Leserbeitrag
Ein Gottesdienst mit besonderen Tönen in Würenlingen

Die Masken, die jeder Mensch trägt, waren das Thema des ökumenischen Fasnachtsgottesdienstes.

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Wie gewohnt waren es die Glocken, die am letzten Sonntag zum Gottesdienst in der Kirche St. Michael riefen. Es war aber nicht wie gewohnt die Orgel, die die Kirchgänger zuerst begrüsste, es waren auch nicht die Gesänge der Gottesdienstbesucher, die den Gottesdienst begleiteten. Zur Mitwirkung eingeladen waren die Guggenmusik Steinbruchschränzer und auch die JUBLA, Jungwacht und Blauring, und erwartet wurde eine volle Kirche, wobei diese Erwartung annähernd erreicht wurde.

In nach den letzten Ereignissen besonders wohltuender Eintracht lösten sich Pfarrer Urs Klingler und Stefan Heim bei der Leitung des Wortgottesdienstes ab. Die auffallendste Abwechslung brachte aber die Guggenmusik Steibruchschränzer in den Kirchenraum. Auffallend war aber auch die JUBLA, die mit wehender Fahne und mit originell vielfältiger Maskierung in den Kirche einzog. Im Gottesdienstablauf waren 5 Beiträge der Guggenmusik, jeweils zwischen den liturgischen Texten, vorgesehen, es wurden aber 8, da der Applaus am Schluss des Gottesdienstes nicht aufhören wollte und nach Zugaben verlangte.

Man spürte die Begeisterung der Musikanten, die in diesem schönen Raum zur Freude der Zuhörer und zur Ehre Gottes spielen durften. Manchmal ähnelte der Klang dem Klang der Orgel mit vollen Registern und tat dabei nie weh, sondern weckte bei vielen Zuhörern Begeisterung, die sie besonders am Schluss mit Mitschunkeln äusserten. Es war auch ein ganz imposantes, durchaus feierliches Bild im vorderen Teil der Kirche mit den bunt gekleideten und bemalten Musikanten und den prächtigen und mächtigen Instrumenten.

Der Wortteil des Gottesdienstes passte in den Rahmen, offen für die fasnächtliche Begeisterung. Sowohl das Tragen wie auch das Ausziehen der Maske wurden vertieft gedeutet: das Tragen die Möglichkeit, die Welt einmal anders und vielleicht weniger ichbezogen, doch ungezwungener zu erleben; das Ablegen der Maske die Möglichkeit, sich so zu zeigen, wie man wirklich ist. Und die Auslegung des Theologen Pfarrer Klingler: vor Gott sind alle Masken hinfällig. Gott kennt uns doch, er erkennt uns bis in die Tiefe des Herzens. Und die Liebe Gottes gibt uns Mut, dass wir Vertrauen in uns haben, sodass wir unsere Masken langsam ablegen und uns so zeigen, wie wir sind, ohne uns blossstellen zu müssen.

Dazwischen setzte sich die JUBLA in einem selbstgeschriebenen Theaterstück mit dem Thema "Masken im Alltag" auseinander. Perfekt vorbereitet wurde der Beitrag von Livia Klötzli, Julien Thot und Saskia Schneider: Wir alle tragen verschiedene Masken - was würde passieren, wie würde unsere Welt aussehen, wenn wir uns trauen würden, sie abzulegen? Eindrucksvoll deutlich wurde dies an der Schlussszene, gespielt von der Gruppe "Buschhöcker": Ein Konflikt konnte beigelegt werden, weil die Beteiligten den Mut fanden, offen und ehrlich aufeinander zuzugehen, als die einengenden und verzerrenden Masken fielen, Missverständnisse und Streit lösten sich im Tanz auf (der Text über den Jubla-Beitrag stammt von Uli Spiessl).

Der Gottesdienst erlebte den Höhepunkt beim zutiefst ökumenischen gemeinsamen Beten des Unser Vater, bei dem jeder seinem Vertrauen zu unserem Gott Ausdruck geben konnte. Dieser Gottesdienst war, wenn auch schon zum zweiten Mal, immer noch ausserordentlich und ungewohnt. Er machte aber doch Eindruck durch den Einbezug der Guggenmusik, was gedeutet werden kann, dass in unserer Gemeinschaft alle Menschen mit gutem Willen einen wertvollen Beitrag leisten können. Und diese Leistung machte Eindruck und sei den Musikanten herzlich verdankt. Ganz herzlichen Dank auch an Pfarrer Urs Klingler und an Gemeindeleiter Stefan Heim sowie allen, die einen Beitrag geleistet haben, dass in diesem Rahmen ein bedenkenswerter Gottesdienst gefeiert werden konnte. Möge die Fasnachtszeit noch weiterhin vielen Freude machen.
Rober Meyer

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