Weinfelden
Wie schlecht steht es um den «Frohsinn» wirklich? Die Finanzfrage hat sich in einen persönlichen Streit ausgeweitet

Die Genossenschaftsbeiz Frohsinn macht grad turbulente Zeiten durch. Einige Genossenschafter glauben nicht mehr an den Weiterbestand der Beiz und wollen die Liquidation, andere kämpfen umso mehr um einen Pächter. Beide Seiten werfen sich Lügen und Misstrauen vor.

Sabrina Bächi
Merken
Drucken
Teilen
Die Genossenschafts-Beiz Frohsinn ist geschlossen. Ob sie jemals wieder aufgeht, ist fraglich.

Die Genossenschafts-Beiz Frohsinn ist geschlossen. Ob sie jemals wieder aufgeht, ist fraglich.

Bild: Andrea Stalder (Weinfelden, 8. Januar 2020)

Beide Seiten argumentieren mit Zahlen und appellieren an die Vernunft. Doch inhaltlich könnten die Positionen unterschiedlicher nicht sein. Denn über die Zukunft der Genossenschaftsbeiz Frohsinn scheiden sich die Geister. Zum einen gibt es Genossenschafter wie Markus Schär, der bereits im Dezember den Tod des «Frohsinns» besiegeln wollte und von der Genossenschaftsversammlung überstimmt wurde. Wie bereits zweimal zuvor.

Schär will es aber nicht dabei belassen, dass nun bis im März weiter zugewartet wird. Vor allem, weil er befürchtet, dass wegen eines Coronakredits nicht alles richtig lief. In einem langen E-Mail, das der Redaktion vorliegt, schreibt er einzelnen Weggefährten, dass er die Geschäftsbücher einsehen und feststellen konnte, dass die Buchhaltung sauber und richtig geführt wurde. Ebenso, dass keine privaten Darlehen zurückbezahlt wurden. Das sei wegen des Coronakredits verboten, stellt Schär fest.

Der Frohsinn von aussen.

Der Frohsinn von aussen.

Bild: Andrea Stalder

«Es war wichtig, darauf hinzuweisen, dass der Verdacht, dass trotz Kredit Geld abfloss, nicht zutrifft. Darüber wurden wir nie offen informiert», sagt Schär. Im Gegenteil, es sei im Juli an einer ausserordentlichen Versammlung gar fälschlicherweise so protokolliert worden. Dies richtigzustellen, sei ihm wichtig gewesen.

Dreiseitiges E-Mail mit Mängeln

Doch das ist nicht das einzige Problem, das Schär ausmacht. In einem fast dreiseitigen E-Mail listet er seiner Ansicht nach gravierende Probleme auf. Dabei geht es um Fragen seinerseits, die vom Vorstand nicht beantwortet würden, die Liquidation und allfällige finanzielle Zukunft der Genossenschaft sowie den Umgang mit privaten Darlehen.

Seine Ausführungen lösen Reaktionen aus. Von Misstrauen und Zwietracht ist in einem Antwortmail die Rede, die er mit seinen Ausführungen fördere. Doch Schär geht es ums Prinzip.

Markus Schär, Genossenschafter der ersten Stunde.

Markus Schär, Genossenschafter der ersten Stunde.

Bild: Mario Testa
«Der ‹Frohsinn› ist kaum noch zahlungsfähig, die Privatdarlehen dürfen wegen des Coronakredits nicht zurückbezahlt werden und das Genossenschaftskapital ist nicht mehr zu 50 Prozent gedeckt, sondern inzwischen wohl weg.»

Das Gesetz verlange in diesem Fall, dass man eine Sanierung oder eben eine Liquidation einleite.

Es gehe ihm aber nicht nur ums Geld. Wie er bereits in einem Interview in dieser Zeitung ausführte und erneut betont, sei es für ihn sinnlos, dass die Genossenschaft gemäss seinen Berechnungen nochmals 1,5 Millionen auftreiben müsse, nur um den «Frohsinn» zu verpachten.

