Circus Knie
Zucht statt Zirkus: Das erwartet Knies Elefanten im Ruhestand

Im Circus Knie treten künftig keine Elefanten mehr auf – dafür müssen sie für Nachwuchs sorgen. Mit dem neuen Gehege wurden dafür die optimalen Bedingungen geschaffen.

Silvana Schreier
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Künftig muss das Zirkuspublikum auf die beliebten Elefantennummern verzichten. Dafür können die Dickhäuter im Kinderzoo besucht werden.WALTER BIERI/Keystone

Künftig muss das Zirkuspublikum auf die beliebten Elefantennummern verzichten. Dafür können die Dickhäuter im Kinderzoo besucht werden.WALTER BIERI/Keystone

KEYSTONE

Seit den frühen 1920er-Jahren gehören die Elefanten zur Familie Knie. Sie sind eine langjährige Tradition und das Markenzeichen des Zirkus. Doch ab 2016 müssen die Dickhäuter in ihrem Zuhause im Kinderzoo Rapperswil SG bleiben. Der Circus Knie hat nämlich entschieden, dass er sich künftig auf die Elefantenzucht konzentrieren möchte und dass es deshalb keine Elefantennummern mehr geben wird. «Wir haben lange über die Zukunft diskutiert und haben dann diesen Entscheid gefällt», sagt Franco Knie senior.

Nachdem im Juni und Juli drei Elefanten krankheits- und altersbedingt starben, besteht die Elefantengruppe nun noch aus fünf Elefantendamen (Claudy, Sandry, Kalaya, Dehli und Ceylon) und einem Bullen (Thisiam). Der Neuling kommt aus einem polnischen Zoo und stiess erst vergangene Woche zu den anderen. Er soll für Nachwuchs sorgen. Denn das Familienunternehmen Knie möchte sich künftig nur noch auf die Elefantenzucht konzentrieren, wie es gestern mitteilt. Nun haben die Tiere genug geackert und dürfen in den wohlverdienten Ruhestand: planschen, fressen und Kinder zeugen.

«Eine mutige Entscheidung»

«Die Asiatischen Elefanten sind vom Aussterben bedroht, deshalb wollen wir nun selber züchten und so einen wichtigen Beitrag zur Arterhaltung leisten», erklärt Knie. Alex Rübel, Direktor des Zoos Zürich, begrüsst die Entscheidung: «Das ist konsequent, denn Zucht und Zirkusaufführungen mit den gleichen Tieren sind nicht miteinander vereinbar.» Mit dem neuen Elefantenpark «Himmapan» hat die Familie Knie gute Bedingungen für die Zucht geschaffen. Acht weibliche Elefanten und zwei Bullen hätten Platz im neuen Gehege. Mehrere Millionen Franken sind investiert worden, damit die Elefanten auf 6500 Quadratmetern artgerecht gehalten werden können. «Das war die grösste Investition, die wir je getätigt haben», sagt Knie. Im März dieses Jahres konnte die neue Anlage eröffnet werden.

Auch der Schweizer Tierschutz ist erfreut über «die mutige Entscheidung»: «Der Elefantenpark in Rapperswil ist ein Meilenstein. Die Haltung der Elefanten ist dort so artgerecht, wie sie in Gefangenschaft sein kann», sagt Sara Wehrli von der Fachstelle für Wildtiere. Trotzdem betont sie, dass der Schweizer Tierschutz die Tierhaltung des Circus Knie immer gut beurteilt habe. «Wenn ein anderer Zirkus Elefanten in sein Programm aufnehmen würde, müsste er die Standards des Circus Knies übernehmen», fährt Wehrli fort.

Der Zoo Zürich und der Kinderzoo in Rapperswil investierten viel Geld in den Umbau der Elefantengehege. Das Elefantenhaus des Zoos Basel ist noch in Arbeit. «Es ist kein Zufall, dass mit Zürich, Basel und Rapperswil gleich drei Zoos ihre Elefantengehege ausbauen», sagt Rübel.

Diese Veränderungen sind umfangreich und fallen vielen Besuchern stark auf. Der Zürcher Zoodirektor erklärt: «Die Investitionen in neue Elefantengehege sind gross, da es sich auch um grosse Tiere handelt.» Weiter sagt Rübel, dass man etwas zur Arterhaltung beitragen müsse, wenn man Elefanten halten will. «Dazu gehört auch die artgerechte Unterbringung nach den neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen.»

Wie das neue Programm des Circus Knie im nächsten Jahr aussehen will, verrät Franco Knie noch nicht. Es stehe aber fest, dass die Elefanten «nicht ersetzbar» seien: «Sie waren in den vergangenen Jahren ein grosser Sympathieträger.» Tiere würden aber weiterhin zum Programm gehören: In Zukunft werde sich der Circus Knie unter anderem vermehrt auf Pferde, Lamas und Kamele konzentrieren.

Die Elefanten sind seit Jahren die Lieblinge des Publikums. Mit den Dickhäutern verliert der Circus nun auch sein Markenzeichen. Franco Knie ist sich dessen bewusst: «Bestimmt werden einige Kinder und Erwachsene traurig sein. Doch wir sehen es so: Früher kamen die Elefanten zu den Leuten, und jetzt müssen sie halt zu den Elefanten kommen.»

Auf Elefantennummern warten Besucher des Circus Knie ab nächstem Jahr vergeblich.
11 Bilder
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Auf Elefantennummern warten Besucher des Circus Knie ab nächstem Jahr vergeblich.

Keystone

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