Tatort-Kolumne
Tolstoi, Gogol und die russische Mafia

Die Bundespolizei mit ihrer Hamburger Zentrale jagt russische Waffenhändler. Mitten drin: Wotan Wilke Möhring als Kommissar Thorsten Falke und seine soeben beförderte Kollegin Julia Grosz (Franziska Weisz). Tolle Darsteller und viele Zitate aus der russischen Literatur machen die etwas komplizierte Handlung wieder wett.

Susanne Holz
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NDR «Tatort»: «Macht der Familie». Sonntag, 18. April 2021, 20.05, SRF 1.

NDR «Tatort»: «Macht der Familie». Sonntag, 18. April 2021, 20.05, SRF 1.

Bild: Das Erste

Weil in diesem «Tatort» aus Norddeutschland mit Wotan Wilke Möhring als Kommissar Thorsten Falke so viel Tolstoi und Gogol zitiert wird, beginnen wir hier auch gleich mal mit dem Anna-Karenina-Prinzip. Dieses besagt, kurz gefasst: Erfolg hat viele Faktoren, die alle stimmen müssen.

Für einen Misserfolg aber braucht es nur einen Faktor, der nicht stimmt. Und da in «Macht der Familie» die einzelnen Faktoren für sich stimmen – schlüssige Handlung, tolle Schauspieler, gutes Thema, alles schön in Szene gesetzt – geben wir dem Krimi vier Sterne, auch wenn alles zusammengenommen schon etwas kompliziert geraten ist...

Grundlage des Anna-Karenina-Prinzips ist übrigens der erste Satz aus Tolstois grossem Roman: «Alle glücklichen Familien gleichen einander, jede unglückliche Familie ist auf ihre eigene Weise unglücklich.»

Zitiert wird dieser Satz vom so gebildeten wie verwöhnten Sohn eines reichen russischen Waffenhändlers, dem die Bundespolizei und allen voran die gerade zur Hauptkommissarin beförderte Julia Grosz (Franziska Weisz) auf den Fersen ist. So startet der Film mit einer klassischen Zugriffsaktion, gross angelegt und durchorchestriert. Inspiriert dazu wurde Autor und Regisseur Niki Stein bei einem Besuch der Hamburger Zentrale der Bundespolizei.

Vom Flieger mit dem verdeckten Ermittler, der ins Meer stürzt, bis zum russischen Geheimdienst, der den unliebsamen Landsleuten im Ausland den Garaus macht, wurde in diesen Polizeiklassiker sehr vieles reingepackt. Man sollte sich an den Details erfreuen. Dem polnischen Schauspiel-Shootingstar Jakub Gierszal etwa. Oder am Gogol-Zitat: «Der Weg des Lebens ist breit. Aber viele kennen ihn nicht. Und wandeln den Weg des Todes.»

NDR «Tatort»: «Macht der Familie». Sonntag, 18. April 2021, 20.05, SRF 1. Wir geben vier von fünf Sternen.