Viele Fragen wurden schon öfters beantwortet

Dominik Anliker vom Vorstand widerspricht den Darstellungen Schärs. Man habe zahlreiche positive Rückmeldungen erhalten auf die Vorgehensweise, etwa den Entscheid über die Weiterführung oder Liquidation der Genossenschaft in den März zu verschieben (unsere Zeitung berichtete).

Viele Fragen seitens Markus Schär habe man schon mehrfach beantwortet. «Das ist auch ermüdend», sagt Anliker. Zudem fühlt er sich von Schär vermehrt persönlich angegriffen und stört sich daran, dass in der Öffentlichkeit das Bild portiert werde, dass in der Genossenschaft alles schlecht laufe. Anliker betont:

Dominik Anliker, Vorstand der Genossenschaft

Dominik Anliker, Vorstand der Genossenschaft

Bild: PD
«Gerade jetzt wäre es umso wichtiger, dass wir neue und gute Pachtinteressenten finden. Da können wir Querelen wie diese nicht gebrauchen-»

Der «Frohsinn» stehe heute besser da als auch schon

Olaf Martin, der bis April 2020 während 15 Jahren das Präsidium der Genossenschaft führte, sagt, dass der «Frohsinn» heute besser dastehe als noch 2004, als Markus Schär das Präsidium abgab. «Wir haben in den vergangenen Jahren immer ein Plus erwirtschaftet, da gehört es auch dazu, mal ein paar negative Jahre wegzustecken», sagt Martin, der selbst als Fonds-Manager arbeitete und etliche Firmen betreute.

Er finde es schade, dass die Sache so emotional sei und Leute, die ehrenamtlich arbeiten, auf der persönlichen Ebene angegriffen werden. «Ich konzentriere mich gerne auf die Zahlen und die sind derzeit nicht so schlecht, wie manche behaupten», stellt Martin klar.

Erste Mitglieder haben das Vertrauen in den Vorstand verloren

Aus der Frage zur Finanzsituation ist ein Knatsch mit persönlichen Querelen geworden. Mittlerweile gibt es auch Genossenschafter, die sich aufgrund der derzeitigen Streitigkeiten zurückgezogen haben. So sind Brigitta Hartmann und ihr Mann Niklaus Kappler seit Ende Dezember keine Mitglieder mehr. Hartmann sagt:

Brigitta Hartmann, ehemalige Genossenschafterin

Brigitta Hartmann, ehemalige Genossenschafterin

Bild: PD
«Wir haben kein Vertrauen mehr in die Arbeit des Vorstandes.»

Seit zwei Jahren würde die Genossenschaft finanzielle und personelle Probleme belasten. Auch Gespräche hätten nichts gebracht. So habe sie schweren Herzens entschieden, sich aus der Genossenschaft zurückzuziehen. Schär vermutet, dass es noch weitere Genossenschafter geben wird, die diesen Schritt erwägen.

Derweil kämpft die andere Seite darum, doch noch eine Lösung für den Fortbestand der Genossenschaftsbeiz zu finden. «Aktuell sind wir in Verhandlung mit möglichen Pächtern. Wer ein Konzept oder eine Idee für die Weiterführung des Restaurants hat, darf sich bis Ende Januar an den Vorstand wenden», sagt Dominik Anliker.

Anliker wie auch Martin sind überzeugt davon, dass der «Frohsinn» als Restaurant eine hervorragende Grundlage bietet. Auch Hartmann würde sich freuen, wenn die Beiz wieder öffnen würde: «Ich würde sofort wieder im ‹Frohsinn› essen gehen.» Schär jedoch bleibt dabei; er glaubt nicht an ein «‹Frohsinn›-Wunder».

Hinweis: Interessierte können sich bis Ende Januar beim Vorstand mit Ideen oder einem Konzept melden: info@frohsinn-weinfelden.ch oder unter 079 287 42 01