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Wegen des Klimawandels: Die Schweizer Berge sind in Bewegung – in welche Richtung weiss man jedoch nicht

Besonders betroffen von der Erderwärmung sind die Bergregionen. Die kleinen Gletscher der Schweiz werden bis 2100 verschwinden.

Besonders betroffen von der Erderwärmung sind die Bergregionen. Die kleinen Gletscher der Schweiz werden bis 2100 verschwinden.

Der Klimawandel setzt den Alpen besonders zu: Nun wird ein Klimaforschungszentrum in Davos eröffnet mit Beteiligung der ETH.

«Die Schweiz besteht vor allem aus Bergen. Wir sind eine Bergnation mit Tälern», sagt Konrad Steffen, Direktor der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Schnee, Wald und Landschaft WSL. Das neue Klimaforschungszentrum in Davos, in dem die Naturgefahren für den Alpenraum untersucht werden, hat demnach nicht nur Bedeutung für Graubünden, sondern für die ganze Schweiz.

Beteiligt am Forschungszentrum ist neben der WSL, der Kanton Graubünden und die ETH Zürich, die in Davos am Standort des Schnee- und Lawinenforschungsinstituts SLF zwei Professuren einrichten wird.

Besonders betroffen von der Erderwärmung sind die Bergregionen. Die kleinen Gletscher werden bis 2100 verschwinden, die Grossen weiter viel an Masse verlieren, der Permafrost zurückgehen. Erdrutsche, Schnee- und Steinlawinen und Überschwemmungen werden zunehmen so wie Extremereignisse generell.

«Wir befinden uns in einem neuen Szenario und wir kennen die Prozesse nicht, welche das auslöst», sagt Steffen an der Medienkonferenz in Chur. «In den alpinen Regionen verstärken sich die Effekte. Die Alpen werden bestehen bleiben, aber ihr Bild wird sich verändern.»

Man weiss nicht, wo die Reise hingeht

Man wisse nicht, wo es hingehe, bestätigt SLF-Direktor Jürg Schweizer. «Wir verlassen den Normbereich und somit wird es immer schwieriger, Prognosen zu machen.» Dabei geht es vor allem um Anpassung an den Klimawandel und das Risikomanagement.

Denn zuerst rollen die Steine in den Bergen, dann lösen die Klimaeffekte weitere Prozesse in den Schutzwäldern aus und betreffen am Schluss die Menschen im Tal. Sei als Lawine, als Erdrutsch oder Überschwemmung.

Gegen diese Gefahren des Klimawandels wird nun das Forschungszentrum mit 40 Mitarbeitern ab 2021 für zwölf Jahre eingerichtet. Aufgewendet werden dafür sechs Millionen Franken pro Jahr, die Hälfte bezahlt das WSL, zwei Millionen der Kanton Graubünden, eine Million Franken die ETH.

Diese wird eine Professur für «Klimaauswirkungen in Bergregionen» eröffnen. Darin werden Modelle erforscht, um die Auswirkungen der Klimaextreme zu bestimmen und Massnahmen einleiten zu können. «Wir brauchen schnell auch Notlösungen», sagt ETH-Präsident Joel Mesot.

Denn die Auswirkungen seien schon da. Dafür wird die zweite Professur aufgebaut, die das Ingenieur-Wissen für eine intakte Infrastruktur und Umwelt herstellen will. «Ereignisse wie in Gondo zeigen, dass wir schnell Schutzmassnahmen definieren müssen», sagt Mesot, der hofft, die ETH-Professuren schon 2021 besetzen zu können.

Das sei nach der Coronakrise in der Schweiz sogar einfacher geworden. «Wir sind attraktiv für Doktorierende und Professoren», sagt der ETH-Präsident.

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