müsste man gemäss Züst die eigentlichen Aufgaben der Maschinen und deren Anwendungsbereiche neu definieren: Mit radikalem Umdenken bei Neuentwicklungen könnten Energieeinsparungen von 10% bis 70% realisiert werden.

Seltene Materialien gehen uns aus
Der zweite Beitrag des Abends wurde von Patrik Wäger von der EMPA präsentiert. In seinem Vortrag behandelte er unseren zunehmenden Verbrauch von seltenen Elementen. Diese Elemente, wie zum Beispiel Indium, Tantal, Gallium, Palladium und Platin, werden in der Elektronik, bei Mobiltelefonen, Bildschirmen und Solarpanelen gebraucht. Da sie - wie ihr Name bereits sagt - „selten" sind, werden sie mit der Zeit und mit zunehmendem Verbrauch teuerer. Damit ist gemäss Wäger klar, dass wir mit diesen Elementen nachhaltiger umgehen müssten. Konkret heisse dies, dass diese Elemente aus ausgedienten Geräten zurückgewonnen und wiederverwertet werden müssten.

Weltweite Aufgabe
Moderne Geräte - zum Beispiel Mobiltelefone - werden zunehmend in grossen Mengen produziert. Dadurch werden für die Produktion bis im Jahre 2030 bis zu elf Mal mehr „kritische" Elemente verbraucht. Die Rückgewinnung dieser Elemente ist heute bereits eine internationale Aufgabe, wobei oft „gesündigt" wird. Als Beispiel erwähnte Wäger das Recycling von Elektronikgeräten in Indien: Bei dem oft anzutreffenden „Hinterhof-Recycling" geht viel wertvolles Material verloren. Zudem hat die Arbeit und die zum Teil giftigen Materialien Auswirkungen auf sowohl die Gesundheit der Arbeiterinnen und Arbeiter als auch auf die Umwelt. Diese Auswirkungen einer ungeeigneten Wiederverwertung seien nicht zu vernachlässigen.

Strategie
Laut Patrik Wäger müsste neben der Suche nach Alternativen zu den seltenen Elementen auch der Lebenszyklus der Produkte und die globalen Stoffkreisläufe verbessert werden. Auch die Suffienz - das Bemühen um einen möglichst geringen Rohstoff- und Energieverbrauch - wird ein Thema sein, dem mehr Beachtung geschenkt werden soll, meinte Wäger. Was brauchen wir an Gerätschaften wirklich? Auch die Produzenten der Geräte müssten vermehrt den gesamten Lebenszyklus ihrer Produkte beachten und geschlossene Kreisläufe anstreben. Dazu brauche es bessere Kommunikation, internationale Abkommen und Transparenz, meinte Wäger.

Fragen und Apéro
Das interessierte Publikum nahm die Gelegenheit gerne wahr, am Schluss der Referate Fragen zu stellen. Beim anschliessenden Apéro wurden bei einer kleinen Erfrischung die Themen mit den Referenten vertieft diskutiert.

Informationen im Internet:

Schweizerisches Institut für Systems Engineering SISE www.swissinstitute.ch

EMPA Technology and Society Lab, St. Gallen www.empa.ch

Die Energie-Apéros (www.energieaperos-ag.ch) werden unterstützt von Bund, Kanton, den Regionalwerke AG Baden, SWL Energie AG Lenzburg, IBAarau und weiteren Unternehmen und Organisationen.

Autor:
Alan C. Hawkins, Energieingenieur, Erlinsbach