Und wieder lauert die Zecke im Grünen – so schützen Sie sich vor Stichen

Draussen droht nicht das Coronavirus, sondern die Zecke. Deren Saison hat früh begonnen.

Bruno Knellwolf
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Ein Zecke, fotografiert auf einem Blatt.

Ein Zecke, fotografiert auf einem Blatt.

Bild: Gaetan Bally / Keystone (Spiez, 10. Mai 2019)

Sonne, Wärme, Coronadepression: Der Gang in die Natur ist unentbehrlich. Dort lauert nicht das Virus, dafür aber die Zecke. Häufiger als sonst nach diesem warmen Winter? Nicht unbedingt. Insekten haben verschiedene Strategien, um den Winter zu überleben. Im Ei-, Larven-, Puppen- oder Erwachsenenstadium sind sie bestens an frostige Winter angepasst, ihr Stoffwechsel ist minimiert. Ist es dagegen mild, ist ihr Energieumsatz hoch, die einen Insekten erwachen zu früh aus der Winterruhe und finden keine Nahrung vor. Zudem werden die Energiereserven vorzeitig aufgebraucht und die Tiere sterben. Und in milden Wintern dezimieren vor allem pilzbedingte Krankheiten einige Arten. Doch Insekten sind flexibel und die Zecke sowieso. Ihr macht weder Kälte noch Milde viel aus, sie erwacht, wenn das Thermometer 8 Grad Celsius zeigt.

«Wichtig ist, wie der Frühling ins Land zieht», sagt Werner Tischhauser, Projektleiter Biologische Zeckenbekämpfung der Zürcher Hochschule ZHAW. Geschieht das nach dem Winter mit voller Kraft, kommen viele Zecken schnell aus der Winterstarre und sind sehr aktiv. Dann lauern sie auf Tiere und Menschen, an denen die weit über 100 Zeckenarten Blut saugen.

Mit richtigem Verhalten Stichen vorbeugen

Das Risiko eines Zeckenstichs könne schon mit einfachen Verhaltensweisen vermindert werden, schreibt die Suva. Wer Gestrüpp und Unterholz meide, streife auch keine Zecken ab. Dies bis 1,5 Meter über Boden und in Höhen bis 2000 Meter über Meer. 

Vor Zeckenstichen schützt auch eine geschlossene Kleidung. Ist diese von heller Farbe, werden Zecken besser entdeckt und können entfernt werden, bevor sie auf die Haut gelangen. Weiter empfiehlt die Suva, Zeckenschutzmittel für Haut und Kleider zu benutzen.

Nach einem Aufenthalt im Wald oder Garten solle der Körper nach Zecken abgesucht werden, heisst es weiter. Falls eine gefunden werde, solle sie so schnell wie möglich mit einer Pinzette oder Zeckenzange entfernt werden. (rem)

Wichtig sei für den Menschen nicht die Anzahl der Zecken, erklärt Tischhauser, der am Mittwoch Stich-Meldungen auf der von ihm und Jürg Grunder von der ZHAW entwickelten Präventions-App «Zecke» gefolgt ist und sich deshalb in der Stadt Zürich auf Zeckensuche gemacht hat. Entscheidend sei das Freizeitverhalten und die nahe Besiedlung grüner Räume. Denn Zecken kommen zwar am häufigsten an Waldrändern vor, aber auch auf allen anderen Grünflächen. Gebissen werden kann man somit überall.

In Deutschland wurde 2019 festgestellt, dass zwar mehr Zeckenbisse gemeldet wurden, die Anzahl der anderen schwerwiegenden Zeckenkrankheit, der Borreliose, aber abgenommen hat. In der Schweiz zeigen die Zahlen ähnliches. Eine Erklärung dafür gibt es nicht. «Möglicherweise weiss die Bevölkerung besser Bescheid, entfernt die Zecken rasch, statt zum Arzt zu gehen. Bei der Übertragung der Borrelien spielt die Zeit zwischen Stich und Entfernung eine zentrale Rolle. Diese findet zwölf bis 24 Stunden nach dem Stich statt.» Auch der Zecken-Check am Abend werde vielleicht konsequenter durchgeführt als vor Jahren. Jede entdeckte Zecke am Körper ist nach Tischhauser eine gute, weil die wahrscheinlich noch nicht genug lang am Körper war, um Borrelien zu übertragen. Die FSME-Viren, die Hirnhautentzündungen auslösen, werden dagegen sofort beim Stich über die Speicheldrüse übertragen. Da hilft nur die Zeckenimpfung.

So entfernen Sie Zecken richtig

– Die Zecke mit einer spitzen Pinzette direkt über der Haut greifen und mit leichtem, kontinuierlichem Zug senkrecht zur Hautoberfläche herausziehen.
– Wer keine Pinzette zur Hand hat, entfernt den Parasiten am besten mit spitzen Fingernägeln oder kratzt ihn ab. Es ist unproblematisch, wenn ein Teil des Saugrüssels in der Haut stecken bleibt, denn dieser löst sich von selbst auf.
– Nicht drehen und nicht quetschen. Das Tier keinesfalls mit Öl, Butter oder Klebstoff bestreichen. Damit erstickt die Zecke zwar langsam, aber im Todeskampf gibt sie vermehrt Viren und Bakterien ab.
– Nach dem Entfernen die Einstichstelle desinfizieren. Das beugt Entzündungen vor, nicht aber einer Krankheitsübertragung. (rem, Quelle: Zeckenliga.ch)

Gemeldete Stichorte (2009 - 2018)

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