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Wirkt ein vorhandenes Medikament gegen Covid-19? Ein Ebola- und zwei HIV-Wirkstoffe sind vielversprechend

Welche der bekannten anti-viralen Medikamente könnte Covid-19 heilen?

Welche der bekannten anti-viralen Medikamente könnte Covid-19 heilen?

Weltweit werden verschiedene Therapien mit bekannten Wirkstoffen getestet, um Covid-19 zu heilen. Schweizer Infektiologen sehen davon noch ab.

Während immer mehr Menschen an Covid-19 erkranken, suchen Mediziner nach Therapien. Es könnte Monate dauern, bis ein Impfstoff gefunden ist, deshalb werden nun Heilmittel getestet, deren Wirksamkeit für andere Infektionen erwiesen ist.

Im Fokus steht besonders ein Medikament namens Remdesivir, das gegen Ebola entwickelt worden war. Chinesische Behörden haben das Medikament seit Anfang Februar für klinische Versuche zugelassen: Die US-Pharmafirma Gilead Science will es an 1000 Patienten testen. Und gemäss einem aktuellen Fall genas ein schwer erkrankter Mann in Seattle nachdem die Ärzte ihm Remdesivir verabreicht hatten – mit einer Sondergenehmigung der US-Gesundheitsbehörde. Nachdem er sieben Tage im Spital war, besserten sich die Symptome schon einen Tag nach der Infusion mit Remdesivir. Das ist kein Beweis für die Wirksamkeit, aber vielversprechend. Es soll sogar prophylaktisch wirken; bei Rhesusaffen konnten damit eine Ansteckung mit Mers, ebenfalls ein Coronavirus, verhindert werden.

Remdesivir in der Schweiz nicht verfügbar

Laut dem Chefarzt Infektiologie und Spitalhygiene Christoph Fux des Kantonsspitals Aarau (KSA) ist Remdesivir in der Schweiz nicht verfügbar. Die bis Donnerstag im Kantonsspital isolierten Patienten waren aber in einem relativ guten Gesundheitszustand. «Wir würden im Fall eines schwer erkrankten Covid-19 Patienten den Einsatz von Kaletra und Chloroquin evaluieren», so Fux.

Chloroquin ist ein Malaria-Medikament, das sich bei Patienten in China als wirksam erwiesen hatte. Kaletra wiederum ist ein Medikament, das sonst bei HIV angewendet wird und die Ausbreitung der Infektion im Körper verlangsamt. In Thailand genas Anfang Februar eine Coronavirus-Patientin innerhalb zweier Tage, nachdem ihr eine Mixtur der HIV-Medikamente Lopinavir und Ritonavir zusammen mit dem Grippemedikament Oseltamivir verabreicht worden war. HIV-Medikamente hatte schon bei anderen Corona-Viren wie Mers und Sars Erfolge gezeigt.

Eine weitere Therapiemöglichkeit ist, den Patienten Blutplasma von genesenen Personen zuzuführen. Denn dieses enthält bereits Antikörper und unterstützt damit das Immunsystem des Kranken. Laut dem KSA ist solches in der Schweiz aber noch kaum verfügbar.

Risiko bei experimentellen Therapien ist noch zu hoch

Chinesische Forscher wollen ausserdem Actemra bei Coronavirus-Patienten testen, ein Antirheumatikum von Roche, welches die Entzündungsreaktionen eindämmen soll. «Actemra verwenden wir nicht, weil die Wirksamkeit unklar ist», heisst es beim KSA. Und auch im Zürcher Stadtspital Triemli winkt der Abteilungsleiter Infektiologie, Gerhard Eich, ab: «Die meisten der Corona-Patienten in der Schweiz sind in einem guten Allgemeinzustand. Diese wird niemand experimentellen Therapien aussetzen.» Weil die Wirksamkeit von Actemra nicht erwiesen ist, sei eine unkontrollierte Anwendung nicht möglich. Das Medikament könnte nur im Rahmen einer klinischen Studie eingesetzt werden.

Doch ausserordentliche Situationen machen ausserordentliche Lösungen nötig. In der Schweiz sind seit dem neuen Heilmittelgesetz Medikamente für einzelne Patienten importierbar, sobald es in einem anderen Land für eine Studie zugelassen ist.

Europäische Forscher haben gemäss einer Vorabveröffentlichung im «International Journal of Infectious Diseases» von total 120 Breitspektrum-Virustatika 31 als potenzielle Behandlung einer Infektion mit dem neuen Corona-Virus eingestuft: Remdesivir, Chloroquin, Lopinavir und Ritonavir sind darunter.

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